Musik

Die Freiburger Straßenmusiker-Band Philadelphia ist wieder zurück

Anika Maldacker

Mehr als zehn Jahre ist es her, da eroberten sie als Straßenmusiker die Herzen der Freiburger: Philadelphia. Nun wollen die Geschwister Trommsdorff wieder durchstarten – mit neuer Musik und als Unterstützer der Initiative "Fuß- und Radentscheid".

Als Philadelphia das erste Mal in Freiburg auf der Straße gespielt hat, soll es am Bertoldsbrunnen so voll gewesen sein, dass die Straßenbahnen nicht mehr durchkamen. Das war im Sommer 2007. Dreizehn Jahre später sitzt ein Teil der Geschwister-Band, Lena, 33, und Lugi, 37, im Mocca Cabaña in der Wiehre. Wirt Albert kennt sie natürlich noch, früher haben sie in der Nähe geprobt. Er ist nicht der einzige. "Auf der Straße werden wir ab und zu angesprochen, weil die Leute sich an uns erinnern", sagt Lena. Es klingt ganz uneitel und man glaubt es sofort. Denn zwei Drittel des Trommsdorff-Trios reicht schon, um zu merken, dass diese Geschwister eine faszinierende Aura umgibt. Und nun wollen sie, nach acht Jahren Philadelphia-Abstinenz und den Geburten von genauso vielen Kindern, wieder gemeinsam musizieren.


Die Initiative Fuß- und Radentscheid haben sie zum Anlass genommen, ihren Song "Wir sind mehr" zu veröffentlichen. Darin fordern sie, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer auf Freiburger Straßen. Es ist quasi der Soundtrack für die Initiative, die derzeit Unterschriften für zwei Bürgerentscheide sammelt. Und das ist kein Zufall, denn Philadelphia-Mitglied Maxi, 38, ist Teil des Teams hinter der Initiative.



13 Jahre sind vergangen seit Magdalena, genannt Lena, Ludwig, alias Lugi, und Maximilian, kurz Maxi, nach Freiburg gezogen sind. Sie haben ihr Studium damals in den Schwarzwald verlegt, oder in Lenas Fall die Ausbildung in Freiburg begonnen. Aber das gemeinsame Musizieren war ihnen mit am wichtigsten. Die Idee kam vom ältesten der drei, Maxi, der sich seine Weltreise mit Straßenmusik finanziert hat und nach seiner Rückkehr seine Geschwister Lugi und Lena so lange bequatschte, bis sie mit ihm zusammen auf der Straße musizierten.

2012 trennten sich die Wege von Philadelphia

Die gebürtigen Oberbayern erspielte sich schnell einen Namen in Freiburg und der Region. 2009 gewannen sie den Bandwettbewerb Rampe, im selben Jahr waren die Mittenwälder als ZMF-Tourband das lokale Aushängeschild des Festivals. Zwei Studioalben nahmen sie auf. 2008 erschien "No Bad People", ein Jahr später "Straßen Musik Safari Odyssee". Ihr Markenzeichen waren der Gesang im Kanon. Ihr bevorzugter Spielort war die Straße, aber auch größere Orte wie das Waldsee, die ZMF-Actionbühne oder der Schlosskeller in Emmendingen bekamen sie voll. "Wir waren schon gut unterwegs", sagt Lena, "da steckte schon mehr Zeit drin, als in einer Hobbyband". Das wurde ihnen quasi in die Wiege gelegt. Schon die Oma war Sängerin und Pianistin, der Vater leitete einen Chor, die Trommsdorff-Brüder sangen alle bei den Regensburger Domspatzen, die Mutter hat mit ihnen schon als Kinder im Auto im Kanon gesungen.

Dann trennten sich 2012 ihre Wege vorerst, als Lena beschloss, mit ihrem Partner auf Südamerika-Reise zu gehen. Lugi zog nach Hamburg, wo er zunächst als Solo-Liedermacher versuchte, sich ein Standbein aufzubauen und nebenbei als Lehrer arbeitete. Nur für Maxi blieb Freiburg eine Art Basislager, von dem aus er immer wieder mit seiner Familie auf Abenteuer-Reisen loszog. "Das Weggehen damals war schon schwierig", sagt Lena, "wir hatten ja eine Fanbase." Auch Luigi merkte als Solokünstler schnell, was fehlte: "Man kann Misserfolg und Erfolg nicht teilen."

Nach und nach kehrten die Trommsdorff-Geschwister wieder in den Breisgau zurück. Zuerst Lena nach der großen Reise, dann Luigi vor zwei Jahren. Inzwischen haben sie alle Familien gegründet. Die Musik hat aber keiner von ihnen aufgegeben. Teils haben sie in anderen Formationen gespielt. "Aber es war mit niemandem so einfach zu musizieren, wie mit meinen Brüdern", sagt Lena, "weil wir das Repertoire haben und aufeinander abgestimmt sind." Seit Anfang des Jahres stand für sie fest: Wir wollen Philadelphia wiederbeleben. Nun proben sie einmal die Woche.

Philadelphia "No Bad People" beim Easy Street Festival

Vor rund drei Wochen sind sie zum ersten Mal seit Jahren wieder gemeinsam auf der Straße aufgetreten – bei der Demo zur Verkehrswende von Fridays for Future und dem Fuß- und Radentscheid Freiburg. "Das war wie heimkommen", erinnert sich Lena. Dass sie sich nun mit ihrer Musik für den Fuß- und Radentscheid stark machen, finden die Geschwister klasse. "Wir haben selber keine Autos", sagt Lena. "Ein Grund für die Rückkehr aus Hamburg war auch, dass Freiburg eine fahrradfreundliche Stadt ist", sagt Lugi. Doch mit Kinderanhänger am Rad fiel ihnen schnell auf, dass nicht alle Radwege so sicher sind. "Wir unterstützen mit unserer Musik gerne etwas, hinter dem wir stehen", sagt Lena.

Langsam tasten sie sich wieder auf die Bühnen Freiburgs zurück – in Corona-Zeiten unter erschwerten Bedingungen. Am Samstag spielten sie bei der Tiny Edition des Easy Street Festivals am Sternwaldeck. Gebannt lauschten ihnen dort Eltern und Kinder, klatschten mit. Es wird sicher nicht ihr letzter Auftritt gewesen sein.

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