Zelten

Diese Anbieter machen das Wildcampen im Schwarzwald legal

Clara Müller & Maya Schulz

Wer im Sommer in der Natur zelten will, kann schnell in Konflikt mit dem Gesetz kommen – oder die Natur belasten. Doch es gibt Alternativen, die beides umgehen. Eine Website, die Zeltplätze aufzeigt – und Trekking-Camps im Schwarzwald.

Reisen ist in Zeiten der Pandemie erschwert: Wandern und Zelten werden immer beliebter. Doch Campingplätze sind schnell voll und das echte Naturerlebnis kommt häufig zu kurz. So zieht es viele Menschen zum illegalen Zelten in den Schwarzwald. Doch das bringt Probleme mit sich: In Naturschutz- und Brutgebieten werden Lagerfeuer gemacht und oft jede Menge Müll zurückgelassen. Und das kann auf Dauer ziemlich schädlich für den Schwarzwald und seine Bewohner sein. "Wenn sich das Übernachten im Gelände etabliert – und den Eindruck habe ich – dann bleibt den Tieren quasi keine Zeit mehr, in denen sie ungestört sind", sagte schon Feldberg-Ranger Achim Laber im BZ-Interview. In diesem Artikel stellen wir zwei Alternativen zum illegalen Zelten im Schwarzwald vor.

Trekking-Camps

"Mit den Trekking-Camps wollen wir eine Möglichkeit anbieten, legal im Schwarzwald zu übernachten", so die Projektmanagerin Lilli Wahli vom Naturpark Schwarzwald. "Die Idee war es, ein Angebot zu schaffen, bei dem man allein im Wald sein kann, abseits von den ausgetretenen Pfaden", fügt sie hinzu. Damit die Natur aber geschützt bleibt und die Tierwelt mit dem Campingangebot nicht gestört wird, werden die Camps gemeinsam mit den Försterinnen und Förster vor Ort umgesetzt.

Die Camps sind nur zu Fuß erreichbar und die genauen Standorte sind nicht ausgeschildert. Und obwohl sie etwas abseits liegen – mitten im Wald – seien sie von offiziellen Wanderwegen nicht weit entfernt, sagt Lilli Wahli. "Die Trekking-Camps sind für Mehrtagestouren gemacht, das heißt, sie sind immer eine Tagesetappe voneinander entfernt", so die Projektmanagerin. Passende Tourenvorschläge gibt es im Internet, doch der Schwarzwald ist groß, da hat man viele Möglichkeiten. Insgesamt gibt es bisher neun Stellplätze, sechs im Schwarzwald Mitte/Nord und drei im Südschwarzwald. Weitere sind aber in Planung und sollen teilweise diese Saison noch zugänglich sein, so Wahli. "Ziel ist es, einmal durch den ganzen Schwarzwald laufen zu können!"
Und so funktioniert’s:
Auf der Homepagekann man für 12 Euro eine Nacht in einem Camp buchen. Nach der Buchung bekommt man dann die letzte "Meile" zum genauen Standort, also die genaue Wegbeschreibung zum Camp. Buchen kann man die Camps von Mai bis Oktober. Auf den Stellplätzen ist jeweils Platz für bis zu drei Zelte und jedes Camp hat eine Feuerstelle und ein kleines Toilettenhäuschen mit einer Kompost-Toilette.

Achtung: Aufgrund der aktuellen Coronaverordnungen kann momentan leider noch kein Camp gebucht werden, was sich aber mit einer positiven Pandemieentwicklung jederzeit ändern kann.

MyCabin

Die Idee zu diesem Start-Up aus Konstanz kam Gründungsmitglied Finn Wilkesmann schon 2019, als er selbst beim Wildcampen mit einem Zelt erwischt wurde. Was als Streitgespräch zwischen ihm und dem Grundstücksbesitzer begann, entwickelte sich zu einem konstruktiven Gespräch über die Tourismussituation in Deutschland und endete mit der Konzeptidee für MyCabin: Eine Plattform schaffen, auf der Grundstücksbesitzerinnen und Camper sich vernetzen können und legales Campen somit möglich gemacht wird. "Wir organisieren den Campingtourismus außerhalb der Campingplätze", beschreibt Finn das Kernziel des Projekts. "MyCabin soll eine Alternative zu den Wildcamping-Verboten sein, denn der Platz ist ja da – es muss nur für alle stimmen."

Wichtig ist dem Start-Up, einen sanften Tourismus zu fördern, bei dem möglichst wenig auf die bereiste Natur eingewirkt und diese dabei möglichst intensiv und ursprünglich erlebt werden soll. Mit seinem Geschäftsmodell und dem Fokus auf Community und Austausch sieht sich MyCabin als Mittelweg zwischen gängigen Plattformen wie Airbnb und Couchsurfing. Besonders schön sei vor allem der Austausch, der entsteht, wenn sich Städter und Dörfler treffen. "Bei unseren Gastgebenden kommt es nicht selten vor, dass man am Lagerfeuer länger ins Gespräch kommt oder auch morgens frische Eier gebracht werden. Ich habe neulich an drei verschiedenen Standorten übernachtet und jedes Mal morgens von den Gastgebenden frische Eier bekommen", erzählt Finn. Damit fördert MyCabin auch die Wertschätzung für die landwirtschaftlichen Betriebe, die einen Großteil der bisher registrierten Gastgeberinnen und Gastgeber ausmachen.
Und so funktioniert’s:
Privatpersonen, die den Platz auf ihrem Grundstück teilen möchten, melden sich als Gastgeber auf MyCabin an. Camper und Camperinnen können die Orte über https://mycabin.eu/discover finden, die Verfügbarkeit prüfen und einen Platz buchen. Finanziert wird MyCabin durch eine Servicegebühr, die jedoch nur auf Gast-Seite erhoben wird. Für Gastgeberinnen und Gastgeber kann MyCabin eine zusätzliche Einnahmequelle sein und bietet außerdem die Chance, interessante Leute kennenzulernen und eigene Erzeugnisse oder Angebote ihres Hofs zu bewerben, ohne dass ein Mehraufwand entsteht.

Im letzten Sommer ging die Webseite in die Pilotphase. Seit April 2021 ist die Webseite gelaunched.