Der gute Ton

Die Freiburger Musiker Hasso und Rosina haben sich in der Pandemie gefunden

Adriane Diener

Rosina und Hasso sind zwei junge Musiker aus Freiburg, die sich in der Pandemie gesucht und gefunden haben. Ihre neue Single "rorriM" vereint elektronische Musik mit westlichen Akkorden, orientalischer Geige und mystischen Klängen. fudder hat mit ihnen gesprochen.

Eure Künstlernamen sind Hasso und Rosina. Wieso und wofür stehen sie?

Rosina: Puh, ich hatte schon sehr viele Künstlernamen. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, meinen zweiten Vornamen als meinen Künstlernamen zu nehmen. Ich kann mich mit ihm identifizieren und er ist cool und witzig. Er erinnert mich immer an Rosinen. Manche Menschen mögen sie und viele auch nicht. Deswegen fand ich den Namen passend für mich.
Hasso: Hasso ist ein tunesischer Spitzname und meine Mutter hat mich seit meiner Kindheit so genannt. Ich dachte irgendwann, dass es der perfekte Name für einen Künstler ist. Kurz und knackig. Ich kann mich mit ihm identifizieren.
Info:

Rosina und Hasso sind die 32-jährige Luisa Weisbrich und der 30-jährige Houssam Haddad aus Freiburg. Luisa arbeitet als Lehrerin, Houssam als Referent im Bundesamt für Strahlenschutz.

Seit wann macht ihr zusammen Musik und wie habt ihr euch gefunden?

Hasso: Durch mein Herkunftsland Tunesien, aber eigentlich in Katar geboren, bin ich mit vielen verschiedenen Kulturen aufgewachsen. Das hat mich dahingehend beeinflusst, dass ich meine Musik nicht einem Genre zuordne, sondern immer das gemacht habe, was mir gefiel. Dadurch habe ich schon mit vielen Künstlern gearbeitet und wollte nun auch in Freiburg Musiker kennenlernen und neues schaffen. Durch die Facebookgruppe "Musiker in Freiburg" habe ich Rosina kennengelernt. Da wir in derselben Nachbarschaft wohnen, kam es dann relativ schnell zum ersten Treffen.
Rosina: Nachdem ich mich lange von anderen in Bezug auf meine Musik abhängig gemacht habe, wollte ich nun versuchen, meine eigene Musik zu machen. Ich habe alleine Songs geschrieben und komponiert, obwohl ich mir erstmal Gitarre und Klavier beibringen musste. Erst als ich meine Musik fand, wollte ich mit anderen Musikern kooperieren und gegenseitig inspirieren. Daraufhin lernte ich Hasso kennen. Und obwohl ich zunächst dachte, meine mystische Musik passt niemals mit Hassos "Techno"-Musik zusammen, profitieren wir jetzt voneinander und haben eine neue Musikrichtung geschaffen.



Zu welcher Musikrichtung würdet ihr euren neuen Song denn zählen?

Rosina: Super spannende Frage! Wir sind eine Liste mit allen Genres durchgegangen, die es gibt und haben versucht unser Lied einem Genre zuzuordnen.
Hasso: Es ist schwierig, unsere Musik in eine Schublade zu stecken, da wir ein Genre kreiert haben, was es so noch nicht gibt. Es ist ein Mix aus orientalischen und Western-Klängen, welche durch die Mystik im Gesang und okzidentalen Beats untermalt werden.

"Erst wenn sich etwas wiederholt oder für mich gut klingt, schreibe ich es auf." Rosina

Wer schreibt eure Texte und was ist dabei die Inspiration?

Hasso: Rosina hat den Text für rorriM geschrieben. Sie ist Songwriterin und Sängerin.
Rosina: Genau, aber bei mir ist das Songschreiben sehr intuitiv. Entweder spiele ich Klavier oder Hasso legt einen Beat auf und dann spüre ich erstmal, wie es mir heute geht. Dann fange ich ohne nachzudenken an, eine Melodie zu summen oder etwas zu singen und zu improvisieren. Erst wenn sich etwas wiederholt oder für mich gut klingt, schreibe ich es auf und fange an mir darüber Gedanken zu machen.
rorriM: Spotify

Euer neuer Song heißt rorriM und hat am 28. Mai sein Release. Erzählt doch mal!

Rosina: Der Song behandelt die Themen Oberflächlichkeit und Vergleiche, weil alles immer so perfekt sein muss und man sich ständig mit anderen in einem Wettbewerb vergleicht. Vielleicht ist es auch etwas ironisch gemeint, aber eigentlich ist das Gemeinsame im Leben das Wichtige. Und weil meine Stimme ja auch sehr "fairytale" ist, passt der Text "Spieglein, Spieglein an der Wand…" so gut.
Hasso: Der Name rorriM soll einfach auch rätselhaft sein und zum Nachdenken anregen, bis man versteht, dass es gespiegelt "mirror" heißt.

Wie seid ihr zum Label "Knightvision" gekommen?

Hasso: Wir haben unseren Song bei mir in der Wohnung aufgenommen und zu verschiedenen Labels geschickt. Heutzutage ist es so, dass die Labels einen nur noch für die Rechte etc. an einem Song unterzeichnen lassen. Das bedeutet, man ist nicht abhängig von einem einzigen Label, sondern hat weiterhin Entscheidungsfreiheit für die nächsten Songs. Ein Label ist praktisch, wenn man noch nicht so bekannt ist. Das Label hat bereits eine Fanbase und die Songs werden dadurch von mehr Leuten gehört und besser vermarktet.

War es schwer für euch in Zeiten von Corona Musik zu machen? Oder war es sogar ein Ansporn und eine Inspiration?

Rosina: Es war schon schwer, weil ich als Lehrerin und in einer 5er-WG lebend, schon ein größeres Risiko für andere bin. Aber über das Digitale war es schwer Musik zu machen, da das menschliche dabei gefehlt hat. Deswegen haben wir uns getroffen und die Prioritäten auf die Musik gelegt. Corona hat mich überhaupt erst dazu inspiriert mir Gedanken zu machen, wie ich mich mit anderen Künstlern connecten und Musik machen kann und so bin ich über Facebook auf Hasso gestoßen.
Hasso: Irgendwann in der Corona-Krise war mir klar, ich muss wieder Musik machen. Und als Rosina kam, dachte ich, das muss ich jetzt einfach machen. Eine positive Seite ist, dass wir währenddessen sehr produktiv waren, weil man natürlich viel Zuhause sitzt. Ich habe alleine in zwei Monaten neun Songs geschrieben und produziert.

"Wir hoffen beide, dass unsere Musik zusammen eine Zukunft hat." Hasso

Was ist denn bei euch für die Zukunft mit eurer Musik geplant?

Hasso: Wir hoffen beide, dass unsere Musik zusammen eine Zukunft hat. Wir haben bereits einen zweiten Song fertig, der noch aufgenommen werden muss und auch ein dritter Song ist schon in Arbeit.
Rosina: Genau. Aber dennoch machen wir beide noch unsere eigene Musik und unsere eigenen Projekte. Ich nehme gerade meine erste EP auf, die auch bald rauskommen wird. Außerdem supportet Hasso mich, damit ich auch alleine mit meiner Musik weiterkomme.

Gibt es etwas, dass ihr anderen jungen Künstlern in Freiburg gerne mitteilen würdet?

Hasso: Wenn ihr eure Musik als Kunst anseht, versucht mit anderen Freiburger Musikern in Kontakt zu treten und helft einander. Haltet euch nicht so an Grenzen, sondern geht über sie hinaus, seid kreativ und entdeckt eure Musik völlig neu. Ein Kunstwerk ist nie fertig und muss es auch gar nicht sein, um anderen zu gefallen.
Rosina: Sucht euch keine Ausreden, sondern macht es einfach. Auch wenn man hinfällt, muss man wieder aufstehen und mit kleinen Schritten weiter machen. Man darf nicht an sich zweifeln und muss weg von einer gewissen Perfektion kommen. Geht an eure Grenzen und darüber hinaus.