Performance

Deutsch-peruanische Theaterproduktion "Intercambios" feiert Premiere im E-Werk

Sarah Rondot

Was haben Bienen, Kabeltelefon und die indigene Sprache Quechua gemeinsam? Sie sind vorm Aussterben bedroht. Darum geht’s in der Theaterperformance "Intercambios – aus den Archiven der Soledad Bauer", die am 6. November im E-Werk Premiere feiert.

Die Theaterperformance ist durch eine Kooperation des Freiburger Cargo-Theaters und den peruanischen Theaterprojekten "Elgalpon.Espacio" und "Teatro Yuyachkani" entstanden. Leon Wierer, der Teil des Cargo-Theaterteams ist, denkt mit Begeisterung an die Anfänge der zweijährigen Zusammenarbeit zurück.


Archiv der aussterbenden Dinge

Leon und seine Schwester Carla Wierer stießen während einer Recherchereise in Peru auf etwas, das sie nicht mehr losgelassen hat. Sie trafen die Deutsch-Peruanerin Soledad Bauer. Die Archäologin, Biologin und Lehrerin führte die beiden Geschwister auf ihren unglaublichen Dachboden. Bauer hat dort ein "Archiv der aussterbenden Dinge" zusammengestellt. Hier sammelt sie Tonbänder auf Quechua, archivierte Musik, Insekten und aussterbende Dinge, die ihr ihre Schüler und Schülerinnen mitgebracht hatten.

Leon Winter erklärt: "Das Faszinierende ist, wie Soledad Bauer die wissenschaftliche Sammlung mit Fantasie und Kultur verbindet. Sie zieht da keine Grenzen und lässt die Dinge ihre eigene Geschichte erzählen."

Große Herausforderung durch Corona

So entstand die Idee zu "Intercambios – aus den Archiven der Soledad Bauer". Gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern machte sich das Cargo-Theater daran, Teile des großen Archivs für eine Vorstellung nachzubauen. Dabei arbeiteten sie mit einem bildenden Künstler zusammen. Eigentlich sollte das Publikum schon im April in die geheimnisvolle Welt der Soledad Bauer eintauchen können, doch das coronabedingte Veranstaltungsverbot machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Auch das Rahmenprogramm, das gemeinsam mit der "Informationsstelle Peru e.V." geplant war, fiel ins Wasser. Corona bedeutet für die internationale Zusammenarbeit eine große Herausforderung.

Miguel Rubio Zapata, der für die dramaturgische Beratung zuständig ist, kann nun bei der deutschen Premiere nicht dabei sein. Sein peruanischer Kollege Jorge Baldeon, der auch auf der Bühne mitwirkt, steckt dagegen schon seit April in Deutschland fest. "Das Gute daran ist, dass er jetzt wie geplant mit uns auftreten kann", freut sich Leon Wierer. Jorge Baldeon wird auch noch dabei sein, wenn die Theatergruppe mit "Intercambios" bei "6 Tage frei", dem Baden-Württemberger Theaterfestival in Stuttgart auftritt.

Interaktive Performance mit acht Stationen

Doch was genau erwartet die Zuschauer bei der deutschen Premiere von "Intercambios"? Wierer lacht: "Auf jeden Fall kein Stück à la Shakespeare". Die Performance ist nämlich interaktiv gestaltet. Die Zuschauer bewegen sich in der Installation und können in verschiedenen Bereichen des Archivs über Kopfhörer Geschichten hören. Zum Beispiel von einem schmelzenden Gletscher, der aus seiner eigenen Perspektive erzählt. Bei den acht verschiedenen Stationen geht es weniger um Behauptungen und Fakten. Stattdessen schwebt über allem die philosophische Frage: Wenn wir akzeptieren, dass manche Dinge vergänglich sind, für welche aussterbenden Dinge lohnt es sich dann zu kämpfen? Setzen wir uns auch für unsympathischere Insekten als Bienen ein? Und ist ein Regenwurm genauso schützenswert wie ein süßer Koalabär?

Corona-Schutzmaßnahmen können während der Aufführung gut eingehalten werden. "Die Performance war sowieso nur für wenige Zuschauer geplant, jetzt haben wir es auf 14 Personen beschränkt", erklärt Wierer. Auch diese Gruppe wird nochmal zweigeteilt, während die Hälfte das Archiv erkundet, erfahren die Anderen die Rahmenhandlung, in die die Ausstellung eingebettet ist. Wer "Intercambios - aus den Archiven der Soledad Bauer" besucht, kann sich darauf einstellen, nicht berieselt, sondern mit ungewohnten Fragen konfrontiert zu werden. Denn wer hat schonmal eine Geschichte aus Perspektive der aussterbenden Dinge selbst gehört…
Was: "Intercambios - aus den Archiven der Soledad Bauer"
Wann: Premiere: Freitag 6. November, 20 Uhr, dann täglich 7. bis 14. November, 20 Uhr
Wo: E-Werk Freiburg
Eintritt: 16 Euro, 9 Euro ermäßigt