Weingenuss

Die Pop-Up-Weinbar "Kurz & Kork" hat im Café Bächle eröffnet

Gina Kutkat

Wenn der Kaffee Pause hat, kommt der Wein ins Glas: Linda Kurz präsentiert mit ihrer Pop-Up-Weinbar "Kurz & Kork" im Café Bächle Weine, die sie auf ihren Reisen entdeckt. Die Winzerin und Oenologin möchte ihre Weinbegeisterung weitergeben.

Der Standort

Die Füße im Bächle, die Nase im Weinglas, das Gesicht in der Abendsonne: Seit Anfang Juli ist Linda Kurz mit ihrer Pop-Up-Weinbar "Kurz & Kork" im Café Bächle am Friedrichring zu Gast. Und sie will noch länger bleiben: Zusammen mit Bächle-Betreiberin Juliane König teilt sich die Winzerin nicht nur die Location, sondern auch die Mission: Den Menschen gute Produkte von kleinen Produzentinnen und Produzenten ans Herz zu legen, die natürlich und biologisch arbeiten. Ganz ohne Schnickschnack und weiße Tischdecken.

"Wein und Kaffee sind sich auf vielen Ebenen ähnlich", sagt Linda Kurz. Beides seien Naturprodukte mit vielen unterschiedlichen Geschmäckern von interessanten Produzenten, die im Hintergrund arbeiteten und meistens nicht das richtige Ansehen hätten. "Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen den Winzerinnen und Winzern und den Leuten, die Wein trinken", so Kurz. "Glückliche Weine und Winzer:innen" lautet ihr Motto. Mit Juliane König hat sie die perfekte Kooperationspartnerin gefunden: die gebürtige Rimsingerin, die ihr Café Bächle im Mai 2020 eröffnete, legt viel Wert auf Qualität und den Bezug zu ihren Produkten. "Unsere Konzepte passen gut zusammen", findet auch Juliane König.

Die Winzerin

Sie ist Winzerin, Oenologin, Weinliebhabende und Weinbotschafterin: Linda Kurz hat die Begeisterung für Wein schon in der Kindheit von ihrem Vater aufgeschnappt. Gebürtig kommt sie aus dem Schwäbischen – sie hat aber schon in vielen Orten der Welt gelebt und gearbeitet: Auf Weingütern in Indien, Ungarn, Frankreich und Deutschland. Zuletzt war sie als Winzerin in Heilbronn auf einem Weingut beschäftigt. "Das ist ein toller Job und auch ein tolles Dasein", erzählt Linda. "Aber was die Winzerinnen und Winzer brauchen ist jemand, der anderen Leuten erzählt, wie großartig Wein ist". Und diese Rolle möchte sie gerne einnehmen.

Neben der Begeisterung und der Liebe zu Wein bringt Linda auch fundiertes Weinwissen mit: Studiert hat sie Oenologie und Agrarökonomie und das theoretisch Gelernte in den Reben, im Weinkeller, in der Gastronomie und im Fachhandel vertieft. Als der Wunsch, andere für Wein zu begeistern, immer größer wird, entschließt sie sich, eine eigene Weinbar zu gründen. Linda zieht nach Freiburg und findet eine geeignete Location, "dann kam der zweite Lockdown". Die Idee zur Pop-Up-Weinbar ist also aus der Not geboren.



Das Konzept

Mit ihrer "Pop-Up-Weinbar" dort andocken, wo die nötige Infrastruktur vorhanden ist und Räume darauf warten, belebt zu werden: Linda Kurz taucht mit ihren Weinen im Café Bächle auf, wenn dieses gerade schließt. "Die Milch raus, der Wein rein", sagt Juliane König lachend über die Kühlschranksituation. Mit einer kleinen Auswahl an Weinen richtet Linda sich im Café ein und schenkt ihre neuesten Entdeckungen ein. Ohne dekadentes Drumherum und in Jeans und Sneakern. "Ich möchte die Barriere senken", sagt Linda. Genauso wie sie die Barriere zu den Produzierenden senkt: "Ich fahre zu jedem Weingut persönlich hin und spreche mit den Winzerinnen und Winzern", sagt Linda. Jeder Wein wird von ihr vorher getestet und kommt erst dann auf die Karte, wenn er die Oenologin überzeugt. Ihre Auswahl ist nicht extravagant, sondern soll allen schmecken – auch denjenigen, die sich bisher wenig mit Wein auskennen.

Die Weingüter findet sie auf ihren Reisen oder durch ihre Vernetzungen in der Weinszene. "Diese ist nicht groß, man kennt automatisch viele Leute", sagt Linda. Auf die Vernetzung und Verbindung zu anderen Leuten hofft sie auch weiterhin in Freiburg. Ihr nächstes Ziel ist es, eine solidarische und fair organisierte Weinbar zu eröffnen, in der die Betreibenden, die Produzierenden und die Gäste gemeinsam Verantwortung übernehmen. "Das Risiko wird auf mehreren Schultern verteilt", erklärt Linda ihr genossenschaftliches Konzept. Für diese Idee ist sie auf der Suche nach einem passenden Ort.

Die Weine

Immer was aus der Region, immer was Neues, immer Weine, die glücklich machen. So könnte man die Weinkarte von "Kurz & Kork" zusammenfassen. "So viele Winzerinnen und Winzer wie möglich sollen gesehen werden", erklärt die Winzerin. "Deswegen ändert sich die Karte auch ständig." Ihre letzte Weinreise führte sie an die Mosel und in die Pfalz – einige Weine von dort werden am Freitagabend also ausgeschenkt, bis alle Flaschen leer sind. Dann macht sich Linda wieder auf, neue Weine zu finden. "Es gibt viel zu viele tolle Weine. Es wäre schade, wenn ich mich nur auf ein paar spezialisieren würde."

Ihren Gästen schenkt sie vom Sekt über Rotwein bis zum Weißburgunder alles ein – und sie ist sich sicher: "Es gibt für jeden Menschen einen Wein, der ihm schmeckt." Dazu reicht Linda Brot von der Bäckerei Rothaus, Käse vom Melcherhof in Buchenbach. Außerdem röstet sie Cashews von Fairfood Freiburg. Das alles kann man sich auf einem Brettchen servieren lassen, das perfekt über das Bächle gelegt werden kann. Dann nur noch die Füße ins Wasser und die Nase ins Glas.

Öffnungszeiten

Pop-Up-Weinbar im Café Bächle
Fr und Sa 18 bis 24 Uhr
Instagram: @kurz_kork
Website: kurzundkork.de

Adresse

Friedrichring 38
79098 Freiburg im Breisgau