SC Freiburg

Die "Roten Füchse" sind der erste offizielle Fanclub der SC-Frauen

Christian Engel

25 Mitglieder hat der Fanclub der SC-Frauen inzwischen – der harte Kern ist bei jedem Spiel dabei, daheim wie auswärts. Sie fasziniert neben neben dem hohen Niveau auch die Fairness der Spielerinnen.

Es ist kalt. Auf der Tribüne im Möslestadion zieht’s. Auf dem Platz ist gerade das zweite Tor des Tages gefallen, aber niemand jubelt, weil das Team aus Leverkusen beide Treffer erzielt hat. Kurz vor Schluss rennen die Bundesligafrauen des SC Freiburg weiter an, aber, wie wenig später der Schlusspfiff besiegeln wird, auch einer Niederlage entgegen. Und trotzdem recken sieben Fans ihre Schals in die Höhe und rufen unermüdlich: "Auf geht’s, Freiburg, kämpfen und siegen". Der Fanclub der Frauen gibt niemals auf, auch wenn es aussichtslos erscheint.

Eine Gemeinschaft von 25 Mitgliedern – aber die haben es in sich

Peter Geisert und Friedrun Held sind Gründungsmitglieder des Fanclubs. Beide gehen schon seit Jahren zu den Spielen des SC-Frauenteams. Ihn fasziniert das hohe Niveau, die Fairness auf dem Platz, die Bodenständigkeit und Nahbarkeit. Sie freut sich, Frauen beim Kicken zuzusehen, weil es selber immer ihr Traum gewesen war, in einem Verein zu spielen. Aber Friedrun Held, 66, durfte nie, weil die Eltern das damals für unangebracht hielten. Sie spielte immer heimlich mit den Jungs in der Gasse. "Heute freue ich mich, dass die jungen Spielerinnen meinen Traum leben", erzählt sie. "Dabei unterstütze ich sie gern."

Unterstützen macht in einer Gemeinschaft am meisten Spaß – und hat auch die größere Wirkung. Also dachten sich Peter Geisert und Friedrun Held im Jahr 2017, nachdem sie sich zuvor bei den Spielen kennengelernt hatten: Lass uns die Fans vereinen – in einem eigenen Fanclub. Und die "Roten Füchse" waren geboren – der erste offizielle Fanclub der Frauen.

Bei den Männern des SC Freiburg gibt es offiziell 80 Fanclubs – einen sogar in Thailand. Sie werden von einer Fanbeauftragten betreut, sind Mitglieder eines Dachverbands, einer Fangemeinschaft. In Summe zählt diese 3000 Mitglieder, wie der SC auf seiner Homepage mitteilt. Von 3000 Mitgliedern können die "Roten Füchse" nur träumen. Sie haben 25.

Aber diese 25 haben es in sich.
Der Fanclub "Rote Füchse"

ist stets offen für neue Mitglieder. Kontakt per Mail an rote-fuechse-freiburg@gmx.de

Der harte Kern geht selbstverständlich zu jedem Heimspiel ins Möslestadion, aber auch zu jeder Auswärtspartie. Dreieinhalb tausend Euro gibt Peter Geisert im Jahr für Auswärtsfahrten aus. Meistens mieten sie einen Neunsitzer und brausen hinaus in die Welt, dem Frauenteam hinterher: nach München, nach Wolfsburg, nach Frankfurt. 780 Kilometer nach Potsdam und am nächsten Tag wieder zurück? Wegen 90 Minuten Fußball? "Da sind wir natürlich dabei", sagt der 55-Jährige. "Die Mädels sind es uns wert." Gerade aus Potsdam haben die Fanclubmitglieder in den vergangenen vier Jahren spannende Geschichten mit nach Hause gebracht. Eine davon vergisst niemand, der 2019 dabeigewesen ist. Die SC- Frauen lagen zur Halbzeit mit drei Toren vorn, als die Gastgeberinnen in der zweiten Halbzeit aufdrehten, zehn Minuten vor Schluss das 4:4 machten. Und dann traf SC-Spielerin Rebecca Knaak zum dritten Mal an jenem Tag – quasi mit dem Abpfiff. "Was wir da erlebt haben, war überhaupt nichts für einen herzkranken Fan", erinnert sich Friedrun Held. "Auf der langen Rückfahrt waren wir so euphorisiert und glücklich, dass keiner von uns an Schlaf dachte. Wir waren einfach so stolz auf unsere Mädels."

Die Mannschaft freut sich über den Support

Die damalige Dreifachschützin Rebecca Knaak spielt die Dankbarkeit mit dem Innenrist zurück zum Fanclub. "Wir als Mannschaft freuen uns sehr über die Unterstützung des Fanclubs und wissen es zu schätzen, dass wir – egal wann und wo – immer auf sie zählen können", sagt die Abwehrspielerin. "Es ist nicht selbstverständlich, dass man teilweise durch ganz Deutschland reist, um uns anzufeuern." Peter Geisert hat seit 2014, seitdem er das erste Mal zufällig im Stadion gewesen ist, nur ein einziges Spiel der Frauen verpasst, wie er sagt: "Wegen einer Taufe." Ansonsten reist er sogar zu Testspielen an, auch wenn sie im fernen Lyon stattfinden.

Diese Wege nimmt Friedrun Held nicht auf sich. Sie ist aber froh, den Fanclub auf den Weg gebracht zu haben. "Wir wollen auch in Zukunft viele Fans vernetzen, gemeinsam Auswärtsfahrten organisieren, Erlebnisse sammeln", sagt sie. Und dann wird auf den Tribünen Deutschlands gemeinschaftlich angefeuert und gejubelt. Egal bei welchen Temperaturen. Egal bei welchem Spielstand.