Der Selbstversuch: Freecross

Moritz Kraus

Extremes Ausdauertraining im Freien oder gemütlich zum Eisessen fahren: Die Sportart Freecross verspricht beides. Ob das ungewöhnliche Fortbewegungsmittel eine Alternative zum Fahrrad ist, hat fudder-Autor Moritz Kraus getestet.



Ich trete in die Pedale. Erst den rechten Fuß nach vorne, dann den linken. Ich merke, dass ich schneller werde. Ich ziehe den Hebel mit dem rechten Arm zu mir hin, während ich den linken von mir wegdrücke. Noch etwas unkoordiniert strample ich so einen schmalen Fahrradweg im Rieselfeld entlang. Dann lehne ich mich nach links, verlagere mein Gewicht, um gut in die Kurve zu kommen. Ich trete schneller - die Trittfrequenz wird höher.

Schalten nicht vergessen. Ich drehe an der Schaltung, nicht viel, nur ein wenig. Ein leichtes Drehen am Griff mit dem kleinen Finger und das Treten wird schwerer, der Nabenschaltung sei Dank. Ich rolle jetzt noch schneller über den Asphalt, vorbei an einer alten Frau, die stehen bleibt und mir einen verwunderten Blick zuwirft. Warum sie verwundert ist? Weil ich mit einem Freecross unterwegs bin, ein Gerät, dass sie wahrscheinlich noch nie gesehen hat.
Ausgeliehen habe ich mir den Freecross von Georg Saladin, 32, und Maike Guthier, 39. Er ist Personal-Trainer, sie Grafik-Designerin - außerdem sind die beiden Experten für Freecross in Freiburg. Sogar Weltmeister sind sie damit geworden. Über 150 Kilometer und zehn Stunden hat Saladin ohne Pause auf der Langstrecke absolviert - Weltrekord. Nicht einmal der Extremsportler Joey Kelly hatte gegen ihn eine Chance. Guthier hat mit 54 Sekunden den 400-Meter-Weltrekord aufgestellt.



Bevor ich loslegen darf, erklären sie mir das auf den ersten Blick etwas ungewöhnliche Fortbewegungsmittel. "Der Freecross ist ein Ganzkörpergerät. Im Prinzip ist es ein Crosstrainer auf drei Rädern", sagt Saladin.

Freecross wurde von einem deutschen Ingenieur entwickelt und wird in Deutschland hergestellt. Der Hauptabsatzmarkt sind allerdings die USA. "In Deutschland trauen sich die Leute nicht so richtig, neue Trendsportarten auszupobieren", so Saladin. "Die Hemmschwelle ist einfach zu hoch." Dabei ist der fahrende Crosstrainer für deutsche Straßen komplett tauglich und zugelassen. "Man kann damit auch super abnehmen, weil man durch die Ganzkörpernutzung einen hohen Energieverbrauch hat", sagt Saladin. Für eine ausdauernde Trainingseinheit wie im Fitnessstudio sei er ebenso geeignet. Und Kollegin Guthier ergänzt: "In jedem Fall sollte man aber einen Helm tragen!"

Aller Anfang ist schwer, heißt es. Nicht beim Freecross. "Losfahren kann man sofort. Bis man eine ausgefeilte Technik drauf hat, dauert es aber schon um die 2 Stunden", sagt mir Saladin. Es ist ein komisches Gefühl, auf das Gerät zu steigen. Man steht hoch und aufrecht über dem Boden. Es ist ein wenig so, wie wenn man zum ersten mal in einem SUV oder Sprinter sitzt. Ich versuche mich zurecht zu finden. Links und rechts finde ich Griffe mit Vorder- und Hinterbremse, unter meinen Füßen die Pedale - wie beim normalen Crosstrainer auch.

Nachdem ich weiß, dass ich wie im Fitnessstudio in die Pedale treten kann und fürs Schalten am rechten Griff drehen muss, lege ich los. Die ersten paar Meter sind etwas holprig, aber dann werden meine Bewegungen flüssiger. Hände und Füße arbeiten entgegengesetzt. Mit der stufenlosen Schaltung komme ich auch klar; einfach am Griff drehen, wie beim normalen Fahrrad auch.

"Wenn du eine Kurve machen möchtest, lehnst du dich einfach zur Seite, die Räder gehen dann automatisch in die entsprechende Richtung", erklärt mir Saladin. Es klingt einfach, und das ist es auch. Ich rolle über den Asphalt, dann ziehe ich an den Bremsen. Gewicht verlagern und Oberkörper nach rechts - prompt geht mein Freecross in die Kurve - allerdings auf die Wiese. "Du kannst mit dem Ding auch auf der Wiese oder über Schotter fahren, das ist kein Problem", schreien mir die beiden Freecrossweltmeister zu.

Ich habe mittlerweile schon einige hundert Meter zurückgelegt. Ein paar mal fahre ich die Rieselfelder Radwege noch auf und ab. Nach einer halben Stunde bin ich ziemlich aus der Puste und steige ab. "Gemütlich rumcruisen geht mit dem Teil auch, du kannst dir allerdings auch den Puls hochjagen", sagt Saladin.



Ich bin positiv überrascht von meinen ersten Fahrstunden im Freecross. Es ist ein vielseitiges Gerät für jeden, der eine Alternative zum Fahrrad oder Mountainbike sucht. Dass man unterwegs hin und wieder schräg angeschaut wird, muss man in Kauf nehmen. Eine Anschaffung ist, wie bei einem professionellen Fahrrad, aber noch ziemlich teuer. Der Preis für die drei verschiedenen Modelle - Basic, Pro und Premium, liegt zwischen 2000 und 3500 Euro. Beim Gesundheitsaspekt hat Freecross im Gegensatz zum Fahrrad allerdings die Nase vorn. Auch wenn das Fahren etwas komisch aussieht, ist der Freecross ein gelungenes Sportgerät.




Freecross in Freiburg

Freecross bietet in Freiburg die "Fitnessagentur":

Bollerstaudenstraße 19
79111 Freiburg Wer sich einen Freecross mieten will, zahlt bei der Fitnessagentur 19,90 Euro pro Stunde. Bei mehreren Stunden gibt's Rabatt.

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[Fotos und Video: Marius Buhl]