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Diese fünf Kaffeeröstereien gibt’s in der Nähe von Freiburg

Andreas Woitzik

Bio-zertifizierte Röstungen, Ein-Mann-Betriebe und ganz viele Geschmacksrichtungen: fudder stellt fünf besondere Kaffeeröstereien vor, die in Freiburg und der Umgebung liegen.

Wer sich durch die Freiburger Röstereien bereits probiert hat, findet in der Region jede Menge weiterer interessante Röstereien. Deshalb können wir hier leider nicht alle auflisten, es lohnt sich also auch über diesen Artikel hinaus zu probieren. Um Euch einen Eindruck davon zu geben, wie vielfältig die Röstereiszene in Südbaden ist, stellen wir Euch fünf Röstereien vor.

1) Wein trifft auf Kaffee: Burkhart Kaffee in Jechtingen

Im Kaiserstuhl am Rande Sasbachs in den Reben gelegen, genießt die Rösterei Burkhart ein ganz besonderes Naturambiente. Seit 1986 sind die Burkharts Pioniere im Bio-Weinbau. Als man 2011 das zweite Genussmittel mit ins Sortiment aufnahm und die Rösterei gründete, legte man wieder viel Wert auf biologische Landwirtschaft. So sind die allermeisten Röstungen bio-zertifiziert. Die Idee zur eigenen Rösterei kam Marco Burkhart auf einer Kolumbienreise 2010 und noch heute werden die Plantagen, von denen der Kaffee bezogen wird, regelmäßig besucht. So verwundert es nicht, dass es sich dabei meist um kleine Familienplantagen und Genossenschaften handelt.

Wenn Marco Burkhart über die Plantagen erzählt, spürt man, dass er selbst Erfahrungen in der Landwirtschaft hat und sich um das Wohl der Produzenten sorgt. Wie in der lokalen Röstereiszene weit verbreitet zahlt auch die Rösterei Burkhart deutlich höhere Kaffeepreise als der Weltmarkt. Seit Juli 2020 betreibt die Rösterei einen Online-Shop, sodass Kunden besonders pandemiefreundlich an ihren Kaffee kommen. Das nächste Projekt ist es, die Verpackung des Kaffees noch umweltfreundlicher zu machen, indem mehrfach verwendbare Einmachgläser im Tauschsystem benutzt werden. Finden könnt Ihr die meisten Röstungen auch im Einzelhandel in Freiburg und Umgebung.
2) Lockere Barockröster: Der klitzekleine Kaffeeladen in Ettenheim

Unkomplizierter geht es in der Kaffeebranche nicht. Der klitzekleine Kaffeeladen in der Barockstadt Ettenheim begrüßt schon auf der Webseite mit einem lässigen "Salli". Bei Fragen zur Bestellung meldet sich "der Olli". Möchte man beispielsweise wissen, wie man seinen Kaffee vor dem Versand bezahlen solle, erhält man ein "vorab muss bei uns nix :-)". Auch hier wird, wie für die vielen kleinen Röstereien üblich, mit dem schonenden Trommelröstverfahren gearbeitet. Neben verhältnismäßig günstigen Hausmischungen gibt es eine Auswahl an sortenreinen Kaffees, Kaffees aus dem Direkthandel und verschiedene Tees. Wer die Chance hat, den Laden einmal live zu besuchen, bekommt neben der Rösterei noch ein Deko-Geschäft geboten. Außerdem gibt es eine große Teeauswahl und der Laden liegt in der barocken Innenstadt von Ettenheim, die schon alleine einen Ausflug wert ist.
3) Klein aber fein: Røststolz in Freiburg

Das Sonderzeichen im Namen kündigt schon an, dass es sich bei der Rösterei Røststolz um etwas Besonderes handeln muss. Die kleine Kaffeemanufaktur verdient den Namen Manufaktur, denn sie wird von Inhaber Oliver Unmüßig alleine geführt. Sie füllt lediglich einen Raum im privaten Wohnhaus und es gibt keinen Verkaufsbereich oder Ähnliches. Die Bohnen kann man im Bächle Café in Freiburg kaufen oder online bestellen. Oliver hat hier seinen Traum zum Nebenberuf gemacht. Hauptberuflich ist der gelernte Elektrotechniker Qualifizierungsingenieur. Auch er entdeckte seine Leidenschaft für Kaffee auf einer Reise.

Als er in Australien Kaffee probierte, der blumig und fruchtig schmeckte - gar nicht so wie er das gewohnt war - war sein Interesse geweckt. Seitdem beschäftigt er sich mit Spezialitätenkaffee. Das ist von Experten zertifizierter Kaffee, der eine große Geschmacksvielfalt bietet und damit auch hohe Preise erzielt. So unkompliziert es heute ist, Olivers Kaffee als Kunde zu kaufen, so kompliziert war für Oliver die Gründung in Teilselbstständigkeit. Einen Gewerberaum anmelden, den Bebauungsplan auf dem Landratsamt ändern, ein Zolllager beim Zoll anmelden, Emissionswerte einhalten und Auflagen vom Veterinäramt beachten. So eine Gründung benötigt eben doch viel Leidenschaft und die bringt Oliver definitiv mit.
4) Kaffee selbst rösten lassen: Röstliebe in Gundelfingen

Wer schon einmal davon geträumt hat, seinen eigenen Kaffee zu rösten, der kann diesem Wunsch mit der Röstliebe aus Gundelfingen ganz nah kommen. Das ist auch deutlich unkomplizierter als selbst eine Rösterei anzumelden, wie Du weiter oben bei Oliver gelesen hast. Die Rösterei bietet den Service, Rohkaffee auf Wunsch für die Kunden zu rösten. Vielleicht hast Du ja auf Deinem Around-the-world-Trip nach der Schule eine Kaffeeplantage besucht und irgendwo im Fotoalbum gibt es noch eine verblichene Kontaktkarte mit einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse? Dann nichts wie los! Bestell Dir Deinen Rohkaffee und lass Dich von der Röstliebe beraten. Wer, wie ich, nach der Schule keine Plantage besucht hat, kann auch Rohkaffee bei der Röstliebe (direkt) kaufen und sich beraten lassen. Oder sich zunächst einmal durch das Sortiment probieren.
5) Kaffee und Vielfalt: MundWerk in Waldkirch

Die Kaffeerösterei und das Café Mundwerk wurden im November 2014 als Teil der Sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft am Bruckwald gegründet. Hier arbeiten Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf zusammen. Es gibt verschiedene Arbeiten, zum Beispiel in einer Schreinerei, Bäckerei oder Hausmeisterei. Die Rösterei ist Teil dieses Angebots und bietet laut Felix Meybrunn eine beliebte und sinnstiftende Arbeit. Besonders geschätzt wird von den Mitarbeitenden das Lebensmittel Kaffee in Verbindung mit dem Café Mundwerk. Denn dort kann der Genuss direkt vom glücklichen Gesicht des Kunden abgelesen werden.

Außerdem bietet die Rösterei Tätigkeiten von unterschiedlicher Komplexität: Vom Sortieren der Steine aus den Bohnen oder dem Nachsortieren von schlechten Bohnen, das hier von Hand geschieht, über das Bedienen der Röstmaschine bis hin zum Service im hauseigenen Café. Es wird fast ausschließlich Bio-Kaffee geröstet, der Großteil davon ist fair gehandelt. Dazu gibt es gelegentlich Projektkaffees, bei denen man einen Einblick über das Leben der produzierenden Personen erhält. Mit fünf bis sechs Tonnen Kaffee im Jahr gehört die Rösterei schon nicht mehr zu den ganz Kleinen und hat mehrere größere Kunden bis hin zu Altenheimen im schwäbischen Raum. Mehr zum Thema: