Öffentlicher Nahverkehr

Der Corona-Takt der VAG sorgt in Freiburg für Kritik

Fabian Vögtle

Fahrgäste verweisen auf Probleme im Sonderfahrplan für Stadtbahnlinien: Einige seien zu voll, sodass der nötige Abstand nicht eingehalten werden könne. Die VAG will flexibel reagieren und Sonderzüge einsetzen.

Einige Stadtbahnen fahren derzeit beinahe leer durch Freiburg, andere sind hingegen zu Stoßzeiten proppenvoll. "Es war nicht mehr möglich, den empfohlenen Abstand einzuhalten", berichtet zum Beispiel Lena Duffner. Die 33-Jährige sitzt im Rollstuhl und gehört zur Risikogruppe. Seit der Einführung des Sonderfahrplans der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) am 23. März mit der Taktreduzierung auf alle 15 beziehungsweise 30 Minuten in Folge der Corona-Pandemie und der Ausgangsbeschränkungen ist sie kaum noch gefahren.


Ihr Physiotherapeut kommt jetzt zu ihr nach Hause. Die Umstellung des Taktes sei vielleicht doch ein zu großer Schritt gewesen, sagt sie. Das finden auch andere VAG-Kunden. Vor allem die Stadtbahnlinien 1, 3 und 5 seien zu bestimmten Zeiten viel zu voll, berichten BZ-Leserinnen und Leser am Telefon und auf Facebook. Der Tenor: Es herrsche immer wieder dichtes Gedränge, der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Meter werde nicht eingehalten. Die Linie 1 zwischen Landwasser und Innenstadt sei gegen 6 Uhr und 16 Uhr meist gefüllt, berichtet etwa eine Frau, die täglich auf der Strecke fährt. Sie fordert einen dichteren Takt im Sinne der Beschäftigten. Der momentane Zustand erhöhe das Risiko der Ansteckung, betont eine andere Kundin.
Sonderfahrplan

Seit dem 23./26. März gilt der Sonderfahrplan. Demnach fahren die Straßenbahnen an Wochentagen von 5 Uhr bis 23 Uhr. Zwischen 7 Uhr und 21 Uhr verkehren die Fahrzeuge im 15-Minuten-Takt, von 5 Uhr bis 7 Uhr und von 21 Uhr bis 23 Uhr im 30-Minuten-Takt. Der letzte Vollanschluss am Bertoldsbrunnen ist um 22.30 Uhr. Zudem gibt es seit dem 1. April den kostenlosen Abholservice für die Klinik-Mitarbeiter. Mehr Infos zum Sonderfahrplan gibt’s unter www.vag-freiburg.de.

"Unser Sonderfahrplan hat sich unserer Ansicht nach bisher gut bewährt", sagt hingegen VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt. Man sammle die Erfahrungen und Rückmeldungen der Kunden und reagiere sehr flexibel. "Wenn der Bedarf da ist, fahren wir auch öfter", sagt Hildebrandt. Das sei aber nicht ganz kalkulierbar. Mitarbeiter beobachteten an einigen Standorten im VAG-Netz jedoch, wie viele Fahrgäste zeitgleich in einer Bahn seien. Gehe die Belegungszahl deutlich über 50, forderten sie rasch Sonderzüge an. Diese stünden entlang der Strecke bereit, etwa an der Mösle-Schleife oder an der Bissierstraße, erklärt Hildebrandt. Denn neben einem ausreichenden Verkehrsangebot gehe es auch darum, dafür zu sorgen, dass die Fahrgäste den gebotenen Abstand einhalten können.

Dort, wo zu Pendlerzeiten morgens weiterhin viel los ist, habe man deshalb mittlerweile bereits für Verstärkung gesorgt. Das bedeute, dass man nicht immer und überall eine halbe Stunde gemäß dem Sonderfahrplan warten müsse. Die Fahrgastzahlen seien bisher um circa 75 Prozent zurückgegangen, so Hildebrandt.

In der vergangenen Woche habe es jedoch wieder leichte Zuwächse gegeben. Wenn sich dieser Trend fortsetze, so Hildebrandt, werde der Sonderfahrplan nach den Osterferien angepasst und das Angebot wieder ein Stück erhöht. Das hänge aber auch davon ab, ob die Schulen wieder geöffnet seien.

Der Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) plant derweil die Erstattung von Schülerabonnements. Für die Regiokarte für Schüler werde aktuell an einer kulanten Lösung für die im April nicht genutzten Abos gearbeitet, teilte der RVF am Freitag mit. Geplant ist, auf den Monatsbetrag für den Mai zu verzichten, wenn das Abo nicht gekündigt wird.

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