Porträt

Die Freiburgerin Laura Braun macht Musik, die berührt

Lucia Bramert

Laura Braun ist eine junge Liedermacherin aus Freiburg. Mit ihren gefühlvollen Songs bewegt sie ihr Publikum. Vergangenen Freitag hat sie mit ihrem Song "Nullsummenspiel" den ersten Platz eines Musikwettbewerbs belegt.

"Wenn sie singt, dann ist der Raum erfüllt", versucht Partner Jonas Vogelbacher zu erklären, wie das ist, Laura Braun live zu erleben. Es ist Montagabend, die beiden sitzen auf ihrem Zweisitzer-Sofa im Wohnzimmer. Laura ist ganz in schwarz gekleidet, ihre langen blonden Haare bilden einen starken Kontrast. Unter dem hochgekrempelten Shirt blitzen tätowierte Klaviertasten auf ihrem Unterarm durch.

Ihr Blick ist aufmerksam, neugierig und wenn sie spricht, ergreift immer wieder ein breites Lächeln ihr Gesicht. Partner Jonas Vogelbacher, ebenfalls in schwarzer Röhrenjeans und T-Shirt, lauscht während des gesamten Gesprächs Lauras Worten gebannt, nickt immer wieder zustimmend und teilt selbst offen seine Gedanken.

Ausgebildete Sängerin und studierte Musikwissenschaftlerin

Seit zwei Jahren leben die beiden in der gemeinsamen Wohnung in der Freiburger Innenstadt. Das Herzstück ist wohl das selbst eingerichtete Studio. "Das war echt ein Langzeitprojekt", erzählt Laura. Dort werden alle Lieder eingesungen, aufgenommen und gemischt, sodass fertige Songs daraus werden. Man sieht, dass die beiden viel Zeit und Liebe in den kleinen Raum gesteckt haben.

Die 28-jährige Laura ist ausgebildete Sängerin und studierte Musikwissenschaftlerin. "Ich komme aus einer musikalischen Familie und hatte immer viel Musik um mich herum. Mein Vater hat selbst komponiert und meine Mutter oft die Gitarre in der Hand", erzählt die Freiburgerin. Mit acht Jahren bekommt sie den ersten Klavierunterricht, ein paar Jahre später schon schreibt sie ihre ersten eigenen Songs. "Mein damaliger Klavierlehrer hat mir viel Spielfreude mitgegeben. Ich durfte die Lieder spielen, auf die ich Lust hatte. Später habe ich auch oft mit meinem Vater gespielt. Er hat mir sehr viel beigebracht."

Ein klarer Wendepunkt

Laura spricht über ihr Musikschaffen: "Das Liederschreiben war und ist für mich viel Auseinandersetzung mit mir selbst. Lange war die Musik etwas, das mir gehört; etwas, das einfach nur da ist, um mich zu erfreuen." Nach dem Abitur gibt Laura Braun erste kleine Konzerte. Sie beginnt Musikwissenschaften zu studieren. Ihren Zustand damals beschreibt sie als ein "Geschehen lassen": "Wenn jemand auf mich zukam und gefragt hat, ob ich da und da auftreten möchte, dann habe ich mich gefreut und zugesagt."



Als Laura ihren Partner Jonas Vogelbacher kennenlernte, war das ein klarer Wendepunkt für sie: "Jonas hat mich immer wieder ermutigt zu spielen und zu komponieren und der Musik nachzugehen." Jonas ist selbst Musiker, hat viele Jahre in verschiedenen Bands gespielt. Das Musikschaffen verbindet sie. "Im Gegensatz zu unserem Musikgeschmack", sagt der 33-Jährige. "Manchmal bin ich immer noch fasziniert, wie jemand, der so echte, raue und berührende Lieder macht, solche Musik hören kann", scherzt er und die beiden lachen. Heute produziert Jonas Lauras Songs. Das nötige technische Wissen dafür hat er sich in den letzten Jahren angeeignet.

Die beiden scheinen sich wie Puzzlestücke zu ergänzen. Immer wieder führen sie die gegenseitigen Gedanken fort. Sie sind ein eingespieltes Team, das merkt man. "Als ich Laura das erste Mal singen und spielen gehört habe, da war ich so berührt, überwältigt. Ich hatte so ein Gefühl, dass ich echt noch nicht bei vielen Musikern hatte, dass das etwas ganz Besonderes ist. Und dass das auf die Bühne muss, dass das mehr Menschen hören müssen."
"Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich erfahren habe, dass der Song es in die Top 100 geschafft hat." Laura Braun
Das Songschreiben ist für Laura immer ein kreativer Prozess. "Es fließt so aus mir raus. Am Anfang weiß ich oft noch nicht, wo es hingeht." Sie erzählt, dass sich nach Konzerten fremde Menschen häufig sehr mit ihr verbunden fühlen. "Viele Leute findet sich in den Texten wieder. Das ist ein krasses Gefühl. Musik ist immer persönlich und emotional – das ist gleichzeitig auch die Hürde beim Liedermachen." Lauras Lieder sind voller Emotionen. Sie spiele ein Stück nur so lange, wie sie es auch fühlt, erklärt sie.



Die erste große Auszeichnung: Platz 1 für "Nullsummenspiel"

Die Teilnahme am Musikwettbewerb des Sozialverbands Deutschland (SoVD) ist ein glücklicher Zufall: Der Aufruf zum Mitmachen erscheint auf Jonas Vogelbachers Facebook-Seite, er klickt darauf und teilt den Link mit seiner Freundin. Der SoVD rief Musiker*innen dazu auf, sich in den Liedern mit dem Thema Armut, insbesondere Armutsgefährdung, auseinanderzusetzen. Als Laura ein paar Wochen später mit dem Auto unterwegs ist, kommt ihr plötzlich eine Tangomelodie in den Kopf, erzählt sie. "Ich habe den Rhythmus dann immer wieder auf dem Lenkrad geklopft und die Melodie gesummt." Damit war der Grundstein für "Nullsummenspiel" gelegt. Der Song entsteht Stück für Stück in einem kreativen Prozess. "Immer wieder haben Jonas und ich uns ausgetauscht. Jonas hat seine eigenen Erfahrungen geteilt und mit am Text geschrieben. Am Ende war es ein gemeinsames Projekt."

"Nullsummenspiel" stellt die typische Spirale der Armut dar: Der Song erzählt aus der Perspektive eines Kindes, das die Geldnot und Existenzängste der Mutter spürt. Es wünscht sich, all die Dinge tun zu können, die andere Kinder machen dürfen, und später selbst an den Folgen dieser Kindheit leidet. Für Laura Braun und Jonas Vogelbacher ist Armut ein sehr persönliches Thema. Beide sprechen offen: "Meine Mutter war lange alleinerziehend, hat viel gearbeitet, um uns zu versorgen. So war ich früh auf mich selbst gestellt und musste Verantwortung übernehmen", erläutert Laura. Und Jonas fügt hinzu: "Da fehlt dir das Auffangnetz. Wenn man das selbst nicht erfahren hat, vergisst man schnell, wie anstrengend es ist, kein Geld zu haben. Und kein Geld zu haben ist nur der Anfang: Die dauerhafte psychische Belastung, die fehlende kulturelle Bildung usw. Es gibt so viele Aspekte von Armut, über die niemand spricht." Kurz ist es still im Raum. Man merkt, wie sehr das Thema die beiden berührt.

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb sich die Jury schlussendlich für "Nullsummenspiel" entschieden hat, denn der Song kann sich gegen die anderen rund 250 eingesendeten Beiträge durchsetzen: Letzten Freitag wurde er bei der Kundgebung des SoVD in Hannover mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Für Laura Braun ist das ein kleiner Meilenstein. "Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich erfahren habe, dass der Song es in die Top 100 geschafft hat", lacht sie.

Und jetzt?

Der Sieg beim Wettbewerb des SoVD eröffnet für Laura und Jonas viele neue Möglichkeiten: Die 5000 Euro Preisgeld sollen bei der Realisierung neuer Projekte helfen wie einer eigenen Single und danach einer EP mit mehreren Songs. "Das ist der Plan für die Wintermonate", erklärt Laura. "Man unterschätzt, wie lange sowas dauert", ergänzt Jonas und seine Freundin nickt zustimmend. Vor allem aber möchte Laura einfach viel Musik machen und wieder mehr Konzerte spielen, sagt sie.

Als wollte sie den Plan direkt in die Tat umsetzen, spielt Laura zum Abschluss zwei Songs an ihrem Klavier, das mitten im Wohnzimmer steht. Ganz unaufgeregt wechselt sie vom Sofa ans Klavier, richtet sich ein und legt los. Plötzlich wird klar, was Jonas versucht hat mit Worten zu beschreiben. Man hat das Gefühl, dass das gesamte Wohnzimmer gebannt lauscht, wie sie Tasten spielt und Worte mit ihrer Stimme verzaubert klingen lässt. Laura Braun live zu erleben, das ist ganz großes Kino. Die Emotionen scheinen direkt auf einen selbst übertragen zu werden – da ist pures Gefühl in ihrer Stimme.

Wer Laura Braun selbst einmal live erleben möchte, hat diesen Freitag die Chance: Am 24.9. um 20 Uhr spielt sie als Support-Act für die Band "Das mit den Blumen tut mir leid" im K.I.S.S., der Eintritt ist freiwillig.

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