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Der Ortenauer Rapper Cossu begeistert das Netz mit seinen badischen Sprüchen

Anika Maldacker

Er spricht breites Badisch – im traditionell afrikanischen Hemd: Der Rapper Cossu, alias Lukas Staier, aus Haslach im Kinzigtal. Mit seinen Mundart-Clips ist er auf Instagram und TikTok schlagartig bekannt geworden.

Seine Clips auf Badisch wandern gerade durch die südwestdeutsche Instagram-Bubble – und auch darüber hinaus: Cossu, alias Lukas Staier. Der 31-Jährige, der in Haslach im Kinzigtal aufwuchs, veröffentlicht seit Mitte Januar regelmäßig kurze, geschnittene Videoclips, in denen er den badischen Dialekt humorvoll veranschaulicht. Und zwar, in dem er Alltagssätze auf Englisch ins Badische – wie, man das Alemannische im Kinzigtal nennt – übersetzt. Seither explodiert seine Follower-Zahl. Anfang Januar folgten ihm nach eigenen Angaben rund 8000 Nutzerinnen und Nutzer. Am 17. Februar sind es schon 50.000. Auf TikTok sind es mehr als 25.000 Nutzer. "Es werden jeden Tag rund 2000 Follower mehr", sagt Staier, der den Hype auch nicht wirklich erklären kann. Ist er ein Botschafter für den badischen Dialekt in den sozialen Netzwerken? "So weit würde ich nicht gehen", sagt er.



Der Kinzigtäler, der derzeit in Stuttgart wohnt, ist kein Unbekannter in den Sozialen Medien. Unter seinem Künstlername Cossu rappt er, veröffentlichte zwei Mixtapes und mehrere Singles. Derzeit arbeitet er an neuen Stücken und schreibt Songs für andere Musiker. Er tourte fünf Jahre als Warm-Up mit Comedian Bülent Ceylan durch Deutschland, zuletzt tourte er mit dem Komiker Chris Tall durchs Land und lieferte die Live-Musik in seiner Show. Auch als Schauspieler hat er sich schon versucht, zuletzt in einer Nebenrolle im Film "Nightlife" mit Elyas M'Barek und Palina Rojinski. Nebenbei arbeitet der studierte Realschullehrer in Teilzeit als Lehrer in einer Schule in Stuttgart.

Seine Clips postet er hauptsächlich auf Instagram, aber auch auf TikTok und Facebook findet man ihn. Beispiel eines Badisch-Videos? Staier sagt in der ersten Szene auf englisch: "Im Schwarzwald sagen wir nicht: Hey Mädel, wo kommst du her?". Schnitt. "Wir sagen:" Staier in breitem Badisch und grimmig guckend: "Maidle, kumm a mol her. Wem ghärsch du?" Die Badner kennen es: Vielen wurde diese Frage in ihrer Kindheit von älteren Herrschaft gestellt. "Wem gehörst du?" steht für "Wer sind deine Eltern?" Inzwischen besteht ein Großteil von Staiers Alltag darin, Ideen für neue Videos zu sammeln – und jeden Tag ein neues Video hochzuladen. Dabei produziert er alle Clips in Eigenregie.



Der Einfall, den badischen Dialekt satirisch in den sozialen Medien darzustellen, kam ihm spontan. Typisch Lockdown-Langeweile. Staier probierte sich auf TikTok aus, wo kurze Videos hochgeladen werden. Er suchte ein Alleinstellungsmerkmal. Sprachen und Dialekte zu imitieren fiel ihm schon immer leicht. Er kam viel im Ländle rum, machte seinen Zivildienst in Freiburg, studierte in Heidelberg. Irgendwann fielen ihm die typischen Sätze aus dem Dorf ein. Viele seiner Videos starten nun so: "In the Black Forest we don’t say". Das kam gut an. "99 Prozent der Rückmeldungen sind positiv", sagt Staier. Und gibt es eine negative Rückmeldung, hat Cossu seine Strategie gefunden, damit umzugehen. Auf einen rassistischen Kommentator, der dem gebürtigen Ortenauer empfahl, dahin zurückzugehen, wo er herkommt, antwortet Staier gekonnt, dass er aus dem Schwarzwald komme – auf Badisch natürlich.



Afrikanisches Hemd und badischer Dialekt

Wobei viele seinen Dialekt nicht sofort einordnen können. "Manche tippen auf Elztal, andere auf das Rheintal", sagt Cossu, "aber ich rede so, wie ich es daheim gelernt habe." Daheim, im Kinzigtal, spricht der 31-Jährige nur den Dialekt, so wie seine ganze Familie. "Ich bin sehr heimatverbunden und spreche sehr gerne Badisch", sagt Staier. Was für manche wie ein Widerspruch erscheint – eine dunkle Hautfarbe und tiefstes Badisch –, ist für Cossu natürlich.

"Es war nicht mein Ziel, politisch zu sein", sagt Cossu. Aber er kennt es, dass Menschen ungläubig reagieren, wenn er sagt, dass er ursprünglich aus dem Schwarzwald komme. Seine Videoclips sind nicht frei von politischen Botschaften. Er stellt sich gegen Hasskommentare und spielt mit der Vermischung kultureller Merkmale. So trägt er, wenn er badisch schwätzt, meist ein buntes, traditionell afrikanisches Hemd. Damit will er bunte Vielfalt repräsentieren und zeigen, dass der erste optische Eindruck nicht immer zeigt, wo man herkommt oder was man kann. Als die Tötung von George Floyd die Welt schockierte, versetzte er sich in einem selbst geschriebenen Song in die letzten Minuten von Floyds Leben.



Geld verdient er mit seinen Clips nicht, er platziert dort auch keine Werbung. "Das müsste schon zu mir und zum Schwarzwald passen", sagt er. Er produziert die Videos bisher aus reinem Spaß – und um den Leuten im Lockdown ein Lächeln auf’s Gesicht zu zaubern.