Der SC-Fankoordinator im Einsatz: Händeschütteln und Wortgefechte

Till Neumann

Seit Juli hat der SC Freiburg einen hauptberuflichen Fankoordinator: Michael Weber. Er soll die Fanbetreuung beim SC mit einem Vollzeitjob auf ein neues Level heben. Till hat ihn beim Heimspiel gegen Mainz begeleitet.



Hektik vor dem Spiel

90 Minuten vor Anpfiff der ersten Heimspiels der Saison, Freiburg gegen Mainz, wird es für Michael Weber hektisch. Ein paar Fans möchten einen Infostand im Eingangsbereich der Nordtribüne aufbauen. Ein Ordner verbietet ihnen aber, den Tisch ins Stadion zu bringen. „Komisch, dass der Ordner nicht Bescheid weiß“, sagt Weber. Schnell zückt der 40-jährige sein Smartphone, telefoniert mit einem Verantwortlichen. In Jeans, T-Shirt und Sneakers, läuft er dabei etwas unruhig durch die Fanmassen. Dann spricht er mit dem Ordner. „Ok. Problem gelöst“, verkündet er Minuten später den ungeduldigen Fans. Sie holen den Tisch, Weber weist ihnen ihren Platz zu.

Dass er die Lage schnell klären konnte, ist wichtig für Weber. Für den gelernten Industriekaufmann aus Ettenheim ist es schließlich das erste Bundesliga-Heimspiel als Fankoordinator. Doch Weber sieht das gelassen. „Ich war jahrelang ehrenamtlich Fanbetreuer bei den SC-Spielen. Die Fans kennen mich. Ich kenne sie. Wir wissen wie wir ticken.“ Der Hauptunterschied zu früher ist, dass Weber als Fankoordinator jetzt hauptberuflich in Vollzeit arbeitet. Der große, kräftige, dunkelhaarige Brillenträger ist somit Chef-Betreuer: Ansprechpartner für alle Fans des SC.

Schnittstelle zwischen Fans und Verein

Weber ist die Schnittstelle zwischen Fans und dem Verein. Eine Schnittstelle, die es vorher in der Form nicht gab. Früher erledigten er und seine Kollegen von der Freiburger Fangemeinschaft (FG) die Dinge ehrenamtlich. Doch seit diesem Sommer verlangt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) von allen Bundesliga-Vereinen, dass sie einen hauptberuflichen Fankoordinator einstellen. Andere große Vereine haben den Posten seit Jahren besetzt, teilweise sogar mehrfach.

Der SC nun erst seit Juli. War das nötig? „Ja“, sagt Weber. „Wer im Profifußball oben mitmischen möchte, sollte auch in der Fanbetreuung professionell aufgestellt sein.“ Er ist überzeugt, dass er mit seinem Engagement auch zum sportlichen Erfolg des SC beitragen kann. „Wenn der Fansupport bei den Spielen noch besser wird, wird auch die Mannschaft davon profitieren“, sagt Weber. Um das zu erreichen, möchte er sich 100% auf seinen Job konzentrieren. Seinen Posten im Vorstand der Fangemeinschaft hat er aufgegeben.



Unter der Woche beginnt der Arbeitstag von Michael Weber zwischen 8 und 9 Uhr. Beim Heimspiel am Samstag gegen Mainz um 9:30 Uhr. In seinem Büro über dem Fanhaus in der Nordkurve kümmert er sich um zahlreiche Anliegen. Dauerkarten verkaufen, Fanmails beantworten, Fanbetreuer der anderen Mannschaften treffen… Heute müssen insbesondere ein paar Ultras betreut werden. Sie planen zu Spielbeginn eine Choregraphie in der Nordkurve. Weber bespricht mit ihnen den Ablauf und sagt, worauf sie achten müssen. Sein Umgang mit ihnen ist freundlich aber bestimmt. Man merkt, dass er beim SC ein alter Hase ist. Die Fans kennen und respektieren ihn.

Wortgefecht wegen Fahne

Doch nicht alle Fans sind immer gut auf ihn zu sprechen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wird Weber in rauhem Ton angegangen. Ein Fan ist sauer. Er wirft dem Koordinator vor, sich nicht darum gekümmert zu haben, dass er mit einer Fahne rechtzeitig ins Stadion kommt. „Hier wird überhaupt nichts koordniniert“, schleudert er Weber an den Kopf. Dem schmeckt das überhaupt nicht. Für ein paar Minuten wird er richtig laut. „Ich hatte dem Fan schon letzte Woche gesagt, dass er nicht früher reinkommt. Manchmal müssen einfach Kompromisse gemacht werden“, sagt Weber später.



Den ganzen Tag pendelt Weber zwischen Büro, Fanhaus und Fankurve. Je näher das Spiel kommt, desto größer ist auch bei ihm die Spannung. Sein Handy ist im Dauereinsatz, seine Schritte sind schnell. Beim Gang durch die Nordtribüne klatschen ihm ein paar Fans freundschaftlich auf die Schulter oder geben Shakehands. Mit manchen gibt’s Smalltalk. Weber ist Koordinator, Organisator und Kommunikator.

Fan-Koordinator und Fan

Eine Stunde vor dem Spiel trifft Weber kurz den Fanbetreuer der Behinderten. Dann ist das wichtige Kurvengespräch. Dabei bespricht er mit den Fanbetreuern der Mainzer Mannschaft und Sicherheitskräften die Lage. Heute geht es entspannt zu. Im Vorfeld des Spiels ist alles ruhig. „Das Gespräch ist nicht immer so locker. Wenn zum Beispiel die Dortmunder mit tausenden Fans kommen und es im Vorfeld Unruhe gibt, kann es auch mal laut werden“, erklärt Weber.

Zehn Minuten nach Spielbeginn hat der Koordinator dann Zeit für das Spiel. Mit seinen Kollegen von der Fangemeinschaft (FG) des SC verfolgt er die Partie gegen die Mainzer von einem Plateau in der Nordkurve. Weber zeigt, dass er nicht nur für den SC arbeitet, sondern auch echter Fan ist. Die Leistungen der SC-Kicker kommentiert er energisch.



Mehr Fans zu Auswärtsspielen

Da während dem Spiel keine besonderen Vorkommnisse im Fanblock sind, kann er die 1:2 Niederlage bis zum Abpfiff verfolgen. Danach geht’s zurück ins Büro. Bis zum Feierabend um 19 Uhr sind es noch fast zwei Stunden. Bis dahin wird weiter koordiniert, organisiert und kommuniziert. Schon laufen die Planungen für das Auswärtsspiel in Bremen. In seinem Büro gilt das gleiche Motto wie auf dem Rasen: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Für die kommenden Monate hat sich Weber vor allem ein Ziel gesetzt. „Ich möchte mehr Fans für Auswärtsspiele mobilisieren. Bei Spielen wie in Wolfsburg oder Hannover ist zu wenig Fansupport.“ Dass das allein nicht auf einen Schlag zu schaffen ist, ist Weber klar. Da ist er genauso realistisch wie bei der Saison-Prognose. „Für einen einstelligen Tabellenplatz wird es nicht reichen. Den Abstieg werden wir aber verhindern.“ Weber wird sich reinhängen, um seinen Teil zum Klassenerhalt beizutragen. Ein sportlicher Abstieg wäre für ihn auch ein beruflicher.

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