Hochschule

Die Uni Freiburg startet an diesem Montag ins dritte Corona-Semester

Anika Maldacker

Wohnen, Essen, Studieren, Lernen: Wie bereitet sich die Universität Freiburg auf das Sommersemester 2021 vor? Verschiedene Akteurinnen und Akteure an der Uni geben zum Beginn des Semesters Einblick.

Carsten Höting, Mensaleiter:

Das Team in der Mensa Rempartstraße um Leiter Carsten Höting plant nur noch von Woche zu Woche. "Alles andere macht keinen Sinn", sagt Höting. Zum Semesterstart bietet die Mensa ein Mangold-Linsencurry zum Mitnehmen an – auch in Mehrwegboxen. Seit November arbeitet das Team im "To Go"-Betrieb. Auf dem Speiseplan steht nur ein Gericht, in einer vegetarischen und einer Fleisch-Variante. "Wir rechnen mit 700 bis 800 Besuchern", sagt Höting.

"Natürlich fehlt der Lärm, der bei Vollbetrieb herrscht"

Ob das so bleibt oder das Angebot nach oben korrigiert werden muss, wird sich zeigen. "Wir merken an der Nachfrage, ob die Unibibliothek zum Lernen offen ist", sagt Höting. Für das Mitnehmangebot-Angebot hat das Team viel Dankbarkeit von den Studierenden erfahren. "Das hat uns gefreut", sagt er, "aber natürlich fehlt der Lärm, der bei Vollbetrieb herrscht – und das kulturelle Programm der Mensa."



Jule Panhans, Studentin:

Auch im Sommersemester wird die 21-jährige Studentin meistens am PC sitzen. "Trotzdem freue ich mich auf die Kurse", sagt Jule Panhans. Sie studiert seit dem Wintersemester Geschichte und Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie an der Uni. Wobei das "an" verwirrend ist, denn ihr Studium bewältigt sie vom heimischen Schreibtisch aus. "Die Uni habe ich nur ein Mal von innen gesehen, und das war auch nur für 90 Minuten während einer Lateinklausur, die ich nicht bestanden habe", sagt sie. Sie fragt sich, wieso die Politik sich nicht auch Konzepte für kleine Uni-Seminare überlegt. Für Schulklassen passiere das ja auch.

"Die Uni habe ich nur ein Mal von innen gesehen"

Sie fühlt sich im Stich gelassen, wie viele ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen auch. "In der Öffentlichkeit wird viel über Kitas und Schulen debattiert, aber unsere Lage wird kaum thematisiert", sagt sie. Die meisten Kommilitonen hat sie noch nie persönlich getroffen. Vier gute Freunde hat sie aber gefunden: "Wir haben uns blind über WhatsApp angeschrieben, so geht Kennenlernen in der Pandemie eben." Froh ist sie über Gesellschaft in ihrer WG im Stühlinger. Das einzige, was ihr an diesem digitalen Studium gefällt: Sie kann auch eine Woche von ihrem Elternhaus in Konstanz aus studieren.



Petra Markmeyer-Pieles, Corona-Koordinierungsstelle:

Sie ist wohl eine der Personen der Stunde an der Uni: Petra Markmeyer-Pieles ist Leiterin der Abteilung Sicherheit und seit März 2020 Mitglied der Koordinierungsstelle Corona. Ein Job, der der promovierten Chemikerin gefällt. "Es gibt schon Stress, aber positiven Stress", sagt die 58-Jährige, denn die Teamarbeit laufe gut. "Es macht Spaß zu sehen, dass man etwas bewirken kann." Rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit kümmert sie sich um Corona-Themen. Sie muss beantworten, warum Lehrende nicht schon impfberechtigt sind. Sie legt mit ihrem Team fest, welche Hygienemaßnahmen in der UB gelten, hält Kontakt zum Gesundheitsamt und zu den Experten der Uniklinik und behält den Überblick, wie viele Veranstaltungen noch in Präsenz stattfinden. Dort gilt stets Maskenpflicht.

"Es gibt schon Stress, aber positiven Stress"

Bisher sei das Infektionsgeschehen überschaubar gewesen. "Stand jetzt wurden uns von Mitarbeitenden und Studierenden rund 100 Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie gemeldet – bislang ist es aber nur in ganz wenigen Fällen zu einer Infektion innerhalb der Universität gekommen", sagt Markmeyer-Pieles. Das bedeutet für sie: Die Hygieneregeln an der Uni wirken.



Renate Heyberger, Studierendenwerk:

"Trotz Pandemie sind die Wohnheime des Studierendenwerks in Freiburg zu nahezu 100 Prozent belegt", sagt dessen stellvertretende Geschäftsführerin Renate Heyberger. Die Anzahl an Bewerbungen sei geringer als üblich, doch gebe es schon viele Bewerbungen für den Herbst. "Es kommen allerdings weniger Studierende aus dem Ausland als sonst", sagt Heyberger.

"Die Wohnheime sind fast voll belegt"

Das liege nicht an der Zulassung, sondern eher am fehlenden Visum. "Sicher überlegen sich auch viele Studierende, ob es überhaupt Sinn macht, aus dem Elternhaus auszuziehen", sagt die 66-Jährige. Auch in den Wohnheimen befinden sich weniger Bewohner, viele sind nur zeitweise in Freiburg. Für den Fall, dass ein Studierender sich infiziert hat, gibt es Quarantäne-Zimmer. Falls mehr als ein WG-Bewohner positiv getestet wird, muss die komplette WG in Quarantäne.



Ralf Ohlhoff, UB-Benutzungsleiter:

Er ist gespannt auf das Sommersemester. Wie ausgelastet wird die UB sein, fragt sich Ralf Ohlhoff, Leiter des Dezernats Benutzung und Informationsdienste an der Universitätsbibliothek. Bis zu den Ostertagen waren die 510 verfügbaren Plätze im Lesesaal innerhalb weniger Minuten immer ausgebucht. Man hatte sogar zusätzlich zu den drei verschiedenen Zeitfenstern ein weiteres hinzugefügt. Derzeit können Studierende und Mitarbeitende der Universität die Lesesäle von 8 bis 24 Uhr nutzen. Wenn der Gong ertönt, wechselt die Schicht.

"Im Moment findet jeder einen Platz in der UB"

Insgesamt 680 Menschen finden somit an einem Tag Platz, von Montag bis Sonntag. Das Parlatorium, wo Nutzer in Gruppen arbeiten können und gesprochen werden darf, ist geschlossen. "Im Moment findet jeder einen Platz in der UB", sagt der 53-Jährige. Wie so viele Einrichtungen hat auch die Bibliothek ein wechselhaftes Jahr hinter sich, seit am 13. März 2020 ein Corona-Fall beim Personal bekannt geworden war und das Gebäude von einem Tag auf den anderen schließen musste. Es folgte eine Öffnung mit Hygienekonzept und wieder eine Schließung, in der nur die Ausleihe möglich war. "Die meisten hatten für die Schließung Verständnis, aber nicht alle", sagt Ohlhoff.