Die DAM in einem Satz

Chico Policicchio & Philipp von Ditfurth

Am Wochenende hat in St. Georgen die diesjährige DAM (Deutsche Alternativ Fußballmeisterschaft) stattgefunden. Turniersieger wurden Lok Libuda aus Köln. Nebensache eigentlich. Wir stellen euch die DAM aus Sicht eines passionierten Teilnehmers und Co-Organisators vor: Chico vom Swamp über seine Eindrücke, die keine Pausen für unnötige Satzzeichen gelassen haben. Mit Fotogalerie.



Ich wache auf, mein Schädel brummt und meine Knochen tun weh und ich frage mich, warum zum Teufel ich mir das antue, ach ja ist ja Pfingsten, Zeit für die DAM und einen erneuten Angriff des glorreichen Teams von Kurzschluss Osram Heynckes auf die Titelkrone und es beruhigt mich, dass es noch mindestens 300 anderen Leuten ähnlich schlecht geht wie mir, weil, das Festzelt war voll, die Gesänge waren laut und sie schallen mir auch jetzt noch in den Ohren oder sind es doch die Vögel, die mich auf meinem Weg nach Hause begleitet haben, Zwitscher, Zwitscher, oder haben sie doch Football's coming home gesungen, aber es ist egal, was ich jetzt höre ist die Stimme meiner Freundin, die sagt, ich feuer euch im nächsten Spiel an und sie dreht sich rum und schläft weiter und ich fluche und stehe auf und als ich auf den Platz komme ist es ein Wunder, das Team ist vollständig und ich denke an Zeiten zurück als wir in Bremen um 9 Uhr auf den Platz gestolpert waren, unser Verteidiger verzweifelt rief, heeee, komm noch einer rüber, auf meiner Seite muss ich zwei decken und wir gequält lächelten und sagten, nur die Ruhe, Mann, der eine ist der Schiri, und danach haben wir das Spiel verloren, aber fragt lieber nicht wie, weil sportlich war das nicht, aber heute sind wir fit und trotzen dem kleinen Mann, der gegen die Schädeldecke pocht, 0:0 gegen Partysahne und dann 3:0 Kick and Rush Oldenburg vom Platz gefegt, und siegessicher treten wir gegen die Roten Hosen an, Turnierfavorit, aber das ist uns egal, denen leider nicht, wir werden 4:0 eingemacht und vielleicht hätte unser Kapitän in der Spielpause doch keine Wurst mit Kartoffelsalat essen sollen, alles scheint vorbei, da nützt nur noch ein Wunder, dem kann man bei der DAM manchmal mit einem Kasten Bier weiter helfen, tatsächlich verleiht derselbige Kick and Rush Flügel und die Buben hauen Partysahne mit 2:0 um, wir sind im Achtelfinale gegen die Freiburger Roten Socken, 0:0, Elferschießen, und der Kartoffelsalat des Kapitäns kommt zum zweiten Mal zu Geltung, Fehlschuss, ausgeschieden, was bleibt, ist die Trostrunde und der bittere Gang zurück zum Zelt, wo der Chef des Organisationskomitees die Fragen bündelt, wo spielen Senile backt gegen die Söhne der Mutter, das Toilettenpapier ist alle, wo ist der Schlüssel für die Kohlensäureflaschen und Wolfgang, der Mann, der die DAM nach Freiburg geholt hat, unser Kaiser, er geht zu seinem Hubschrauberlandeplatz, um sein dort abgestelltes Rad zu holen und die Plätze abzufahren, erhaben radelt er über das Gelände, wir sitzen vor dem Zelt und schauen unserem Kaiser nach und sinnieren über das Scheitern, dieses Jahr wäre alles drin gewesen ohne diesen Scheiß Kartoffelsalat, wir müssen unsere Ernährung umstellen, dann packen wir`s, diese Gewissheit lässt uns gleich eine Lage Bier und mehrere Portionen Pommes bestellen und unser Coach kommt und sagt, Männer, ich bin stolz auf euch und wir sagen, Coach, wir sind auch stolz auf dich und dann bricht der Abend herein und es wird eine lange Nacht werden, denn was macht eine Niederlage erträglicher als eine fette Prise astreinen Country and Rock`n Roll in einer lauen Sommernacht und als die großartigen Smokestack Lightnin` mit ihrer phantastischen Versionen von Ring of Fire über Tainted Love bis hin zum Passenger über die Tanzfläche haben brettern lassen, ist unser Kopf wieder klar und wir wissen, was wir am anderen Morgen zu tun haben, auf die Zähne beißen, zwei Aspirin einschmeißen und versuchen, uns über die Zeit zu retten, leider hat der Gegner dieselbe Taktik, 1:1, erneutes Elferschießen, und zumindest in der Hinsicht avancieren wir zu den Engländern dieses Turniers, keine Nerven, wieder verloren, jetzt ist alles egal, der Coach kommt und sagt, Männer ich bin stolz auf euch und wir sagen, Coach, wir sind stolz auf dich, Platz 15 ist noch drin und wieder Unentschieden und dann die Wende, 13:12 im Elferschießen, jetzt geht`s aufwärts, leider ist das Turnier jetzt zu Ende, zumindest für uns, und wir gehen zurück zum Zelt, der Coach kommt und sagt, Männer, ich brauch` ein Bier und wir sagen, Coach, wir brauchen auch ein Bier und dann kommen die ersten vom Endspiel zurück und sagen, dass Lok Libuda Deutscher Meister geworden sei und wir sagen, Lok wer? und singen: Deutscher Meister wird nur der KOH, nur der KOH, nur der KOH.

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Foto-Galerie: Philipp von Ditfurth

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