Theaterpremiere

Die Maniacts legen die Vagina Monologues als Late-Night-Show neu auf

Aaron Hohberger

Nach dem großen Erfolg der "Vagina Monologues" vergangenes Jahr haben die Maniacts das Stück als Late-Night-Show neu inszeniert. Am Freitag feiert "The V-Show" in der Fistung Premiere. fudder hat mit einer der Regisseurinnen gesprochen.

Die "Vagina Monologues" gehen in die zweite Runde: Nach dem Erfolg von vergangenem Jahr haben die Maniacts das Stück als Late-Night-Show nochmal inszeniert. Charlotte Großmann führt mit Maria-Xenia Hardt gemeinsam Regie, spricht über die Gründe für die Neuinszenierung und warum die V-Show "eine große Party" wird.


Charlotte, um was geht es in der Neuinszenierung der Vagina Monologe?

Charlotte Großmann: Grundsätzlich geht es um Sex, Beziehungen, die erste Menstruation, Orgasmen, Geburt, Transgeschlechtlichkeit und sexualisierte Gewalt.

Und als Grundlage dienen die Monologe von Eve Ensler?

Genau, die Monologe sind aus 200 Interviews entstanden, die Eve Ensler damals geführt hat. Deshalb bezeichnet sie es ja auch selbst gerne als Sozialstudie. Zum ersten Mal wurden die Vagina Monologe 1996 aufgeführt. Damals noch als One-Women-Show. Aus diesen Monologen und von Ensler initiiert, ist eine globale Bewegung, der V-Day, entstanden. Der V-Day findet jedes Jahr im Februar statt und setzt sich für Frauenrechte ein. Zusätzlich zum V-Day, dem Valentinstag, ergänzt Eve Ensler die Vagina Monologues um einen weiteren Monolog.

Wie kam es zu der Entscheidung die Vagina Monologues von Eve Ensler neu zu inszenieren und noch ein mal aufzuführen?

Dafür gibt es drei Gründe: Die Theatergruppe des Englischen Seminars feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen und in diesen 30 Jahren war noch nie ein Stück so erfolgreich wie die Vagina Monologues von Eve Ensler. Rund 1800 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen zu den Vorstellungen in der Theaterfistung. Das Thema ist einfach sehr aktuell und es scheint als hätten wir damit einen Nerv getroffen. In den Medien spielt Geschlechterungleichheit mittlerweile auch eine große Rolle.

Zweitens wurde die Produktion von der Universität Freiburg mit dem Bertha-Ottenstein-Preis für Gleichstellungsfragen ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld wollten wir jetzt erneut den vielfältigen Themen rund um die Vagina eine Bühne geben. Drittens ist das Stück von Eve Ensler so ausgelegt, dass es stets in Bewegung ist, da sie jedes Jahr einen neuen Monolog hinzufügt. Da haben wir uns gedacht: Das inszenieren wir noch mal, aber in einem radikal anderen Format.

Wie sieht das neue Format aus?

Wir machen eine Late-Night-Show mit wiederkehrenden Charakteren daraus. Also ist auch das Bühnenbild ganz anders als letztes Jahr: Es ist nicht mehr nur schwarz, sondern auch gold, es gibt eine Showtreppe und sehr, sehr viel Glitzer. Außerdem haben wir eine eigene Showband, wie das ja bei Late-Night-Shows so üblich ist. Das heißt, wir haben ein ganz anderes Setting als letztes Jahr. Es gibt eine Gastgeberin, die die Personen interviewt. Durch die viele Rollenarbeit, beleuchten wir die Charaktere, die hinter den eigentlichen Monologen stecken, eindrücklicher.

Das heißt, man muss sich das wie eine Talk-Show-Runde vorstellen?

Nein, überhaupt nicht. Es gibt Monologe, Dialoge, aber auch Gruppenszenen. Manche Monologe von Ensler haben wir adaptiert und in die heutige Zeit übertragen. Dabei haben wir ganz viele verschiedene Charaktere, von der Geschäftsführerin einer großen Firma über einen Investigativreporter, der Reinigungskraft, dem Techniker bis hin zur Moderatorin selbst. Das heißt wir brechen auch dieses Format der Late-Night-Show auf.

Es gibt also Frauen und auch Männer, die mitspielen. Wie geht ihr mit dem Thema Transgender um?

Das Thema ist uns superwichtig. Wir hatten letztes Jahr schon einen Monolog dazu im Stück und auch in der neuen Inszenierung machen wir deutlich, dass Weiblichkeit nicht nur in einem binären Geschlechtersystem existiert. Wir stellen zum Beispiel die Fragen: Was ist eine Frau? Was macht eine Frau aus? – und haben auch einen ganz passenden Satz im Stück: "Not all women have vaginas and not all vaginas are women.
Zur Person:

Charlotte Großmann, 28, wohnt in Freiburg und promoviert im Fach Geschichte an der Universität Freiburg.

Das heißt, ihr habt auch eigene Sachen zu den Monologen von Eve Ensler hinzugefügt?

Ja, wir haben die Monologe zum Teil gekürzt und hier und da etwas geändert oder angepasst. Außerdem haben wir die Monologe selbst um aktuelle Themen ergänzt. Beispielsweise nehmen wir die Themen Abtreibung und #Metoo in das Stück mit auf. Im Bezug auf #Metoo haben wir uns Interviewsammlungen der großen amerikanischen Zeitungen angeschaut und einen Text jener Frauen ausgewählt, die mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Gab es ein vorgefertigtes Skript oder wurden die Texte auch mit dem Ensemble bearbeitet?

Nein, gab es nicht. Das haben wir mit dem zwölfköpfigen Ensemble gemeinschaftlich erarbeitet. Das Ensemble hat sich übrigens größtenteils geändert, weshalb sich neue Interpretationsansätze im Bezug auf die Texte ergeben haben. Wir haben viel Rollenarbeit gemacht und uns vor allem gefragt: Wer sind die Personen, die hinter den Texten stecken? Dabei sind tolle Sachen entstanden und ich freue mich sehr auf die neue Inszenierung mit vielen Überraschungseffekten. Es wird ein fulminanter, feministisch-glamouröser Abend, der zeigt, dass die V-Day Bewegung trotz aller Traurigkeit, die mitschwingt, ein Fest sein kann. Und außerdem steht V ja nicht nur für Vagina, sondern auch für Victory.

Was macht die Theatergruppe mit dem eingespielten Gewinn der Produktion?

Genau wie letztes Jahr werden alle Gewinne wieder an lokale Frauen-Hilfsorganisationen wie das Frauen- und Kinderschutzhaus, Frauenhorizonte und Obdach für Frauen gespendet werden.
  • Was: The V-Show
  • Wann: Freitag, 14. Februar, 19.30 Uhr; weitere Vorstellungen am 15.,16.,18. und 19. Februar jeweils um 19.30 Uhr
  • Wo: Theaterfistung, Friedrichstr. 39
  • Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro

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