Nachtleben

Der Verein "Corner" setzt sich für Subkulturen in Freiburg ein

Martha Martin-Humpert

Der junge Freiburger Verein Corner e.V. will Subkultur im urbanen Raum fördern und veranstaltet am Samstag einen Soli-Jam für das Festival RapFatale.

Genervt vom Freiburger Clubsterben und den Debatten um die vermeintlichen Gefahren rund um den Stühlinger Kirchplatz hat sich eine Gruppe zusammengetan und 2019 den Corner e.V. gegründet.


Der Name kommt nicht von ungefähr: Das Cornern ist als Kulturtechnik von der Bronx in die Welt ausgezogen, um Menschen nicht um, sondern an die Ecke zu bringen. Das Zusammensitzen an der Häuser- oder Straßenkante ist als beliebte Freizeitbeschäftigung mittlerweile in vielen Groß- und Kleinstädten Teil der urbanen Lebendigkeit geworden.

Freiburg keine Ausnahme

Das eckt im wahrsten Sinne des Wortes an. Denn fast überall, wo Menschen sich außerhalb der vorgegeben Konsumzonen aufhalten und den öffentlichen Raum für außergewöhnlichere Aktivitäten als das schlichte Bewegen von A nach B nutzen und sich vielleicht sogar (Gott bewahre!) länger dort aufhalten, drohen Konflikte.

Auch Freiburg ist hier keine Ausnahme. Jeder kennt die Diskussionen um Nachtschwärmer am Augustiner- und neuerdings am Lederleplatz, auf die nun als Konsequenz die Schließung des Spätis an der Eschholzstraße folgt. Hauptsache sauber und schön leise, so wohl die Traumstadt einer Großzahl der Bürgerinnen und Bürger.

Für eigene Interessen einsetzen

Der Corner e.V. will dieser einseitigen Vorstellung des Urbanen etwas entgegensetzen und Subkulturen wie Hip-Hop im städtischen Umfeld wieder Platz schaffen. Frei nach dem Motto "Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst" kam bei den ersten Mitgliedern Anna, Robert, Nico, Suza und Locke der Entschluss, nicht einfach über die bestehenden Verhältnisse zu "motzen", sondern sich mit einer Vereinsgründung aktiv für die eigenen Interessen einzusetzen.

Draußen sichtbar sein, vor allem im eigenen Viertel. Denn viele der Corners, gerade sind es elf an der Zahl, sind im Stühlinger nicht nur aufgewaschen oder zuhause, sondern arbeiten auch dort und verbringen einen Großteil ihrer Freizeit hier. Lebensmittelpunkt also. Für sie ist der Stühlinger samt Kirchplatz nicht die medial beschworene Gefahrenzone, sondern ein Stadtteil mit vielen Facetten und Lebensraum von Menschen aus unterschiedlichen Generationen, Kulturkreisen, sozialen Milieus mit vielfältigen Lebensweisen.

Mitglied Ise merkt an: "Wichtig ist es für uns, unsere Bedürfnisse und Wünsche in diesem Viertel äußern zu können und zu vertreten. Der Stühlingerpark als gefühlter Mittelpunkt des Viertels ist Treffpunkt und sollte dahingehend auch ein toleranter, offener Raum sein."

Alle Mitglieder haben Erfahrungen mit Veranstaltungen

Dass das Miteinander unterschiedlicher Gruppen Vorteile bringt, hat man im Verein verinnerlicht. Schon kurz nach der Gründung fusioniert man mit der Up-Jump-the-Boogie-Crew, die vor allem für ihre Hip-Hop-Veranstaltungen bekannt ist. Gemeinsames Ziel: "Wir wollen Angebote entwickeln, die wir selbst gerne besuchen würden."

Erfahrung mit eigenen Veranstaltungen haben die Mitglieder, die alle irgendwas um die Dreißig herum sind, bereits vorher zu Genüge: 2019 wurde im Bruder Wolf regelmäßig die UJTB-Partyreihe "Gude" abgehalten, mit Konzerten von Afu-Ra im Juze Denzlingen und AzudemSk im Harmoniekeller hat man Geschmackssicherheit bei der Artistauswahl bewiesen. Auch die Corner-Stage beim 1. Mai-Jam auf dem Grethergelände und der Winterjam Anfang des Jahres mit Lakmann One haben für mehr als genug zustimmendes Kopfnicken unter den Hip-Hop Heads gesorgt.

Samstag: Corner Jam im Artik

Den schon bei dem 2018 stattgefundenen Projekt "Livestylez ov da poor" verfolgte Ansatz eines niederschwelligen und preiswerten Angebotes soll es auch bei den nächsten Veranstaltungen geben. Schon jetzt kann man auf Anfrage bei einem der vielen Angebote selbst erleben, dass Subkultur eben nicht schmuddelig, sondern bunt, divers und kreativ ist: Wer will, kann sich mit Künstler Kidpone auf Street Art Führung begeben, bei Kalligrafie und Graffiti sein gestalterisches Talent entdecken oder beim Dancehall Kurs endlich mal den richtigen Twerk rauskriegen.

Die so erlernten Skills können am Wochenende auf die Probe gestellt werden: Beim Corner Jam im Artik wird der winterträge Körper zugunsten des im Frühling stattfindenden all female Festival RapFatale mit ordentlich Bässen, Sprechgesang und Dancehall-Beats zum Schwingen gebracht. Da wird dann ausnahmsweise mal keiner in oder an der Ecke stehen.
Wer es nicht hinschafft und trotzdem seinen Beitrag zur subversiven Stadtkultur leisten will, setzt sich am besten mit ein paar Freunden unter das neue Corner e.V. Graffiti an der Dreisam Höhe Schwabentor, macht sich ein entspanntes Dosenbier auf und tut das, was der Geschäftige am meisten hasst: nichts. Cornern wie ein König.

Was: Rap Fatale Soliparty. Corner Jam

Wann: Samstag, 29. Februar, 20 Uhr

Wo: Artik Freiburg