Der Graffiti-Sarg: Fünf Antworten von Zoolo

Julian Schwizler

Bowlingbahnen, Parkhäuser, Trafohäuschen und Bauzäune: der Freiburger Graffiti-Künstler Zoolo hat schon viele Dinge mit seiner Kunst verschönert. In der vergangenen Woche hat er einen ausgefallenen Auftrag erhalten: Für ein Teninger Bestattungsunternehmen sollte er einen Sarg farblich gestalten. Wie Zoolo den Spagat zwischen Graffitti und Tod hinbekommen hat:



Zoolo, wie soll der Sarg aussehen, in dem Du einmal beerdigt wirst?

Das ist mir völlig egal. Wie mein Sarg aussehnen wird, das sollen dann meine Freunde oder Angehörigen entscheiden.

Der von Dir gestaltete Sarg ist vor allem grün und blau. Findest du, dass in die Trauer mehr Farbe hineingehört?

Ein bisschen Auflockerung täte dem Thema Trauer sicher nicht schlecht. Je nachdem was man glaubt ist es ja nicht so, dass nach dem Tod alles vorbei ist, es geht danach einfach weiter. Ich denke, dass sollte man irgendwie - und das klingt vielleicht seltsam - auch ein bisschen feiern. Da kann ruhig ein bisschen mehr Farbe rein, um dem Ganzen die Schwere zu nehmen. Der Tod gehört einfach zu unserem Leben dazu.

War die Arbeit an einem Sarg etwas Besonderes für dich?

Es war auf jeden Fall etwas Außergewöhnliches, so etwas habe ich zuvor noch nie gemacht. Spannend war die Frage, was ich genau mache, so dass es knallig ist und man merkt, dass es etwas mit Graffiti zu hat, aber gleichzeitig nicht pietätlos wird.

Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?

Ohne mich hier über den grünen Klee loben zu wollen: Ich bin sehr zufrieden. Zuvor habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht, was ich genau mit dem Sarg machen werde. Ich hatte ein paar Grundideen, die ich umsetzen wollte und habe dann einfach drauf losgelegt. Stück für Stück habe ich dann probiert, es knallig aber nicht zu extrem zu gestalten. Das Ergebnis ist zwar sehr auffällig, aber nicht störend. Es sind keine krassen Motive drauf . Auf den Seiten habe ich zum Beispiel „Rest in Peace“ und „Ruhe in Frieden“ graffitimäßig draufgeschrieben.

Hast du dich durch die Arbeit selber mit dem Tod beschäftigt oder war das ein Job wie jeder andere auch?

Ich habe mich auf jeden Fall damit beschäftigt. Das ist ein Sarg, man weiß genau, dass da mal irgendwann mal ein Toter drin liegen wird. Der ist eigentlich dazu gedacht, damit jemanden zu bestatten, deswegen macht man sich da indirekt schon Gedanken. Ich habe nur nicht die ganze Zeit gedacht, wie es wohl sein wird, wenn ich mal tot bin. Ab und an taucht das Thema natürlich mal im Kopf auf. Extrem habe ich mich aber nicht damit auseinandergesetzt. Krass war auf jeden Fall die Atmosphäre in der Bestattungsfirma. Die Särge haben dort an den Wänden gelehnt, die kann man sich dort aussuchen wie in einem Ikearegal.


Mehr dazu:

Der von Zoolo gestaltete Sarg kann am kommenden Sonntag, 20. November 2011 von 11-17 Uhr im Bestattungsinstitut Gebhardt in Teningen, Engelstraße 2a, 79331 Teningen, besichtigt werden.
  [Bilder: Zoolo]

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