Start-up

Dieser Freiburger will mit rohen, veganen Kuchen die Lebensmittelbranche aufmischen

Anika Maldacker

Aus der Finanzbranche in die Küche: Matthäus Wenzlik will sich mit rohen, veganen Kuchen selbstständig machen. Dafür ist er nach Freiburg gezogen und will bald seinen sicheren Job aufgeben.

Seine Kuchen sehen aus, wie für Instagram und Co produziert. Eine runde Torte mit kräftig violetter Cremeschicht, dekoriert mit farblich passenden Trockenblumen. "Das ist der Bio Raw Vegan Blueberry-Cake, unser Klassiker", sagt Matthäus Wenzlik, also eine Art Heidelbeerkuchen. Er spricht stets in der Wir-Form, wenn er von seinem Start-up "FrohNat" spricht, dabei ist es noch ein Ein-Mann-Unternehmen, das er bislang im Nebenerwerb führt. Wenzlik arbeitet noch bei einem US-amerikanischen Finanzdienstleiter, einem weltweit tätigen Anbieter von Lösungen für Risikomanagement im Onlinehandel. Den Job gibt er zum Jahresende aber auf, um sich voll und ganz auf sein Start-up zu konzentrieren. Wieso lässt ein 35-Jähriger einen sicheren Job sausen, um im großen Stil vegane Kuchen zu produzieren und zu verkaufen?

Kuchen, die durchaus erklärungsbedürftig sind. Die Adjektive "roh" und "vegan" rufen nicht bei jedem Appetit hervor – vor allem in Verbindung mit Kuchen. Dabei folgt Wenzlik einem Ernährungstrend, bei dem viel Rohkost verzehrt wird. Stichwort: Raw Food. "Das bedeutet, dass die Bio-Zutaten optimal erhalten und die Zutaten nicht über 42 Grad erhitzt werden, um die Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme zu erhalten", sagt Wenzlik. Der Trend ist nicht neu und auch im Netz gibt es viele Rezepte für ungebackene Kuchen. Wenzlik will mit dieser Idee nun aber ein Geschäft gründen. Seine Kuchen sind laktosefrei, ohne raffinierten Zucker und ohne Eier. Die meisten enthalten Nüsse, es gibt aber auch Alternativen für Allergiker. Der Boden seines Heidelbeerkuchens ist aus Mandeln, Walnuss, Ahornsirup, Kokosöl und Datteln. Die Creme aus Cashewkernen, Zitrone, Blaubeeren, Kokosöl, Kokosmilch und Ahornsirup.

Gesundheitsproblem führte zum Ernährungswechsel

Der Anstoß zu Wenzliks Vorhaben kam vor rund sechs Jahren, als sein Vater einen Herzinfarkt erlitt und Wenzlik sich mehr mit dem Thema Ernährung auseinandersetzte. Damals wohnte Wenzlik noch in Berlin und lief Halbmarathon und Marathon. Er riet seinem Vater, weniger Fleisch und mehr vegan zu essen. Weil das bei diesem positive Auswirkungen zeigte, stellte Wenzlik seine Ernährung einen Monat lang auf vegan um – und verlängerte sogar. "Später habe ich meine Ernährung für acht Monate auf Rohkost umgestellt", sagt Wenzlik. Über die Jahre eignete er sich immer mehr Wissen an. Bald überlegte er sich, wie ungebackene, vegane Süßigkeiten aussehen konnten und formte aus Datteln, Walnüssen und Mandeln kleine Bällchen. Dann kommt ihm die Idee zu den Kuchen.



Im März 2017 besuchte er eine erste Rohkost-Messe in Berlin. Er ließ eine Bäckerei die Produkte für sich herstellen. Im Juni 2020 zieht er nach Freiburg-Haslach. "Ich wollte weg aus der Großstadt und näher an die Natur", sagt Wenzlik. Seit April 2021 gibt es FrohNat. In der Seitzstraße hat er Räume gefunden, die er zunächst noch für die Lebensmittelproduktion ausstatten musste. Dort produziert er nun immer wieder Kuchen, die nach Fertigstellung sofort tiefgekühlt – um dann verkauft zu werden. Seinen Hauptberuf in der Finanzbranche beendet er zum Jahresende. "Ich will so schnell wie möglich in Vollzeit FrohNat aufbauen", sagt er, "ich will mit der Firma Gutes tun". Er selbst ernährt sich vorwiegend vegan und will anderen Menschen diese Ernährungsweise näher bringen.

Wenzlik will mit seinem Start-up größer werden

Derzeit ist Wenzlik mit Bio-Supermärkten und anderen Händlern im Gespräch, um seine Kuchen bekannter zu machen. Ein Bio-Bauernhof in der Freiburger Umgebung hat schon zugesagt. Auch über Lieferando kann man die Kuchen und vier Cupcakes für je 15 Euro kaufen. Derzeit verkauft Wenzlik nach eigenen Angaben rund 100 Kuchen pro Monat. So bald wie möglich will er eine GmbH aus seinem Unternehmen machen und Mitarbeiter einstellen. "Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft", sagt er.