Freiburger Stadtgeschichte

Der "Schwarze Kater" hat eine lange gastronomische Tradition

Fritz Steger

Hier gab es erst ein Bierlokal, dann diverse Weinstuben und einen ganz speziellen "Pferdestall". Das Lokal "Schwarzer Kater" in Freiburgs Innenstadt hat eine lange und interessante Geschichte.

Erste Erwähnung fand im Adressbuch von 1813 eine Gastwirtschaft im Haus 623 an der Jesuitengasse, die 1865 in Bertoldstraße umbenannt wurde. Eine Gaststätte gibt es hier an der Ecke zur Niemensstraße bis heute, inzwischen unter dem Namen "Schwarzer Kater."

Zunächst wurde das Lokal als sogenannte Busch- oder Kranzwirtschaft geführt. Solche Wirtschaften unterschieden sich – wie auch die "Straußen" der badischen Winzer – von den regulären Gasthäusern durch ein reduziertes Angebot an Speisen und Getränken. Kranzwirtschaften gab es auch an der Universitätsstraße und Herrenstraße. Daran erinnert noch die Gaststätte "Zum Kranz" an der Herrenstraße, die nach einem mehrjährigen Gastspiel als "Binding Brezel" wieder die historische Bezeichnung führt.

In den 1920er Jahren erhielt das Gasthaus an der Bertoldstraße dann eine volle Konzession und firmierte fortan als Bierlokal "Bürgerbräu". Im Jahr 1926 übernahm Karl Oberkirch das "Bürgerbräu" und richtete dort eine Weinstube ein. Zunächst unter dem Namen "Weinstube Bürgerbräu", was ja ein Widerspruch in sich war, dann als "Oberkirchs Weinstube". Das hochformatige historische Bild aus dem Jahr 1936 zeigt die Weinstube ganz auf der rechten Seite, gefolgt von der Filiale der Berliner Korsettfabrik Arnold Oborsky, mit Werbung am Giebel. Das Unternehmen im Besitz einer jüdischen Familie fiel wenig später der von den Nationalsozialisten betriebenen "Arisierung" zum Opfer. Dahinter folgte das Waffengeschäft Helbig, und im Hintergrund sieht man auf der anderen Straßenseite das Musikhaus Ruckmich (heute: Blue Tomato, zeitweise befand sich hier auch der Sitz der BZ-Lokalredaktion Freiburg).

Die Familie Oberkirchs zog 1936 an den Münsterplatz um

Oberkirchs Weinstube erfreute sich bald wachsender Beliebtheit, und noch im Jahr der Fotoaufnahme 1936 übernahm die Familie Oberkirch einen noch prestigeträchtigeren Standort, "den Hummele am Münsterplatz" – benannt nach der Familie Hummel, die dieses Traditionsgasthaus seit 1834 bewirtschaftet hatte. Dort ist das Oberkirch noch heute angesiedelt, inzwischen um ein Hotel erweitert. Den Standort an der Bertoldstraße hingegen übernahm der Gastronom Ferdinand Sprich, der den Betrieb als Weinstube weiterführte. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Bertoldstraße zerstört, auch das Haus, das zu dem Zeitpunkt die Hausnummer 34 trug.

Das zweite historische Bild zeigt die wieder aufgebaute Bertoldstraße 1955. Vor "Sprichs Weinstuben", nach Änderungen der Grundstücke nun die Hausnummer 26, parken VW Käfer mit Brezel-Fenster und ein "Opel Blitz"-Omnibus mit Panoramascheiben.

Fahrzeuge verweisen auf die Wirtschaftswunderzeit

Doch wer denkt, hier wäre bei Sprichs eine Reisegruppe auf Kaffeefahrt eingekehrt, der irrt. "Radio Lauber" sorgte an der Stelle, an der vor dem Krieg noch Corsagen verkauft worden waren, für den Soundtrack zum Wirtschaftswunder. Die Firma betrieb dieses auffällige Gefährt als Werbeträger und um auf Sportveranstaltungen wie zum Beispiel dem Schauinslandrennen die Tonübertragung zu gewährleisten. Vorne rechts ist das Geschäftsschild der Bäckerei Distel zu sehen, und wiederum im Hintergrund der Neubau des Musikhauses Ruckmich. Auch die Straßenbahn fuhr wieder.

Ab 1963 folgte eine wilde Zeit, als sich das Gasthaus zu einem Szenetreffpunkt des Freiburger Nachtlebens unter dem Namen "Pferdestall" wandelte.

"Im Keller sammelte sich jenes Publikum, das Intimität schätzte." Bernd Winkler

Bernd Winkler, der heute das spanische Restaurant "Bar Denia" an der Lorettostraße im Stadtteil Wiehre betreibt, war ab Ende der 1970er Jahre Geschäftsführer im "Pferdestall".

In einem BZ-Interview vom Dezember 2016 erzählte er unter anderem: "1978 bot mir Michael Grünwald an, im ,Pferdestall’ Geschäftsführer zu werden. Ich war 24, ein junger Bursche, und schlug ein. Grünwald hielt im Nachtleben die Fäden in der Hand. Liiert war er mit Gina Wildkatze, Betreiberin der Playboy-Bar, Diva von Freiburg. (...) Nachtschwärmer und Gestalten aus der Halbwelt tummelten sich dort. (...) Rustikale Einrichtung. Dennoch mit Klingel und Türsteher. Das war Usus bei den Clubs der 70er. Getanzt wurde oben wie unten. Im Keller sammelte sich jenes Publikum, das Intimität schätzte. Da wurden auch Geschäfte gemacht, mitunter halblegale. (...) An manchen Abenden kamen die Huren im Taxi vorgefahren. Geld, zumal schnell verdientes, spielte keine Rolle. Die Damen bestellten Krimsekt für 1000 Mark. Sie wollten sich gegenseitig zeigen, wie gut es ihnen ging. Doch manchmal kippte die Stimmung, wenn sie es übertrieben und sich zu sehr provozierten".

Spätestens ab den 1980er Jahren ging es wieder gesitteter zu. Im "Lord Nelson" konnte zwar noch getanzt werden, "Mr. Pickwick" Anfang der 1990er Jahre und das "Aspekt" ab 1995 waren dann Speiselokale, die sich an jüngeres Publikum richteten. Seit dem Jahr 2017 heißen Gasthaus und Kneipe nun "Schwarzer Kater".

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