Shitstorm

Die Debatte um die "Pinky Gloves" offenbart tieferliegende Probleme

Celine Hog

Pinkfarbene Plastikhandschuhe für Menstruierende: In den sozialen Medien ist ein Shitstorm gestartet. Vor allem Frauen laufen Sturm gegen die Erfindung, die in der Sendung "Höhle der Löwen" vorgestellt wurde. Auch fudder-Autorin Celine Hog ist empört.

"Pinky Gloves": Rückschrittlich und Rücksichtslos?
Mein Instagram Feed wird seit einigen Tagen regelrecht überschwemmt von empörten Posts zu "Pinky Gloves", die verbal grün und blau geschlagen werden. Auslöser für den Ausraster im Netz war die am Montag ausgestrahlte Folge der "die Höhle der Löwen" auf VOX.

Dort stellten die Gründer André Ritterswürden und Eugen Raimkulow ihr Produkt "Pinky Gloves" vor. Die Idee dahinter? Pinke Latexhandschuhe zum Entnehmen und Entsorgen von Einweg-Menstruationsprodukten, vor allem für unterwegs. Der Slogan dazu: "Pinky Gloves: deine diskrete Lösung für Binden und Tampons". Männer, die öffentlich über die Periode sprechen und sich Innovationsgedanken machen, klingt doch erst einmal super, warum regen sich also alle auf?



Pinky Gloves offenbart viele, teils tiefergehende, Probleme

Zunächst einmal verursacht der pinke Handschuh vermeidbaren Plastikmüll, was nicht nur überflüssig, sondern auch ziemlich rückschrittlich ist in einer Zeit, in der Menstruieren immer nachhaltiger wird, durch Alternativen wie der Menstruationstasse oder Periodenunterwäsche. Das Wort umweltfreundlich also bitte aus der Instagrambeschreibung werfen, danke. Apropos umweltschonende Alternative. Vor zwei Jahren waren schon einmal zwei Gründerinnen mit einem Periodenprodukt im TV-Format, Ooia hatte mit ihrer Period-Panty allerdings keinen Deal abstauben können.

Klischeefarbe Pink

Kommen wir zu dem Namen des Produkts. Im Jahr 2021 immer noch die klischeegeladene Farbe Pink zum Anwerben von Frauen benutzen zu wollen, ist mir kein Dorn im Auge, sondern eher ein ganzer Dornenbusch. Dabei wurde wohl auch vergessen, dass nicht nur Frauen unter den Menstruierenden sind, sondern auch Transmänner und Intersexuelle.
Auf den ersten Blick wirkt die Debatte unnötig übertrieben und auch ich habe kurz mit den Augen gerollt, allerdings zeigt sie bei näherem Hinschauen mal wieder, dass die Periode auch als politisches Thema zu begreifen ist. Menstruation ist schambehaftet, das wird uns schon früh beigebracht.

Stigmatisierung der Periode

Die Entstehungsgeschichte von "Pinky Gloves" zeigt genau das. Als die Jurorin und Investorin Judith Williams fragte, ob die Gründer ein einschneidendes, gruseliges Erlebnis gehabt hätten, was zur Entwicklung des Produkts geführt hatte, antworteten diese: "Mehrere". Das Produkt entstand aus Ekel der beiden Männer vor den entsorgten Menstruationsprodukten im Badezimmermülleiner ihrer WG-Mitbewohnerinnen. Was sich zunächst wie keine erwähnenswerte Sache anhört, dient zur weiteren Stigmatisierung der Periode, welche ekelhaft sei und verborgen werde müssen.

Ein Beispiel zu dem Thema, das jedem bekannt sein dürfte: In der Werbepause des Splatter-Films wird eine Werbung zu Binden ausgestrahlt, natürlich mit blauer Flüssigkeit statt roter, man stelle sich nur einmal vor, das ganze würde echtem Blut zu sehr ähneln. Wäre ja abstoßend! Das alles führt zu einer allgemeinen Tabuisierung und das, obwohl etwa die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert und Feministinnen seit Jahren versuchen, die Menstruation zu normalisieren und aus der schmutzigen Ecke zu ziehen. Unhygienisch, damit wird alles was mit dem Thema Periode auch nur im Entferntesten zu tun hat, assoziiert.

Kleiner Fun Fact: Im Mund befinden sich fast dreimal so viele Bakterienarten, wie im weiblichen Geschlechtsorgan. "Pinky Gloves" normalisiert die Periode leider nicht, im Gegenteil, mit ihrer diskreten und hygienischen Lösung schafft es ein Problem, wo keins ist. Das ist kein Einzelfall, immer wieder wird aus Scham vor der Periode Geld mit unnötigen Produkten gemacht. Und das, obwohl Frauen im Schnitt ohnehin schon Unmengen an Geld für Menstruationsprodukte bezahlen.



Nach dem Shitstorm im Netzt meldeten sich die selbsternannten Frauenversteher auf ihrer Instagram Seite mit einem Statement, in dem es heißt, sie "wollten auf keinen Fall damit zum Ausdruck bringen, dass die Entsorgung etwas Ekelhaftes sei." Menstruation sollte kein Tabuthema mehr sein und das Ganze kam falsch an. Gut gemeint ist eben oft nicht gleich gut gemacht.

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