Der Selbstversuch: Steptanz

Linda Kurek

HipHop tanzen ist die Leidenschaft von fudder-Praktikantin Linda Kurek. Für fudder hat Linda etwas neues ausprobiert. Bei der Musical-Tap-Company in Freiburg hat sie zum ersten Mal die Stepschuhe angezogen, und den Steptanz-Selbstversuch gewagt. Ob's geklappert hat:



Klack-Klack!

So klingt es, als ich die ersten Schritte in Steptanzschuhen mache. Zwei Metallplatten sind Schuld daran, und verändern mein Gehgefühl. Ich probiere, ein geordnetes Klacken hinzubekommen - aber irgendwie hört sich das alles noch ziemlich stumpf an.

Ich bin in meiner allerersten Steptanz-Stunde bei der Musical-Tap-Company in Freiburg. Seit fast fünf Jahren tanze ich HipHop, aber heute probiere ich den Tanzstil von Fred Astaire und Ginger Rogers aus.

Mein Tanzlehrer ist Musical-Tap-Company-Gründer Uwe Meusel. Seit 1988 betreibt er die Steptanz-Schule in der Wallstraße. Der Tanzsaal erinnerte mich an die Sporthalle meiner Grundschule. Der große Raum hat riesige Fenster, eine Spiegelwand und eine kleine Bühne, über der aufgereiht Meusels viele Pokale stehen.

Während ich die ersten Gehversuche mit den ungewohnten Steptanzschuhen mache, kommen die Tanzschülerinnen und -schüler, die an der heutigen Fortgeschrittenenstunde teilnehmen werden. Wir sind heute sieben Schüler: Fünf Frauen, und zwei kleine Jungs. Bevor getanzt wird, gibt's erstmal eine Rhythmusübung: Einen gemeinsamen Cup-Song.

"Komm, setz' dich an den Tisch", lädt mich Uwe Meusel ein. Ich kriege einen Crash-Kurs im Cup-Song-Spielen, und schnell klopfen wir mit Bechern den Rhythmus des Songs - eine lustige Angelegenheit, die schwerer ist, als sie aussieht.



Dann geht's vor die große Spiegelwand - und ich bin ich ganz schön aufgeregt.

Los geht's mit einer Off-Beat-Übung. "Eins! Zwei! Drei! Und Vier und Fünf und Sechs!" Uwe Meusel gibt den Takt vor, und wir laufen Bahnen rhytmisch dazu. Zugegeben: Ich versuche es zumindest. Steppen, das ist halb Tanz und halb Musik, und das Mitkommen ist am Anfang ganz schön schwierig. Bei einer Taktübung läuft der Tanzlehrer die meiste Zeit neben mir her, und versucht, mich mit lautem Sprechen des Rhythmus in den richtigen Takt zu lenken. Irgendwann gelingt es mir dann tatsächlich. "Ja, jetzt hast du den Takt!" 

Es gibt verschiedene Schritte beim Steptanz, und ein paar lerne ich schon in dieser meiner ersten Stunde. Der Step ist ein belasteter Schritt auf die Metallplatte des Fußballens. Der Flap ist ein Doppelton "aus dem fallenden Knie heraus ausgeführt", bei dem der lockere Fuß mit dem Ballen auf den Boden trifft, kurz zurück federt, und dann einen Step macht. Der Shuffle ist ein Doppelton, bei dem man den unbelasteten Vorfuß vor und zurück über den Boden schleifen lässt. Es gibt natürlich noch viel mehr Schritte die man erlernen kann, allerdings braucht das jahrelanges Training bis zur Perfektion.



Lehrer Uwe Meusel kann sie alle, denn er tanzt Step, seit er 21 ist. Damals begann er neben seinem Musikstudiums mit dem Steptanz, lernte mit fast allen Größen der amerikanischen Steptanzszene und trat in unzähligen Musicals und Shows auf. Sein Repertoire umfasst 300 Choreographien. Er ist ein toller Tanzlehrer: Hilfsbereit, ermutigend und genau. Und so sind seine Schülerinnen und Schüler diszipliniert und konzentriert bei der Sache. Dass heute so wenig Leute da sind, liegt übrigens an den Ferien - eigentlich sind 15 bis 20 Leute in einer Kursstunde.

Extra für mich werden heute noch mal Basics wiederholt, eigentlich einfache rhythmische Übungen. Aber eben nur "eigentlich". Dadurch dass man sich auf das Klatschen und auf das Tappen konzentrieren muss, ist es sehr schwer und überraschend schweißtreibend.

Uwe Meusel demonstriert den Shuffel. Wir Tanzschüler stellen uns direkt vor den Spiegel und sollen den Schritt mehrfach versuchen, bis wir ein schönes Schleif- und Tapgeräusch bekommen. "Dabei muß man nicht viel bewegen", erklärt Uwe Meusel. "Man muß nur das Knie anwinkeln und dann wieder klacken lassen." Ich gebe mein Bestes, und Jule, eine Kursteilnehmerin, lobt mich sogar: "Du kannst das ja schon richtig gut." Ihr Lob macht mich verlegen.



Am Ende der Stunde zeigen die Schüler noch eine kleine Choreografie, die sie vor kurzem bei einer Aufführung gezeigt hatten. Ich bin sehr beeindruckt, denn sie tanzen harmonisch und taktgenau zusammen, und man sieht ihnen an, wie viel Spaß sie dabei haben.

Nach der Stunde bin ich nicht nur verschwitzt und glücklich, sondern auch echt angetan vom Steptanz. Besonders die Leistung der ganz jungen Tanzschüler hat mich beeindruckt. Die Stunde hat wirklich einen riesigen Spaß gemacht. Ich kann gar nicht verstehen, warum Step im Moment ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Schade, eigentlich.



Musical-Tap-Company
Wallstraße 14a
79098 Freiburg
0761.383336

 

Uwe Meusel tanzt: OFFJAZZ danse de claquettes

Quelle: YouTube


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