Lieferengpässe

Die Freiburger Automobil 2022 ist abgesagt

Frank Thomas Uhrig

Die Halbleiterkrise hat Freiburg erreicht: Die Neuwagenmesse Automobil 2022 wird wegen Lieferengpässen abgesagt. Die Hoffnung der Veranstalter richtet sich auf 2023.

Die "Automobil" – die Neuwagenmesse für Freiburg und die Region – wird im kommenden Jahr nicht stattfinden. Diese Nachricht hallt wie ein Paukenschlag, ist die Messe doch – nach der Internationalen Automobilausstellung (IAA), die in zweijährigem Turnus seit diesem Jahr in München stattfindet – die wichtigste Neuwagenmesse Deutschlands. Die Absage hat die Freiburger Messegesellschaft (FWTM) am Mittwoch, 27. Oktober, verkündet, sie war in Gesprächen mit den Autohäusern der Region beschlossen worden.

Dabei war die Automobil bereits fest terminiert: Vom 4. bis 6. März 2022 hätten die neuesten Erzeugnisse der Autoindustrie auf dem Freiburger Messegelände zu sehen sein sollen. Den Händlern fehlen allerdings die Neuwagen, die in Freiburg nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Kaufen ausgestellt werden. Ihnen entgeht damit auch ein millionenschweres Geschäft, denn allein bei der vorerst letzten Automobil im Jahr 2020 wurden 350 Fahrzeuge verkauft, in den Wochen nach der Messe waren es noch weitaus mehr.

Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht

"Wir können nichts ausstellen, ohne etwas zu verkaufen zu haben", begründet Tobias Gutgsell, Geschäftsführer im Autohaus Märtin und Sprecher der Interessengemeinschaft Freiburger Autohäuser den Entschluss der Händler. "In diesem Jahr durften wir wegen Corona nicht, im nächsten können wir nicht" stellt Gutgsell enttäuscht fest. Der Chipmangel in der Autoproduktion habe jedoch bereits jetzt zu enormen Lieferfristen geführt. Die Ausstattung der Händler mit Ausstellungsfahrzeugen sei stark eingeschränkt, eine Besserung der Situation sei nicht zu sehen.

"Die Besucher haben hier die Chance, die Optik und Haptik eines neuen Modells zu spüren und die technischen Neuheiten eines Fahrzeugs zum Beispiel bei Probefahrten zu erleben," beschreibt Volker Speck, Geschäftsführer der Kestenholz GmbH (Daimler-Benz), das Flair der Messe. Bei Lieferzeiten von mehr als einem Jahr mache es allerdings wenig Sinn, diese Vorfreude zu wecken.

Speck und Gutgsell berichten aktuell von Lieferzeiten von mehr als zwölf Monaten für rund 80 Prozent der derzeit angebotenen Neuwagen. Dies betreffe alle Autohersteller, gleichgültig in welchem Land die Fahrzeuge produziert werden. Je nach Modell und Ausstattung könne sich die Wartezeit verkürzen, doch Entspannung erwarten Autohersteller und -händler erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres.

Eine Messe als Herzensprojekt

Die Entscheidung zur Absage sei schweren Herzens gefallen, erklärt Tobias Gutgsell. "Die Automobil ist ein Herzensprojekt, das für unsere Kunden und Mitarbeiter ein Highlight im Jahreskalender darstellt." Sie ist umso ärgerlicher, weil die Auftragsbücher der Händler so voll sind wie kaum jemals zuvor. Der dramatische Einbruch der Produktionskapazität hängt für Gutgsell und Speck auch mit der Produktionsweise zusammen: "Just in time" bringen Zulieferer immer größere Module direkt ans Fließband, eine Lagerhaltung gibt es kaum noch, aber kleinste Störungen lassen sofort die gesamte Produktion stillstehen. Für Volker Speck ist "die Lage eskaliert". Die Händler haben Mühe, die Mobilität sicherzustellen.

Gebrauchte werden knapp und teuer

Die Knappheit auf dem Neuwagenmarkt schlägt auch auf den Handel mit Gebrauchten durch. Der Markt leere sich zusehends, die Preise steigen. "Wir kaufen massiv auch von Privatverkäufern zu", so Speck und Gutgsell erläutert, dass in seinem Haus ein ganzes Team permanent den Gebrauchtmarkt nach brauchbaren Angeboten durchstöbert. "Weit über die deutschen Grenzen hinaus."

Für die FWTM als Veranstalter entfällt mit der Automobil auch eine wichtige Einnahmequelle. "Es war eine schwierige Abwägung", sagt Messechef Daniel Strowitzki. "Die Gegebenheiten lassen jedoch leider keinen Spielraum für eine andere Entscheidung." Es gelte stets auch den Imageverlust im Auge zu behalten, der durch unzufriedene Besucherinnen und Besucher eintreten kann. Und unter den gegebenen Umständen hätte die Automobil 2022 die bekannte Qualität nicht halten können. Die Blicke richteten sich nun auf die Automobil 2023, die für den 24. bis 26. Februar terminiert ist.

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