Der Feuerwehrblogger

Dominik Schmidt

"Meine Währung bleibt Idealismus, denn Geld verdient man weder durchs Bloggen, noch bei der Freiwilligen Feuerwehr", sagt Stefan Cimander. Als freiwilliger Feuerwehrmann und Fachjournalist verbindet er beide Leidenschaften als Autor eines Feuerwehr-Blogs. Angefangen hat er bei der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg, Abteilung Tiengen, mittlerweile hat es ihn zur Freiwilligen Feuerwehr Konstanz verschlagen und auch das Blog ist mittlerweile zu einem Netzwerk für Feuerwehrleute herangewachsen.



Bloggen gilt als cool, die Freiwillige Feuerwehr irgendwie nicht so. Also eine sinnvolle Kombination?

Ich wüsste nicht, warum diese Kombination nicht sinnvoll sein sollte. So uncool ist die Tätigkeit als Feuerwehrmann nun nicht, dass ich mir das Bloggen als Ausgleich suchen musste. Feuerwehr bedeutet zwar viel Lehrgänge zu besuchen, viel frische Luft zu schnappen und ein wenig zu büffeln, es gibt auch sehr interessante Seiten, wie zum Beispiel die Atemschutzausbildung oder die Ausbildung in technischer Hilfe. Feuerwehr ist Teamarbeit und hat viel mit Technik zu tun.

Ist das Blog auch interessant für Nicht-Feuerwehrmänner oder nur für Spezialisten gedacht?

Das Feuerwehr Weblog (Anmerkung: jetzt fwnetz.de) ist nicht ausschließlich für Feuerwehrangehörige gedacht. Für Außenstehende ist es manchmal ein Buch mit sieben Siegeln, wenn von PSA, AGT und EST gesprochen wird, aber ich bin in meinen Beiträgen immer bemüht, diese Abkürzungen zumindest auszuschreiben und kurz zu erklären (Anmerkung: PSA: persönliche Schutzausrüstung, AGT: Atemschutzgeräteträger, EST: Einsatzstelle).

Im fwnetz.de haben wir ein sehr großes Spektrum an Lesern. Das reicht von feuerwehrinteressierten Laien, über Angehörige anderer Hilfsorganisationen, wie dem Technischen Hilfswerk oder den Rettungsdiensten, bis hin zu Behörden- und Direktionsvertretern. Die Bandbreite unserer Themen reicht deshalb von Einsatzberichten über Reportagen bis hin zu richtigen Fachdiskussionen.



Wie kommen deine Internet-Aktivitäten bei Kollegen an?

Ich bin jetzt mittlerweile in der dritten Freiwilligen Feuerwehr (Freiburg, Baden-Baden, Konstanz) und ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich über die Feuerwehr blogge. Die Resonanz ist aber bisher eher verhalten, denn die deutschen Feuerwehren sind alles andere als internetaffin; die Vorbehalte gegenüber diesem "neumodischen Schnickschnack" ist groß. Dieses Verhaftetsein an Althergebrachtem und Traditionen und Meinungen zeigt sich leider auch in Bezug auf neue Erkenntnisse im Bereich Brandbekämpfung und Hilfeleistung.

Aus Gesprächen weiß ich aber, dass meine Artikel zum Teil sehr gut ankamen - und das nicht nur beim gemeinen Feuerwehrangehörigen. Nicht verheimlichen will ich aber, dass ich auch schon oft gehörig Kritik von Kameraden und Lesern einstecken musste, entweder weil sich jemand auf den Schlips getreten fühlte, oder weil ich nicht kritisch genug berichtet hätte.

Berufs-Blogs werden immer beliebter. Wie erklärst du dir das?

Zum einen liegt das an der Unzufriedenheit mit den klassischen Medien, die immer weniger spezifisch und alle das gleiche berichten, und zum anderen ist die Authentizität bei Blogs größer. Ich schreibe über das, was mich interessiert, während in den klassischen Medien entscheiden andere Instanzen oder die Nachrichtenregeln darüber, was geschrieben wird. Dass die Informationen in den Blogs kostenlos sind, spielt sicherlich auch eine Rolle für die Popularität.

Der Erfolg des Feuerwehr Weblog war damit zu erklären, dass es eines der ersten Feuerwehr Blogs in Deutschland war und das inhaltliche Angebot stetig erweitert wurde. Hier spielt auch eine gewisse Unzufriedenheit mit den Fachmedien im Bereich Feuerwehr eine Rolle. Durch Blogs fühlen sich außerdem gerade junge Kameraden angesprochen, die eine größere Affinität zum Internet, als zu gedruckten und teuren Fachmagazinen haben.



Gibt es eine internationale Feuerwehrblog-Szene?

In den USA gibt es eine Reihe von Feuerwehr-Blogs. Inhaltlich beschäftigten sich die amerikanischen Blogs mit den gleichen Themen: Ausbildung, Taktik und Öffentlichkeitsarbeit. Ich überfliege einige davon zumindest in meinem RSS-Reader. Einen internationalen Überblick habe ich nicht, allein schon wegen der Sprachbarrieren. Das Feuerwehr Weblog versuchte Ende 2006 so etwas wie einen internationalen "Fire-Blog" zu initiieren, aber das Projekt verlief leider im Sand. Im deutschsprachigen Raum war das Feuerwehr Weblog bisher das größte. Es gibt hier inzwischen aber eine Menge Feuerwehr-Blogs, die dem "Feuerwehr Weblog" nacheifern.

Das Feuerwehr Weblog ist jetzt Fwnetz.de, ein Social-Network. Warum?

Das fwnetz.de ist der Nachfolger des Feuerwehr Weblog und fasst alle bisherigen Aktivitäten auf einer Plattform zusammen und gliedert diese stringent: FWeblog, Magazin, Ausbildung, Blogs und Foren. Die Plattform ist als Social Network konzipiert, so können sich Gleichgesinnte besser austauschen. Im Prinzip kommen wir mit dem fwnetz den Wünschen der Leser nach, die Vorschläge in diese Richtung geäußert hatten.

Durch die Möglichkeit der Vernetzung sollen die Diskussionen auch weniger anonym werden und die Feuerwehrleute sollen sich kennen und voneinander lernen. Der Bereich Ausbildung umfasst die so genannten FireCamps. Dort werden sowohl Vorträge und Seminare als auch praktische Trainings, wie ein Tagestraining THL VU oder taktische Ventilation angeboten. Im FwnetzBlogger hat jedes Mitglied sein eigenes Blog und kann dort über sich und seine Feuerwehr schreiben. Nicht zu verwechseln ist das mit FWeblog, das Teile des alten Feuerwehr Weblog weiterführt. Das Forum wurde in seiner bisherigen Form abgeschafft und durch Gruppenforen ersetzt. Jeder kann nun eine eigene Diskussionsgruppe zu einem bestimmten Thema oder für eine bestimmte Region gründen, zum Beispiel "Feuerwehren in und um Freiburg". Die Gruppe freut sich immer über neue Mitglieder.

Was viele Leser des Feuerwehr Weblog etwas bitter zur Kenntnis genommen haben ist, dass das fwnetz nicht komplett kostenlos ist, wie einst das Feuerwehr Weblog. Plus-Mitglieder haben exklusiven Zugang zu unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten und können die Reportagen im Magazinbereich lesen. Kostenlos sind nur das FWeblog, die Gruppenforen und die Blogs. Mit der Weiterentwicklung des Feuerwehr Weblog hatte ich leider nichts zu tun. Das Projekt wurde von Irakli West aus München initiiert, finanziert und vorangetrieben. Da ich vergangenes Jahr beruflich ausgelastet war konnte mich aufgrund von Zeitmangel auch nicht einbringen. Ich kümmere mich, wie schon im Feuerwehr Weblog, fast ausschließlich um den Content, auch wenn ich inzwischen nur noch Gelegenheitsautor bin.



Angenommen ich finde Dein Blog und die riesigen Feuerwehr-LKWs faszinierend. Soll ich jetzt zur Freiwilligen Feuerwehr gehen?

Ja, sofort! Die Freiwillige Feuerwehr sucht immer neue Helferinnen und Helfer. Am besten meldest Du Dich gleich bei Deiner örtlichen Feuerwehr und fragst, wann der nächste Übungsdienst ist. Mitmachen kann fast jeder, sofern er die Feuerwehrdiensttauglichkeit besitzt. Neben den körperlichen Voraussetzungen muss man natürlich auch Interesse und Teamgeist mitbringen. Feuerwehr ist eine Mannschaftssportart, Einzelkämpfer sind hier Fehl am Platz. Und, nur weil es eine Berufsfeuerwehr (BF) gibt, heißt das nicht, dass man keine Freiwillige Feuerwehr (FF) braucht - ganz im Gegenteil. Die FF ist so was wie das Backup der BF.

Nur eines sollte Mann und Frau wissen: Freiwillige Feuerwehr ist ein Ehrenamt, dafür gibt es kein Geld, und auch das aus den USA kolportierte Hero-Image ist bei der FF mehr als fehl am Platz. Aber du darfst meine Sachen auch lesen, wenn Du nicht zur Feuerwehr gehst.

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Personalien: Stefan Cimander

Ich war von 1992 bis 1997 in der Jugendfeuerwehr Freiburg-Tiengen. 1998 bin ich in die aktive Abteilung gekommen. Zwischen 1999 und 2002 besuchte ich dann den Grundlehrgang und einen Atemschutzlehrgang. Abgeschlossen wurde die Ausbildung zum Feuerwehrmann dann mit einem Truppführer- und Sprechfunkerlehrgang. Zwischendurch habe ich auch eine Fortbildung für die Öffentlichkeitsarbeit in der Feuerwehr besucht.

Ab 2002 fand die Ausbildung im Bereich patientengerechtes Retten bei Verkehrsunfällen statt. 2006 bin ich nach meinem beruflich bedingten Umzug, in die Feuerwehr Baden-Baden, Abt. Stadtmitte eingetreten. Dort wurde ich dann unter anderem auch mit Höhensicherung, Gefahrgut und Strahlenschutz sowie Retten über die Drehleiter konfrontiert. Da ich Ende 2007 nach Konstanz gezogen bin, bin in der Baden-Badener Feuerwehr nicht mehr tätig. Seit kurzem bin ich nun auch im 1. Zug der Feuerwehr Konstanz.

Zum Feuerwehr Weblog, dass im Februar 2005 von Irakli West aus München gegründet wurde, stieß ich im September des gleichen Jahres. Beruflich war ich zu diesem Zeitpunkt in München tätig. Dabei ergab sich der Kontakt zu Irakli.

Von Beruf bin ich Dokumentationsredakteur oder neudeutsch "information specialist". Nach meinem Studium der Geschichte und Politik in Freiburg, verschlug es mich zunächst in die Online-Redaktion von Antenne Bayern, danach zum Südwestrundfunk in Baden-Baden. Momentan suche ich jedoch eine neue Arbeitsstelle, denn das fwnetz hat mit der Feuerwehr eines gemein: Ich verdiene damit kein Geld.

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