Unterricht

Deutschkurse von "Bildung für alle" können für 250 Geflüchtete wieder stattfinden

Anja Bochtler

Die Deutschkurse von "Bildung für alle" haben in neuen Räumen wieder begonnen. Wegen Corona konnten sie nur in Parks oder anderen Sälen stattfinden. Teils konnten die Menschen nicht erreicht werden.

Endlich wieder Deutsch lernen: Damit das klappt, haben einige der rund 250 Geflüchteten, die am Unterricht des Vereins "Bildung für alle" teilnehmen, mit angepackt und unter anderem Teppichböden in Unterrichtsräumen verlegt. Am Montag starten Intensivkurse in dem bis vor kurzem leerstehenden Gebäude an der Wippertstraße 2. Dafür kamen 15.000 Euro von der Stiftung Erzbischöflicher Stuhl der Erzdiözese Freiburg, die den Verein mit insgesamt 65.000 Euro fördert, und 5000 Euro von der Schöpflin-Stiftung Lörrach.


Corona hat alles durcheinandergewirbelt: Nicht nur, weil die Kurse von "Bildung für alle" im März gestoppt und online weitergeführt wurden. Rund 70 der 250 Lernenden konnten dadurch nicht erreicht werden, schätzt Koordinatorin Leonie Bozenhardt. Die Gründe reichten von fehlender technischer Ausstattung bis zu Analphabetismus. Und als im Juli der Präsenz-Unterricht wieder beginnen konnte, fehlten die Räume: Die Schulen sind wegen Corona für außerschulische Veranstaltungen gesperrt.

Unterrichtsstunden nur in Parks oder Kirchengemeindesäalen

Deshalb waren seither nur Unterrichtsstunden in Parks, der Lokhalle des Grünhofs, im Rieselfelder Kirchen-Gemeindesaal und Angell-Schulzentrum möglich. Ab Montag werden an vier Abenden der Woche rund 120 geflüchtete Menschen jeweils von 17.30 bis 20 Uhr in dem extra gerichteten provisorischen Gebäude an der Wippertstraße pauken, das zwei Jahre leer stand. Früher gehörte es der Freiburger Wirtschaft und Touristik GmbH, sagt Gerd Schneider, Vorsitzender von "Bildung für alle", inzwischen dem Siedlungswerk. Ein Jahr kann der Verein es mietfrei nutzen. Langfristig sei der Abriss geplant, es sollen Wohnungen entstehen.

Fast die Hälfte aller Deutsch-Lernenden, die bei den 60 überwiegend ehrenamtlich arbeitenden Lehrenden des Vereins die kostenlosen Kurse besuchen, haben sich für die Deutsch-Intensivkurse angemeldet, sagt Gerd Schneider. Sie wollen in den Ferien nachholen, was sie während der Ausfälle in den vergangenen Monaten versäumt haben. Für den Herbst sind, falls es die Corona-Entwicklung zulässt, wieder die regulären Deutsch-Angebote geplant: An drei Abenden in der Woche sollen die üblichen jeweils eineinhalb Stunden dauernden Kurse stattfinden.

Kursteilnehmende und viele der rund 70 ehrenamtlich Engagierten haben im Lauf der vergangenen Woche 16 der rund 30 Zimmer des Gebäudes instandgesetzt: Die meisten sind nun Unterrichtsräume, ausgestattet mit rund 200 Tischen und Stühlen, die bei der Walter-Rathenau-Gewerbeschule ausgemustert wurden. Zu den Besonderheiten der Deutschkurse von "Bildung für alle" gehört, dass 34 Prozent Frauen teilnehmen, mehr als an vielen anderen Deutschkursen für Geflüchtete. Das klappt, weil der Verein sich früh um Kinderbetreuung gekümmert hat. Allerdings haben auch da die Corona-Monate Schäden hinterlassen: Die Hälfte der Mitarbeitenden in der Kinderbetreuung waren Honorarkräfte, die sich neue Jobs suchen mussten. Jetzt kann der Verein, bis das Team wiederaufgebaut ist, nur für wenige Kinder Betreuung anbieten.
Informationen und Kontakt: https://bfa-freiburg.de/