Händel 1

Dieser Freiburger unterrichtet in einem alten Klohäuschen Ukulele

Angelina Klee

Im ehemaligen Klohäuschen an der Ecke Okenstraße, Händelstraße im Freiburger Stadtteil Herdern hängen Ukulelen in den Fenstern. Denn dort wird seit einiger Zeit Musik unterrichtet. Ein Besuch.

Die Geschichte

Benjamin Heusch, 54, Besitzer des einstigen Klohäuschens, hat ihm den Namen Händel1 gegeben. Aus ganz simplem Grund: Die Adresse lautet Händelstraße 1. Seit einigen Jahren gibt der Vollblutmusiker in dem denkmalgeschützten Häuschen Musikunterricht für Jung und Alt. "Nachdem ich hier schon 1000 Mal dran vorbeigelaufen bin, habe ich mich irgendwann mal gefragt: Was ist das?", sagt Benjamin Heusch.

Nachdem er hörte, dass Häuschen würde einen neuen Mieter suchen, rief er direkt bei der Stadt Freiburg an. Er bekam einen Termin und wenige Zeit später war der Mietvertrag schon unterschrieben. "Damals war auch der Bürgerverein Herdern an dem Häuschen interessiert. Genauso wollten viele Musikerkollegen mit mir hier gemeinsam einsteigen, da zu dieser Zeit das alter Güterbahnhofareal erneuert wurde, wo dann viele Musiklehrer ihre Proberäume verloren haben", sagt Benjamin Heusch. Am Anfang war das Häuschen noch etwas rustikaler, aber mit Unterstützung der Stadt bekam Benjamin Heusch neue Fenster – und den Rest renovierte er selbst.

Der Musiklehrer

Benjamin Heusch wohnt mit seiner Familie in Freiburg. Er ist gelernter Feinwerkmechaniker und ehemaliger PH-Student, hat aber vor langer Zeit seine Passion zum Beruf gemacht hat: Die Musik und das Gitarrespielen. Vor etwa 15 Jahren suchte der Leiter des Theater Zürichs während einer seiner Aufführungen im Freiburger Waldsee nach Musikern. So kam durch Zufall Benjamin Heusch an das Theater im Nachbarland und wirkt seither bei den verschiedensten Produktion mit. Egal ob Musik von Bruce Springsteen,The Beatles oder Queen.

Die Musikschüler

Benjamin Heusch sagt, seine Schülerinnen und Schüler sind ganz unterschiedlich. Eine bestimmte Altersgruppe gibt es nicht. So unterrichtet er schon Zweitklässler im Rahmen eines Förderprojekts mit der Ukulele. Aber auch Erwachsene nehmen bei ihm Unterricht. "Einige meiner Schülerinnen und Schüler sind Erzieher oder Altenpfleger. Hier ist es dann besonders schön zu hören, dass sie ihre Ukulele mit zur Arbeit nehmen und den Menschen mit der Musik Freude bringen. Gerade wenn im Altersheim das ’La Paloma’ angestimmt wird, singen die älteren Herrschaften direkt mit", sagt Benjamin Heusch.

Das Projekt Create!

Seit mehr als 20 Jahren leitet Benjamin Heusch gemeinsam mit Tobias Schwab das Bandprojekt Create! an der Weiherhof Realschule Freiburg. Das Rockprojekt besteht jährlich aus 16 bis 20 Bands mit Schülerinnen und Schülern der Schule. Seither ist das Projekt so erfolgreich, dass die Bands auch schon eigene CDs produziert haben und beim ZMF aufgetreten sind.

Die Ukulele-Kameradschaft

Um die Frage vom Anfang zu klären: Das, was in den Fenstern des Klohäuschens hängt, sind Ukulelen. "Ukulele ist die Antwort", sagt Benjamin Heusch, über das Instrument, das von vielen Menschen im ersten Moment nur belächelt wird. Heute explodiert die Nachfrage nach der Ukulele. "Viele Menschen trauen dem kleinen Instrument nicht viel zu, aber wenn sie dann mal Dschinghis Khan oder Space Oddity von unserer Ukulele-Kameradschaft gehört haben, schwenkt die anfängliche Ironie in Begeisterung um", sagt er.

Gerade jungen Musikschülerinnen und Schülern rät Benjamin Heusch, erstmal mit der Ukulele anzufangen – auch aus dem Grund, dass die einfach handlicher und kleiner ist als eine normale Gitarre. Aber nicht nur seine Jüngsten, auch ältere Schüler spielen die Ukulele. Daher hat Benjamin Heusch die Ukulele-Kameradschaft gegründet. Die Kameradschaft besteht aus etwa 18 Mitgliedern. "Der harte Kern, wie man so sagt", sagt Benjamin Heusch. Bei Auftritten variiert die Zahl der Ukulelen-Künstler dann immer zwischen 10 und 25. Alle seine Schülerinnen und Schüler, die Lust haben in einer großen Gruppe zu spielen, sind hier willkommen.

Der Name Kameradschaft bringt vielleicht einige Menschen zum nachdenken, in welche Ecke die Ukulele-Kamerdaschaft zu stellen ist. "Ich finde nicht, dass wir manche Worte einer Szene überlassen sollten", sagt Benjamin Heusch. "Wir haben absolut nichts mit irgendwas aus der rechten Szene zu tun. Wir sind einfach eine Gruppe Musiker, die Ukulele spielt. Eine Kameradschaft eben", sagt er weiter. Für viele der Musikerinnen und Musiker der Ukulele-Kameradschaft sind die Auftritte auf dem ZMF oder in der Wodan Halle in Freiburg etwas ganz Besonderes, denn einige haben davor noch überhaupt nie ein Instrument gespielt. "Wir haben eigentlich nach jedem unserer Auftritte neue Mitglieder, weil die Ukulele dann doch die Menschen begeistert. Es ist ein super Instrument, das jeder erlernen kann", sagt Benjamin Heusch.

Musikunterricht und die Corona-Krise

Als der Lockdown kam, konnte Benjamin Heusch erstmal keinen Unterricht mehr geben. Als nach und nach die Lockerungen folgten, nahm er mit seinen Schülern wieder die Proben auf. In kleinen Gruppen kann er den Abstand in seinem Proberaum gewähren. Mit seiner Ukulele-Kameradschaft probt er einfach vor der Klohäuschentür im Freien. "Hier bleibt dann schon mal der ein oder andere stehen und lauscht unserer Ukulelen-Probe", sagt Benjamin Heusch.