Ernährung

Diese jungen Freiburger wollen den "Vegan Store" in Freiburg eröffnen

Anna Castro Kösel

Für Veganer, Vegetarier und alle, die sich für eine gesunde Ernährung interessieren: fünf junge Freiburger wollen einen veganen Laden in Freiburg eröffnen. Einen Raum gibt es noch nicht, an der Finanzierung wird gearbeitet.

Ein junges Freiburger Team hatte während der Pandemie die Idee, einen Laden in Freiburg zu eröffnen, in dem es nur vegane Produkte zu kaufen geben soll. Damit möchte die jungen Freiburger zwischen 18 und 21 Jahren einen urteilsfreien Ort schaffen – für alle, die sich für vegane Ernährung interessieren. fudder hat mit den Mitgliedern Helen Frey und Lukas Nick gesprochen.

Wie seid ihr auf die Idee zum Vegan Store gekommen?

Helen: Die Idee ist während Corona entstanden. Wir haben ein bisschen rumgesponnen und sind von der Idee, ein Start-Up für die Produktion von veganem Grillkäse zu der Idee gekommen, einen veganen Laden in Freiburg zu eröffnen. Weil wir alle befreundet sind, wollten wir uns einfach so treffen, um nochmal genauer darüber zu reden, aber eigentlich war es für uns erstmal nur eine Jux-Idee. Als wir uns aber dann getroffen haben, ist unerwarteterweise ein guter Plan entstanden.

Wie seid ihr beide zur veganen Ernährung gekommen?

Lukas: Ich bin erst dieses Jahr vegan geworden, habe mich davor aber 15 Jahre vegetarisch ernährt. Da ich den Wechsel von vegetarisch zu vegan schwierig fand, hat mich das zusätzlich motiviert, bei dem Projekt Vegan Store mitzumachen.

"Der Store soll ein Ort sein, der neutral ist und an dem sich Menschen wohlfühlen." Helen Frey

Was ist eure Vision für euren Vegan Store?

Einmal möchten wir das vegane Einkaufen einfacher machen, aber nicht nur für Veganerinnen und Veganer, sondern auch für Menschen, die die vegane Ernährung mal ausprobieren möchten. Wir möchten, dass man sich nicht mit jedem Produkt auseinandersetzen muss, um sicherzugehen, dass es auch vegan ist, sondern, dass es den Kundinnen und Kunden so einfach wie möglich gemacht wird.

Hinter unserem Store steckt ein modernes Konzept, das sich von dem klassischen Bioladen unterscheidet. Dadurch möchten wir vegane Ernährung wieder auf das runterbrechen, was sie eigentlich ist, nämlich nur eine Ernährungsweise – ohne die Vorstellungen und Erwartungen, die damit zusammengebracht werden. Unser Store soll auch für Leute sein, die Fleisch essen und noch nicht alles "perfekt" machen. Wir möchten unsere eigenen Motive zurückschrauben und Leute nicht dafür verurteilen, wie sie sich ernähren.

Helen: Der Store soll ein Ort sein, der neutral ist und an dem sich Menschen wohlfühlen. Wir wollen Klischees aufbrechen und alle Menschen mit veganer Ernährung erreichen, ohne arrogant und von oben herab zu sein. Der Vegan Store soll ein cooler Spot werden, wo sich junge Menschen treffen können. Von denen gibt es in Freiburg leider nicht so viele.



Warum ist euch so ein Einkaufsort wichtig?

Helen: In der linken Community habe ich oft das Gefühl, dass man schnell dafür verurteilt wird, wenn man nicht alles perfekt macht und sich nicht vorbildlich verhält. Ich zum Beispiel bin auf das Auto angewiesen, weil ich außerhalb von Freiburg wohne und ernte dafür regelmäßig Kritik. Wir sind der Meinung: Wenn man vegan werden will, muss man nicht alles perfekt machen. Man kann Dinge auch erstmal ausprobieren.

Was hat es bei dem Logo des Vegan Store auf sich?

Lukas: Das Logo soll eine fleischfressende Pflanze darstellen. Da wir Klischees aufbrechen möchten, haben wir nach etwas gesucht, was nicht so klassisch ist, wie ein Blatt, was man oft in Zusammenhang mit Veganem sieht. Es war ein zweiwochenlanger Prozess, bis wir darauf gestoßen sind.
Du liest gerne fudder?
Damit fudder jungen Journalismus aus Freiburg bieten kann, bitten wir Dich um Deine Unterstützung. Werde Mitglied in fudders Club der Freunde.

Als Bonus gibt’s für Dich exklusive Veranstaltungen und Gewinnspiele und vieles mehr: Elf Gründe, warum wir Dein Geld wert sind.

Womit beschäftigt ihr euch gerade am meisten?

Lukas: Das Erstellen des Business-Plans, also die Finanzierung, ist gerade die Hauptsache. Wir haben ein Crowdfunding über Go Fund Me gestartet und möchten bald noch ein zweites launchen. Mittlerweile wissen wir aber, dass das Crowdfunding nicht reichen wird – wahrscheinlich müssen wir einen Kredit aufnehmen. Parallel arbeiten wir auch an anderen Themen, wie zum Beispiel zu Social Media. Auf Plattformen wie Instagram und TikTok möchten wir eine Community aufbauen. Außerdem beschäftigen wir uns noch mit unserem Logo und Style und dem Thema Marktforschung. Da der Store für manche von uns, wenn es richtig los geht, ein Fulltime-Job wird, arbeiten wir jetzt schon sehr viel daran, damit sich das in Zukunft auszahlt.
"Bei der Produktauswahl generell wollen wir unsere Community miteinbeziehen." Lukas Nick

Welche Herausforderungen stehen noch vor euch?

Helen: Die Finanzierung, wie man ein Unternehmen gründet, zum Notar gehen, ins Handelsregister eintragen und vieles mehr. Das bringt viel Verantwortung mit sich. Das ist schon ein großes Ding, was uns am Anfang noch nicht so klar.

Überfordert euch das?

Lukas: Es ist ein gutes Gefühl, gleichzeitig wissen wir auch ganz genau, dass es Zeiten geben wird, wo wir sehr viel arbeiten müssen und Stress haben werden. Aber wir freuen uns drauf, weil wir uns gut verstehen und uns das Projekt Spaß macht.

Inwieweit habt ihr euch über die Produktauswahl Gedanken gemacht?

Lukas: Wir sind mit Bäckereien im Gespräch, mit denen wir vegane Teilchen produzieren und To Go verkaufen wollen. Bei der Produktauswahl generell wollen wir unsere Community miteinbeziehen und sie fragen, was sie sich wünschen und vermissen, damit sie die Auswahl von Anfang an mitbestimmen können. Deswegen sind wir, was die Produkte angeht, noch nicht festgelegt. Wir möchten aber Produkte aus anderen Ländern, wie Israel zum Beispiel, ins Angebot aufnehmen, weil wir finden, dass es dort schon coole Alternativen zu verschiedenen Produkten gibt.

Dadurch wollen wir auf Einzigartigkeit setzen. Um die Kosten für Kundinnen und Kunden im Rahmen zu halten, werden wir nicht nur Bio-Produkte anbieten, aber wenn das erwünscht ist, wird es natürlich auch Bio geben.

Für wann ist die Eröffnung geplant?

Wir wollten ursprünglich Mitte Sommer eröffnen, peilen jetzt aber den Oktober an, weil es bis dahin noch einiges zu tun gibt.
Mehr zum Thema: