Dating-App

Diese Singles in Freiburg kommen mit Tinder durch die Krise

Antonia Asel

Was läuft eigentlich auf den Dating-Apps? Wie treffen sich Singles im Lockdown und hat die Pandemie für einen Aufschwung von Tinder & Co. gesorgt? fudder-Autorin Antonia Asal hat sich in ihrem Freundeskreis umgehört.

Online-Dating wird immer beliebter: Allein im vergangenen Jahr stiegen laut eigener Angaben von Tinder weltweit die Nutzerzahlen um rund 2 Millionen, die Anzahl an Nachrichten innerhalb der Dating-App um 52 Prozent. Entgegen aller romantischen Überzeugungen hat Corona nun auch in meinem Freundeskreis die Hemmschwelle der letzten zweifelnden Singles durchbrochen.

Erst skeptisch, dann begeistert

"Ich war ursprünglich skeptisch, Freiburg ist ja doch nicht so groß und ich wollte nicht das Gefühl haben, in der Bib oder beim Einkaufe von Leuten erkannt zu werden, die mich bei Tinder gesehen haben". Das erzählt mir eine Freundin. Sie habe sich deshalb erstmal eine der drei möglichen Premiumversion heruntergeladen, bei der man einstellen kann, dass man nur Personen angezeigt wird, die einem selbst gefallen. Dies habe ihr den Einstieg erleichtert. Inzwischen tindere sie allerdings mit der Standardversion.

Nicht nur für Dates

Was die Singles zurzeit in die Arme der Dating-Apps treibt? Es ist vor allem die Einsamkeit und Langeweile, die Corona mit sich bringt. Hobbys fallen weg, man geht abends nicht mehr aus. Diese Zeit vermag Tinder zu füllen. Ein Nutzer erklärt: "Es ist unmöglich neue Leute kennenzulernen, ich nutze Tinder nicht unbedingt nur für Dates, sondern auch einfach um Leute zu treffen, mit denen ich dann etwas unternehme." Eine andere Freiburgerin betont: "Es ist das einzig Aufregende, was man im Moment machen kann, sonst ist man in seinem täglich gleichen Rhythmus gefangen."

Tinder macht Spaß

Hinzu kommt, dass das Tindern an sich schon Spaß macht. In der Pandemie sei nach eigenen Angaben von Tinder bei den Nutzern unter 25 Jahren das Volumen an Swipes um 39 Prozent angestiegen. Das Wischen nach rechts oder links erinnert an Instagram, wo man gerade in Zeiten der Kontaktbeschränkungen und Langeweile bekanntermaßen Stunden mit Zerstreuung verbringen kann. Zudem gibt jedes Match Bestätigung und steigert das eigene Selbstbewusstsein.

Dating-Apps fürs Outing

Lucas aus Freiburg hat Online-Dating sogar beim Outing geholfen. Eigentlich seien Pink Partys eine gute Möglichkeit, sich "anonym zu outen" erklärt er. Solche fielen unter Pandemiebedingungen allerdings weg. Tinder biete ähnlich dazu die Möglichkeit, klar zu signalisieren: Ich bin homosexuell. So könne man Bestätigung sammeln und sich in einem Kreis fremder Menschen outen, um dann auch gegenüber dem privaten Umfeld sicher und offen auftreten zu können. "Auf Tinder habe ich eben nur Kontakt mit anderen Homosexuellen. Es gibt einem die Sicherheit und das Gefühl von Normalität, dass man am Anfang des Outings gegenüber Menschen braucht, die einem wichtig sind, beziehungsweise, vor deren Urteil man Angst hat."

Treffen zu zweit sind möglich

Online-Dating ist unter Homosexuellen sowieso wichtig und sehr verbreitet. Jetzt in Corona-Zeiten sei es schon fast unverzichtbar, so Lucas. Zuletzt betonten alle befragten Nutzer, sich in ihrem Alltag an die Corona-Regelungen zu halten, sich dementsprechend mit nur einem weiteren Haushalt zu treffen. Ein Treffen mit der Freundesgruppe falle damit aus. Für Tinder sei die Regelung allerdings wie gemacht. Zwar plage den ein oder anderen ein schlechtes Gewissen, weil über die Zeit verschiedenste Kontaktpersonen zusammenkommen, allerdings habe Corona bei den Studierenden zu massiven Kontaktverlusten und Vereinsamung geführt.

Gerade unter Erstsemestern sei es unverzichtbar, irgendwie neue Leute kennenzulernen. Und wenn dies nicht in studentischen Gruppen möglich ist, was bietet sich da besser an, als eine App, die darauf zielt, dass sich nur zwei Personen treffen?

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