Der gute Ton

Dieser Musiker aus Ettenheim singt über Polizeigewalt

Lisa Discher

Emre Can Özdemir aus Ettenheim singt seit er neun ist. Heute ist er 22 Jahre alt und veröffentlicht seine eigenen HipHop-Songs, in denen es um Polizeigewalt und Drogen geht.

ECEY heißt eigentlich Emre Can Özdemir und macht Musik seit er neun Jahre alt ist. Der 22-Jährige trägt schwarzen Nagellack und Ringe. Er erinnert ein bisschen an Kurt Cobain, der auch "zu hundert Prozent" die Inspiration des Musikers sei. Schon als kleiner Junge habe er seinen ersten Beat gebaut. "Ich hab einfach mit meinen Fingern auf der Keyboard-Tastatur rumgehämmert, bis irgendwas Nices dabei rauskam", sagt er mit seiner für ihn typisch kratzigen Stimme "und so hat's dann einfach angefangen". Irgendwie hat das geklappt, denn heute hat er mehr als 700 monatliche Hörerinnen und Hörer auf Spotify.
"Nachdem mein Name auf dem Ausweis gelesen wurde, hieß es 'Schuhe aus, Taschen leeren'."

Die Inspiration zum neusten Song "Hate"? Polizei und Heimat. Als der Musiker noch jünger war, ging er oft mit seinen Eltern in die Türkei – Familie besuchen. Dort erfuhr er hautnah, wie Polizeigewalt aussehen kann. "In der Heimat meiner Mutter, im Osten der Türkei, ist die PKK sehr aktiv. Als Kind war das erschreckend zu sehen wie Maschinengewehre wie eine Selbstverständlichkeit über den Schultern von Polizisten hängen und bei anderen Menschen einfach 'ne Kalaschnikow auf dem Rücken baumelt. Dann hört man irgendwo Schüsse und niemand wundert sich." Am 9. April erschien "Hate", in dem es um die persönliche Erfahrungen mit der deutschen Polizei gehe. "Man sieht halt mit dunkler Haut anders aus. Ich kann gar nicht aufzählen, wie oft ich von der Polizei untersucht wurde und meine weißen Freunde neben mir nicht einmal angeschaut wurden. Nachdem mein Name auf dem Ausweis gelesen wurde, hieß es 'Schuhe aus, Taschen leeren' – natürlich war dann nie was."



Doch nicht nur seine eigenen Erfahrungen spiegelten sich im Song wider, auch der französische Film über Polizeigewalt 'La Haine' (auf Deutsch 'Der Hass') habe ihn inspiriert, seine Gedanken in Musik zu verpacken. "Tatsächlich habe ich den Song in zehn Minuten runtergeschrieben und mich dann ins Studio gehockt, den Beat angemacht und den Song aufgenommen. Das Ganze war sehr emotional, aber auch echt fesselnd," sagt er. Gerade in der heutigen Zeit, wo Geschichten über Polizeigewalt allgegenwärtig und erschreckend seien, habe auch er sich verpflichtet gefühlt, ein Zeichen zu setzen, denn Musik sei ein Medium, dessen Wirkkraft noch oft unterschätzt würde. Die erste Line des Songs lautet "Dying, I see all my brothers dying," und garantiert Gänsehaut.

Beats, die süchtig machen

In seinem neu erschienenen Song "Razorblade and Gatorade", geht es um die Anti-Verherrlichung von Drogen. Und man muss sagen: Der Beat macht süchtig. Seine Musik sei emotional, intuitiv und vor allem frei. Frei, weil niemand ihm vorschreibe wie seine Songs auszusehen haben und auch, weil seine Musik nicht nur einem Genre zugeschrieben werden könne. "Ich versuch' mich im Hip Hop selbst zu finden." Schon immer habe er Hip Hop konsumiert. Egal in welcher Sprache, ob auf Englisch, Französisch, Deutsch oder Türkisch gerappt wurde, Hip Hop sei einfach schon immer sein Metier gewesen – doch nicht das einzige Genre seiner Musik.

"Meine Musik ist die Reflektion meiner Gefühle. Wenn ich down bin, dann ist der Beat düster und die Texte deep", sagt der 22-jährige Musiker aus Ettenheim, übrigens die Stadt aus der auch Sophie Passmann kommt. "Wenn ich irgendwas mache, wo 'ne Message dahinter sein soll, dann kann das trotzdem auch voll abgespaced werden – also Autotune und das volle Programm, ich probier' einfach auch gerne aus."

"Das wird nie was," haben sie gesagt

ECEY sagt aber auch, dass nicht immer alles so gut lief. "Es kamen so viele Leute die meinten, hey, deine Musik gefällt mir nicht" und "Das wird nie was," haben sie gesagt. Trotzdem habe er weiter gemacht. Am Anfang habe er einfach alle Songs auf YouTube und Soundcloud hochgeladen. "Und auf einmal wurde das gehört und das war schon ein echt cooles Gefühl," sagt er "aber natürlich gibt es immer Hater, die das was du machst nicht mögen." Das müsse man akzeptieren. "Wenn du das machst was du liebst, dann interessiert dich nicht, ob das jemandem nicht gefällt," sagt er. Jetzt kann man seine Musik auf Apple Music und Spotify finden. "Je älter ich wurde, habe ich mich dann mit Marketing auseinandergesetzt und dadurch hat sich meine erste Fanbase gebildet." Er hat Hörerinnen und Hörer in der ganzen Welt: In Amerika, Großbritannien, Türkei, Deutschland und mehr. "Es ist einfach verrückt," sagt er.