Die "Bunten Menschen" beleben das Haus Gartenstraße 19

Christine Duttlinger

An der Fassade des Hauses in der Gartenstraße 19 hängen schwarz-rote Fahnen, davor steht ein Bücher-Tausch-Regal, drinnen gibt es einen Umsonstladen. Seit Januar wird das besetzte Haus in der Innenstadt von der Gruppe "Bunte Menschen" verwaltet. Im fudder-Interview erklärt die Gruppe, wofür sie steht:



Hinweis: Das Interview wurde mit mehreren Mitgliedern der "Bunten Menschen" im Kollektiv geführt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einigten sich jeweils auf eine gemeinsame Aussage. Namentlich genannt werden wollte keiner von ihnen.

Wie seid ihr an das Haus in der Gartenstraße gekommen?

Das Haus ist seit vier Jahren von der linken Szene in Freiburg besetzt, und der Besitzer lässt nicht räumen. Seit dem Winter war da eigentlich nichts mehr los. Bei der Gruppe vorher lief das nicht mehr so gut. Im Januar haben dann wir, die bunten Menschen, angefangen aufzuräumen und das Haus wieder zu öffnen.

Ihr nennt euch „Bunte Menschen“. Wer genau seid ihr denn und für was steht ihr?

Die Gruppe ist ein loser Zusammenhang von Menschen, die verschiedene Zustände unserer momentanen Gesellschaft und Politik kritisieren und grundlegend verändern wollen. Wir kennen uns zum Teil erst über die G19, das besetzte Haus, aber manche von uns hängen schon seit fünf Jahren zusammen rum.

Wir haben gewisse Werte, auf die wir uns einigen können und hinter denen wir uns sammeln. Dazu gehört: Solidarität, Diskriminierungsfreiheit, Offenheit und Hierarchielosigkeit. Das versuchen wir in unserer Gruppe zu leben. Wir glauben, dass eigentlich alle Menschen ein Interesse haben, sich über die Welt auszutauschen, Missstände zu erkennen und gemeinsam zu verändern.

Was für Aktionen veranstaltet ihr?

Wir gestalten verschiedene Aktionen im öffentlichen Raum – es geht nicht nur um Gesellschafts- und Konsumkritik, sondern auch darum, dass Menschen zusammenkommen. In der G19 gibt es zum Beispiel ein Umsonstladen und ein Essensverteiler. Im Herbst/Winter wird es verschiedene Vorträge, Diskussionsrunden und einen feministischen Lesekreis geben. Ab Oktober startet auch wieder das bunte Kino im Jos Fritz.

Die G19 bezeichnet ihr als Freiraum. Was genau heißt das für euch?

Wir sind der Meinung, dass Veränderung nicht nur durch Demos und politische Texte passiert, sondern vor allem durch den Austausch zwischen Menschen im öffentlichen Raum. Man soll zusammenkommen und sich über die Welt, in der wir alle leben, unterhalten. Es geht darum, Gemeinsamkeiten festzustellen und Veränderungen anzustoßen. Die Gartenstraße 19 ist nicht nur ein Ort für bunte Menschen, sondern für alle Menschen, die Freiräume nutzen wollen.

Ob Yoga-Workshop, Lesekreis oder ein Gedichteabend – egal. Es soll ein Raum ermöglicht werden, in dem Menschen außerhalb der Mechanismen zusammenkommen, die wir sonst in der Innenstadt haben, bei denen zum Beispiel Geld als Zugang gebraucht wird.  Wir wollen ein Zusammenkommen, das gemeinschaftlich organisiert ist und völlig unabhängig von Religion, Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht passieren kann. Wir wollen zeigen, dass man auch anders miteinander leben kann.

Ihr wollt nicht, dass in der Öffentlichkeit eure Namen genannt werden. Warum?

Dieser Wunsch nach Anonymität geht darauf zurück, dass der Verfassungsschutz und die Polizei Möglichkeiten suchen, politisch aktive Menschen zu kontrollieren. Deshalb werden in der linken Szene Demos oft nicht angemeldet. Politisch aktive Menschen, die von den Behörden als radikal eingestuft werden, müssen mit Konsequenzen rechnen.

Der Staatsapparat versucht, diesen mit Geldstrafen und Freiheitsentzug zu schaden. Beispielsweise wurden bei dem G8-Gipfel in Straßburg Ausreiseverbote verhängt. Das ist eine Praxis, die nicht politisch aktive Menschen nicht nachvollziehen können. Sie sind sich des Levels an Repression nicht bewusst. Es ist oft so, dass die linke Szene auf Unverständnis stößt bei der restlichen Bevölkerung Freiburgs, weil die Leute einfach nicht wissen, was da genau passiert.

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