Dieter Thomas Kuhn: Karneval auf Knopfdruck

Alexander Ochs & Oliver Rath

Kuhn + Kapelle = Kult. So einfach ist die Rechnung, so einfach ist das Konzept. Und es geht wunderbar auf. Irgendwo zwischen Grand Prix d’Eurovision-Kult und Bad Taste Trash schunkeln 2000 Schlagerfans in Irrsinnsklamotten durchs Zirkuszelt. Alex war für fudder mit von der Party.



Das ZMF gleicht einem bunten Späthippiehaufen, auffällig viele sind auffällig verkleidet, aber auch auffällig ähnlich. Eine übergroße Horn- oder Sonnenbrille im Gesicht, eine Hulahula-Kette um den Hals, die obligate Sonnenblume in der Hand und in bunte Seventies-Blumentapeten gehüllt gibt sich der Dieter-Thomas-Kuhn-Fan. Am Merchandising-Stand prangen hübsche T-Shirts mit dem Aufdruck Dieter, ich bin ein Kind von dir.

Schon bevor es losgeht, herrscht derbe Stadionatmosphäre. Getränke & Gegröle. Selbst bei der SWR-Begrüßungsansage vom Band geraten die meisten schon aus dem Häuschen. Vom Band geht es munter weiter: Während „Musik ist Trumpf“ dudelt, rückt die singende Föhnwelle Kuhn im goldenen Glitzerhemd mit seiner siebenköpfigen Kapelle ein.



Den Anfang machen „Sag mir quando, sag mir wann…“, „Hey, Amigo Charly Brown“ und „Micaela“ – bei allen Songs dieser über zwei Stunden langen Nummernrevue hampeln die Musiker wie Stummfilmfiguren herum. Sei es, dass sie in einer Art Mini-Polonaise über die Bühne rennen, sei es, dass sie simultan im Takt das Bein schwingen. „Schön ist es auf der Welt zu sein!“

Etwas umständliche Ansagen sorgen nach den meist zwei Takte zu schnell gespielten Schlagern für kurze Verschnaufpausen beim kollektiven Schunkeln, Händerecken und Jubeln. Kuhn kann sagen, was er will, das ist im Grunde egal. Ausrasten, Spaß haben, abgehen wollen eh alle. Und wenn es mal zu ruhig ist, feiern sich die Fans eben selbst. „Es ist total bescheuert, aber geil“, wie ein DTK-Fan neben mir meint. Wie Karneval auf Knopfdruck. „Aber bitte mit Sahne!“ Als visuelles Sahnehäubchen gibt es ein bisschen Pyrotechnik, einen Reigen aus Seifenblasen und Papierschnippsel-Regen. Ein Kessel Buntes eben.

Seit 14 Jahren recycelt der Tübinger Schlagerstar die unverwüstlichen Evergreens von Rex Gildo, Udo Jürgens, Howard Carpendale & Konsorten. Und wenn er nicht dumm ist, macht er das am besten bis an sein Lebensende so weiter (es sei denn, er ist zu intelligent dafür und genervt vom Ewiggleichen), denn ihm ist es gelungen, so etwas wie eine Marke zu schaffen – mit extrem hohem Wiedererkennungswert. Eine hampelnde Diva mit Mut zur Matte. Einmal lupft er kurz sein Hemd und präsentiert seine Brustmatte. „Und es war Sommer…“



Die Fans ziehen ihr Partyding genüsslich durch, werfen Stringtangas auf die Bühne (DTK kennt da nichts und riecht erstmal dran), später schleudern sie BHs rauf und sind gut gelaunt, witzig, locker, enthemmt. Reden, rempeln, rauchen, telefonieren ganz unverkrampft während des Konzerts. Warum auch nicht? Die Musik ist ohnehin altbekannt. „Amore mio“.

Sechs Songs, darunter „Aniiiii-ta“, „Ti amo“ und „Butterfly“, werden als Zugabe serviert. Auch wenn „Tränen lügen nicht“ das tropisch schwüle Konzert beschließt – von Trauer keine Spur. Irgendwann ist auch die letzte Seifenblase zerplatzt.

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Foto-Galerie: Oliver Rath

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