fudder-Interview

Der Tafelladen in Freiburg arbeitet unter Corona-Bedingungen

Selma Leipold

Annalena Weis macht ihren Bundesfreiwilligendienst bei der Freiburger Tafel. In einem Interview erzählt die 19-Jährige von ihren Erfahrungen bei der Tafel, den Corona-Bedingungen und der bevorstehenden Weihnachtszeit.

Du machst dein Bufdi bei der Freiburger Tafel, wie nimmst du diese Erfahrung, besonders zu Corona-Zeiten, wahr?

Die Erfahrung bei der Tafel finde ich wirklich super, ich habe mein Bufdi deshalb sogar um ein halbes Jahr verlängert. Was Corona angeht muss ich sagen, dass ich erst seit letztem Jahr September dabei bin, das heißt ich habe die Tafel nur unter Corona-Bedingungen miterlebt. Aber so wie es bei uns im Laden gerade ist, möchte das Team es auch beibehalten, wenn es mit Corona wieder besser ist. Denn es ist seitdem einfach viel besser strukturiert und nicht immer alles so durcheinander.

"Durch die Tafel habe ich mich dazu entschieden, Soziale Arbeit zu studieren."

Was sind das beispielsweise für Dinge, die ihr geändert habt und auch ohne Corona so weiterführen wollt?

Früher war das so, dass es große Regale mit Obst und Gemüse in den Kisten gab. Die Kunden konnten dann selbst rausnehmen was sie wollten und so haben sie dann immer alles angefasst und teilweise auch wieder in falsche Kisten zurückgelegt. Deshalb war immer alles ein bisschen durcheinander und es ging viel Zeit darauf, alles wieder richtig aufzuräumen. Jetzt ist es so, dass wir kleinere Regale haben und unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter geben dann das raus, was die Kunden haben wollen. Das läuft echt gut.

Könnt ihr denn zu Zeiten von Corona auch weiterhin außerhalb des Ladens arbeiten und zum Beispiel Essen verteilen?

Ja, das ist zum Glück immer noch möglich. Wir haben unsere Fahrradteams, die immer die ganzen Läden anfahren und die sind zum Beispiel auch zur Suppenküche oder zur Bahnhofsmission gefahren und haben sie mit Essen beliefert. Es ist also alles ganz normal möglich, nur dass wir dabei eben die Maßnahmen wie etwa das Abstandhalten und Maskentragen berücksichtigen. Wenn wir mit dem Auto fahren, schauen wir auch, dass nur zwei Personen unterwegs sind und nicht wie früher drei.

Würdest du sagen, ihr habt euch, was den Umgang mit den wechselnden Corona-Bestimmungen angeht, schon eine Routine angelegt?

Ja, wir kommen echt gut mit den Regelungen klar. Wir haben jetzt zum Beispiel seit Kurzem auch die 3G-Reglung am Arbeitsplatz und haben dafür einfach Listen ausgedruckt, in denen wir immer den Status eintragen können. Ansonsten gab es ja mal eine Beschränkung der Kundenanzahl pro Laden. Das haben wir einfach beigehalten, sodass wir die Reglungen nicht ständig hin und her ändern müssen. Heißt, auch als zwischenzeitlich mehr erlaubt waren, haben wir weiterhin bloß sieben Kunden auf ein Mal in den Laden gelassen.
"Wir kommen echt gut mit den Regelungen klar."

Was Reglungen angeht, scheint ihr wirklich gut vorbereitet! Wie erlebt ihr die Weihnachtszeit?

Es ist auf jeden Fall etwas mehr los als sonst. Wir bekommen dafür aber auch viel mehr von den Läden, besonders, was Backwaren angeht. Vorgestern hatten wir in unserer Garage eine Kleiderausgabe für unsere Kunden. Wir hatten Winterjacken, Pullis und vieles mehr und haben jedem Kunden zwei Teile ausgegeben, das hat sie total gefreut. Ansonsten haben wir jedes Jahr eine Weihnachtsaktion, bei der wir Wunschzettel von Kindern unserer Tafel-Kunden bekommen. Da dürfen sie einen Wunsch bis zu 20 Euro draufschreiben. Wir werden dann von Organisationen gesponsert und können so den Kindern ihre Wünsche erfüllen, das ist echt schön.

Wie würdest du sagen, hat sich deine Erfahrung bei der Tafel beruflich und persönlich auf dich ausgewirkt?

Mir war schon immer klar, dass ich ein Freiwilligen- Jahr machen möchte, aber dass es mir so gut gefällt, dass ich um ein halbes Jahr verlängere, hätte ich anfangs natürlich nicht gedacht. Ich wollte früher eigentlich immer eine Ausbildung bei der Polizei machen. Durch die Tafel habe ich mich jetzt aber dazu entschieden, Soziale Arbeit zu studieren. Die ganzen Lebensgeschichten der Personen hier haben mich dazu motiviert, besonders die der Kinder.

Aber auch persönlich hat mich die Tafel total weitergebracht. Ich wurde viel selbstbewusster! Als ich angefangen habe, war ich eher schüchtern, aber dadurch, dass das Team so nett ist, konnte ich mich schnell öffnen, man wird direkt in diese große Familie aufgenommen. Außerdem habe ich zum Beispiel auch ganz viele neue Wörter auf den verschiedensten Sprachen, zum Beispiel Russisch oder Arabisch, gelernt. Ich kann wirklich nur jedem, der ein Bundesfreiwilligendienst machen möchte, empfehlen, es hier zu machen. Ab Februar, wenn ich fertig bin, gibt es auch wieder neue Stellen.

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