Die Toten Hosen in der Rothaus Arena

Gina Kutkat & Markus Berger

Das waren noch Zeiten, als die Hosen auf einem Polterabend in Merzhausen auftraten. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht auch noch an den legendären Gig 1982 im AZ-Keller im Glacisweg. Inzwischen rocken die Hosen größere Locations. Gestern Abend die Rothausarena vor 9000 Zuschauern. Gina berichtet, Markus liefert eine Fotogalerie.



Gegen Ende des Konzerts steht Campino auf der Bühne, wischt sich den Schweiß von der Stirn, streicht einmal durch seine straßenköterblonden Haare und fordert vom Publikum: „Alle Leute, die einen Stock im Arsch haben: Zieht ihn jetzt raus!“

So kennt man den Frontmann von den Toten Hosen: direkt, locker und immer einen coolen Spruch auf Lager. Campino und seine Jungs haben auch im Jahr 2008 nichts von ihrer Rampensau-Attitüde verloren, die ihnen nach wie vor gut zu Gesicht steht – das Anti-Aging-Programm für Rockmusiker.

Gestern Abend spielten die Toten Hosen in der Rothausarena ein Konzert ihrer aktuellen Tour „machmalauter“, das schon seit Beginn des Jahres ausverkauft war. 9000 Fans – darunter Rocker, Punker, Mütter, Pärchen und ganze Familienbanden – waren gekommen, um ihre Lieblingsrocker live zu sehen.



Neben mir steht ein etwas angetrunkener älterer Herr mit langen Haaren und schwarzen Klamotten. Er kann sich kaum auf den Beinen halten und kippt alle zwei Minuten gegen mich. „Sorry“ grinst er dabei jedes Mal und reckt seine Hände in die Höhe, um wieder in den Gesang von Campino einzusteigen. Es ist die unbändige Freude der Toten Hosen, die hier jeden entfesselt und eine angenehme Stimmung verbreitet. Man tanzt, trinkt Bier, fällt sich bei „Alles aus Liebe“ in die Arme und feuert die Band auf der Bühne an.



Wer jedoch erwartet hat, größtenteils neue Songs zu hören, wurde in dieser Hinsicht enttäuscht. Es waren die großen Hits, denen am meisten Platz in der Setlist eingeräumt wurde. Erstaunlicherweise konnte ich fast alle Lieder mitsingen. „Bonnie & Clyde“, „Alles aus Liebe“, „Hier kommt Alex“ und „Wünsch dir was“ – unbemerkt haben sich die Toten Hosen in meinem musikalischen Gedächtnis eingeschlichen und sind dort geblieben.

Campino, Andi, Breiti, Kuddel und Vom Ritchie spielten viele alte Klassiker und eine kleine Auswahl an neuen Songs des im November erschienenen Albums „In aller Stille“. So war „Strom“ der Opener, mit dem Die Toten Hosen gleich klarmachten, dass hier keine Rock-Opas, sondern gut erholte Musiker am Start sind.



Wer bisher noch nicht Campino’s Charme unterlag, der tut es spätestens jetzt. Kein Rumschleimen, keine Mitsingspielchen, alles echt. Es funktionierte alles wie von selbst und auch zu Freiburg hat der Sänger einen Bezug. Sein Bruder studierte hier, weswegen er sich ganz gut auskennt. Klar, dass er schon mal im Cräsh gewesen ist. „Andi hat dort über den Tresen gekotzt und dann gleich ein neues Bier bestellt. Das hat mächtig Eindruck gemacht.“



Die Punker scheinen bei den Toten Hosen zwar immer noch durch, aber alles ist ein bisschen gemäßigter geworden. Mit den neuen Songs gehen sie keine Experimente ein, was aber kein Vorwurf sein soll. Sie wissen einfach, welche Melodien und Texte live am Besten funktionieren, und daran halten sie auch weiterhin fest.

Foto-Galerie: Markus Berger (www.markus-berger.de)

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