Neuerscheinungen

Diese 5 Gesellschaftsspiele sind Ideal für lange Corona-Nächte

Thomas Magenheim-Hörmann

Die Spielwarenbranche zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise, denn die Nachfrage nach Spielen, Puzzle & Co. ist stark gewachsen. Die BZ stellt eine Auswahl neuer Brettspiele vor.

Für den aktuellen Boom seiner Branche hat Ulrich Brobeil eine einfache Erklärung. "Spielen war noch nie so wichtig wie heute, denn man rückt dabei enger zusammen und kann der Realität auf Zeit entfliehen", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie. Sein Kollege Steffen Kahnt vom Handelsverband Spielwaren stößt ins selbe Horn: "Spielwarenhändler sind Gute-Laune-Lieferanten, auch wenn nichts mehr geht." Wer seine Spiele zuhause mittlerweile schon auswendig kennt, wird vielleicht unter den Neuerscheinungen fündig. Die BZ stellt eine Auswahl vor.


Ein Trend bei Brettspielen ist das Legacy-Genre. Hier ändern sich Regeln von Partie zu Partie, Spielbretter werden nach und nach beklebt oder Spieler erhalten individuelle Fähigkeiten, was das Brettspiel fast zu einer Art Rollenspiel werden lässt. Vorteil: Es ist enorm abwechslungsreich mit TV-Seriencharakter. Nachteil: Man sollte immer in selber Besetzung spielen, da nach einigen Dutzend Partien das Material so verändert ist, dass es nicht weiterverwendet werden kann. Letzteres Problem umgeht "My City" (Verlag Kosmos) von Erfolgsautor Reiner Knizia.

My City

Das Legespiel, bei dem zwei bis vier Personen ab zehn Jahren mit Gebäudeplättchen eine Stadt puzzeln, hat zwei Spielplanseiten. Auf der A-Seite wird 24 Partien lang das Legacy-Spiel gelegt. Auf der B-Seite kann wie bei normalen Spielen regelreduziert weitergezockt werden. In der herausragenden Legacy-Variante ist es Knizia gelungen, mit wenigen Regeländerungen von Partie zu Partie immer neue Herausforderungen zu schaffen. Mit der Taktik der ersten Partie kommt man bei der fünften nicht mehr weit. Eine Partie dauert etwa eine halbe Stunde, der ganze Spielzyklus zwölf Stunden. Fazit: Das Spiel ist ideal für lange Corona-Nächte, voll familientauglich und für rund 35 Euro angemessen im Preis.

Trails of Tucana

Ein traditionelles, aber kein gewöhnliches Gesellschaftsspiel ist "Trails of Tucana" (Pegasus) von Eilift Svensson und Kristian Östby. Bis zu acht Spieler ab acht Jahren werden zu Wegebauern. Jeder erhält die Karte einer Insel mit Landschaftsformen wie Wüste, Wald oder Gebirge. Am Rand der Insel befinden sich Dörfer, in ihrer Mitte Sehenswürdigkeiten, die durch Bleistiftstriche mit einem Dorf verbunden werden sollen. Wo man die Striche setzen darf, legen Landschaftskarten fest, von denen Zug um Zug zwei aufgedeckt werden. Für Sehenswürdigkeiten, die mit Dörfern verbunden werden, gibt es Siegpunkte.

Weil die Anordnung der Dörfer von Spieler zu Spieler unterschiedlich ist, setzt jeder seine Striche anders. Das macht die knapp halbstündigen Partien spannend und kurzweilig, alles ist schnell erklärt. Das Spiel mit Bingo-Atmosphäre ist oft schon unter 20 Euro zu haben. Ein Tipp: Wer die Inselkarten laminiert und Folienstifte verwendet, senkt den Papierverbrauch.
Die Spielwarenbranche boomt

Die Spielwarenbranche zählt zu den Gewinnern der Corona-Krise. Um bis zu neun Prozent auf 3,7 Milliarden Euro könnten die Umsätze nach Endverbraucherpreisen im Corona-Jahr 2020 steigen, erwarten Marktforscher. Spiele und Puzzles haben in den ersten zehn Monaten des Jahres um fast ein Viertel zugelegt. Fast ein Fünftel mehr verkauft wurde von Bastelartikeln und Outdoor-Spielzeug wie Trampolin oder Schaukel. Weihnachten vermutet Verbandschef Steffen Kahnt auf den Wunschzetteln der Kinder vor allem Experimentierbaukästen, mit denen sich mittlerweile sogar Biokosmetik im Kinderzimmer herstellen lässt. "Wir sind auf der Sonnenseite", jubelt der Händler. Allerdings profitiert vor allem der Onlinehandel. Von 42 auf wohl 52 Prozent werde dessen Marktanteil dieses Jahr steigen, schätzt Kahnt. Gespalten ist die Entwicklung auch bei den Spielwarenherstellern, wo vor allem Größen wie Lego, Ravensburger oder Kosmos profitieren. Das wird den Konzentrationsprozess in der Branche voraussichtlich beschleunigen.

Speedy Roll

Sollen kleine Kinder ab vier Jahren mit von der Partie sein, ist "Speedy Roll" (Piatnik) von Urtis Sulinskas als Kinderspiel des Jahres eine gute Wahl. Es ist ein Wettrennen auf Waldwegen und variablen Spielplanteilen, die zu einem Zielhaus führen. Dabei wird nicht gewürfelt, sondern gerollt, und zwar mit einer tennisballgroßen Filzkugel, die mit aufgeklebtem Gesicht wie ein zusammengerollter Igel aussieht. Gerollt wird die Kugel über auf dem Tisch verstreute Pilz-, Laub- und Apfelschnipsel, die am Filz hängenbleiben. Man braucht die Schnipsel, um seinen Holzigel auf dem Spielplan Feld für Feld vorwärts zu ziehen. Glücklich ist daher, wer seine Filzkugel gezielt über die benötigten Schnipsel rollt. Es gibt auch eine kooperative Variante, bei der alle Mitspieler einen Igel ziehen, der vor einem Fuchs davonläuft. Das Rollen der Filzkugel hat speziell für kleine Kinder enormen Aufforderungscharakter. Sie können sich mit dem Spiel für etwa 27 Euro auch gut alleine beschäftigen.

Glen More II Chronicles

Ein Schwergewicht in jeder Hinsicht ist "Glen More II Chronicles" (Funtails) von Matthias Cramer, das ab 60 Euro zu haben ist und fast drei Kilogramm auf die Waage bringt. Für das Sortieren des umfangreichen Spielmaterials gibt es eine Videoanleitung im Internet. Doch keine Sorge: Die Hälfte des Materials dient optionalen Varianten und Ergänzungen.

Glen More führt ins schottische Hochland. Bis zu vier Wohnzimmerschotten ab zwölf Jahren bauen mit Landschafts- und Personenkärtchen am eigenen Clan-Gebiet. Dazu bewegt man seine Figur auf einem Plättchenrondell so weit vorwärts wie man will, nimmt das Plättchen am Ziel auf und baut es in sein Clan-Gebiet ein.
Der Clou: Am Zug ist, wer auf dem Rondell am weitesten hinten steht. Weit nach vorne rennen bedeutet aussetzen. Rohstoffe und Whiskyfässer, Bonus- und Siegpunktmöglichkeiten machen Glen More zum taktischen Knüller, für den bei einer Spieldauer von zwei Stunden aufwärts Sitzfleisch nötig ist. Anspruchsvolle Vielspieler schreckt das nicht.

Nova Luna

Ein klassisches Familienspiel ist "Nova Luna" (Pegasus) von Uwe Rosenberg und Corne van Morsel. Das eigentlich etwas abstrakte Legespiel schafft durch schöne Grafik dennoch Atmosphäre. Spielmotor ist eine Monduhr, die zur Beschaffung quadratischer Plättchen in vier Farben dient. Die Spieler müssen die Plättchen so anlegen, dass auf ihnen aufgedruckte Siegpunktbedingungen erfüllt werden. Hier ist geschicktes Kombinieren gefragt. Bis zu vier Spieler ab acht Jahren beschäftigt das etwa eine halbe Stunde. Nova Luna kostet 25 Euro.

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