fudder-Interview

Die Nachfrage nach Medienbildung ist in der Pandemie gestiegen

Maria Schorn

In der Pandemie ist die Nachfrage an Medienbildung sprunghaft angestiegen. Wieso das so ist und wieso der Umgang mit Medien so wichtig ist, erklärt Henriette Trepte vom Freiburger Verein Kommunikation und Medien.

Mit eurem Verein habt ihr euch zum Ziel gesetzt einen souveränen Umgang mit Medien zu vermitteln. Ist die Nachfrage nach eurem Angebot durch die Krise angestiegen?

Auf jeden Fall. Mit Beginn der Pandemie haben wir damit begonnen, Onlineformate für unsere Medienbildungsworkshops zu entwickeln. Fast alle Workshops und Fortbildungen waren schnell ausgebucht und auch heute gibt es teilweise lange Wartelisten. Auch viele Seniorinnen und Senioren möchten sich informieren und weiterbilden. Der Bedarf nach Medienbildungsangeboten ist hoch und wir können ihn leider mit den derzeitigen Ressourcen nicht abdecken. Im Freiburger Raum gibt es kaum andere medienpädagogische Angebote, was die hohe Nachfrage erklärt. Die Pandemie hat die Situation noch einmal verschärft und gezeigt, wie wichtig Medienkompetenz in der heutigen Zeit ist. Viele Kinder und Familien ohne die Voraussetzungen zum Online- Lernen werden abgehängt und der Zugang zu Bildung ist nur eingeschränkt möglich. Uns ist es ein besonderes Anliegen vorrangig Kinder aus benachteiligten Familien zu erreichen, die es gerade besonders hart trifft. Leider zählt außerschulische Medienbildungsarbeit nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune und wird damit nicht ausreichend gefördert. Dies macht es uns unmöglich, der Nachfrage gerecht zu werden.
Henriette Trepte ist Kindheits-und Medienpädagogin, und seit 2015, mal angestellt mal freiberuflich, beim Verein Kommunikation und Medien tätig.

Das Wort Medienkompetenz ist in aller Munde, aber was ist damit eigentlich genau gemeint?

Es gibt in der Medienpädagogik verschiedene Definitionen und Auffassungen. Nach dem Begründer des Medienkompetenzbegriffes Dieter Baacke (1999) gibt es vier Dimensionen: Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Medienkritik, meint die Fähigkeit, Medieninhalte und Mediensysteme zu hinterfragen und zu reflektieren. Die Medienkunde, die das Technikwissen, das Wissen zum aktuellen Mediensystem oder Internetdiensten bedeutet. Eine weitere Dimension ist die Mediennutzung, die sowohl passiv (wie zum Beispiel Fernsehen) als auch aktiv (Kamera) gestaltet sein kann. Und dann gibt es noch die Mediengestaltung als kreativen Prozess. Dieter Baacke zeigt damit, den kreativen als auch reflektierten und souveränen Umgang mit Medien auf, der eine verbesserte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Ziel der kulturellen Medienbildungsarbeit ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt, die Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen und eine verbesserte Bildungsteilhabe.

Ist Medienkompetenz gleichzusetzen mit Medienmündigkeit?

Medienmüdigkeit ist ein Teilaspekt der Medienkompetenz, der den selbstbestimmten, souveränen und reflektierten Umgang mit digitalen Medien und dem Internet bedeutet. Unser Verein möchte die Medienmündigkeit mit gezielten Angeboten fördern. Beim Safer Internetday am 9 Februar gab es einen Online-Fotoworkshop "Fotomontage und Faktencheck?". Dabei wurde Kindern gezeigt, wie einfach Medieninhalte manipuliert werden können und woran man diese Manipulation erkennen kann. Die Teilnehmenden veränderten selbst eigene Fotos in einem Bildbearbeitungsprogramm auf dem Smartphone. Bei diesem Workshop ist die Medienkompetenzförderung verbunden mit Aspekten der politischen Bildung.

Ihr bietet momentan jede Menge Online Workshops an. Kann man an euren Workshops ohne jegliche Vorkenntnisse teilnehmen?

Genau, die Online- Workshops sind so ausgestaltet, dass alle mitmachen können. Es werden lediglich die technischen Voraussetzungen benötigt: einen Computer mit Webcam und Mikrofon/ Tablet oder Smartphone und bei spezifischen Workshops kostenlose Apps.

Die Workshops im Online-Mediencamp sind vor allem kreativ. Bietet ihr auch Workshops an, die sich mit Nachteilen und Gefahren von digitalen Medien beschäftigen?

Innerhalb der kreativen Workshops wird immer auch auf kritische und problematische Aspekte hingewiesen, zum Beispiel Recht am eignen Bild. Es gibt den Workshop "Medien 1x1", der sich hauptsächlich mit dem sicheren Umgang von Medien und der digitalen Welt befasst. Hier lernen Kinder Stolperfallen im Netz kennen, befassen sich kindgerecht mit dem Thema Datenschutz und werden zu kritischem Reflektieren angeregt. Mit verschiedenen Medien entstehen dabei kleine Produktionen rund um das Thema "Sicherheit im Netz". Vor zwei Wochen startete auch die MedienAG in Kooperation mit der Hebelschule. Auch dort beschäftigen sich die Kinder neben der kreativen Mediengestaltung mit dem sicheren Umgang innerhalb der digitalen Welt. Freiburger Bildungseinrichtungen können uns gerne bei Bedarf anfragen und mit uns in Kooperation kreative Medienkompetenzworkshops umsetzen.

Eure Arbeit wird zu einem großen Teil durch öffentliche Zuschüsse finanziert, allerdings müsst ihr oft in Vorleistung gehen. Wie kommt das und wie kann man euch unterstützen?

Wir haben einen Teil von zeitlich begrenzten Projekten, die zum Beispiel von der Medien-und Filmgesellschaft BW, Ministerien und Stiftungen gefördert werden, wo wir immer wieder neu Anträge stellen müssen. Seit 2019 erhalten wir eine strukturelle Förderung der Stadt Freiburg, die uns mehr Planungssicherheit und eine Basisförderung gibt. Dabei sind die Mietkosten unseres Kreativraumes "aufLADEN" im Stühlinger abgesichert, eine 25-Prozent-Stelle für geschäftsführende Aufgaben sowie eine 50-Prozent-Stelle für medienpraktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Durch den sehr späten Vollzug des jetzigen Doppelhaushalt 21/22 kommen wir in eine schwierige finanzielle Situation als kleiner Verein. Wir erhalten nur 25 Prozent des Zuschusses unter Vorbehalt und den Rest nach der Beschlussfähigkeit des Haushalts, was sich bis zum Sommer hinziehen könnte. Als kleiner Verein haben wir nicht so viel Rücklagen, um zum Beispiel für fünf bis sechs Monate für die Gehälter und Mietkosten in Vorleistung zu gehen. Eine Kollegin konnten wir daher ab Januar nicht weiterbeschäftigen.
Info

Der Verein Kommunikation und Medien sucht engagierte Personen oder auch Firmen, die einen Beitrag zur Bildung in Zeiten der Pandemie leisten möchten und somit die wichtige Medienbildungsarbeit durch eine Spende oder eine regelmäßige Förderpatenschaft unterstützen. Weitere Informationen zum Verein Kommunikation und Medien, den Angeboten und Mitwirkenden findet ihr auf www.kommunikation-und-medien.de