Universität

Der Aka-Filmclub nimmt seinen Betrieb wieder auf

Johannes Breuninger

Cinephile Studis aufgepasst: Die günstigste Möglichkeit in Freiburg Filme auf großer Leinwand zu schauen, ist zurück. Nach eineinhalb Jahren Pause nimmt der Aka-Filmclub seinen Kinobetrieb wieder auf. Über die Rückkehr einer studentischen Institution.

Zu einem Tag an der Universität Freiburg gehört eigentlich das folgende Bild: Es ist 19.45 Uhr und vor dem Großen Hörsaal der Biologie steht eine mal längere, mal kürzere Schlange von Studierenden mit Snacks, Pizzakartons und mitgebrachten Bieren in der Hand. Sie erwarten den Film, dem der akademische Filmclub e.V. an der Albert-Ludwigs-Universität - kurz der Aka – sein Kinoprogramm an diesem Abend widmet. Der Aka bietet Aktuelles wie Klassiker der Filmkunst auf harten Universitätsbänken für (unschlagbare) 1,50 Euro pro Film. Und in der Tat ist der Begriff Kinoprogramm treffend. Den ehrenamtlich engagierten Vereinsmitgliedern gelingt es seit der Gründung 1957 durchgängig mehrmals wöchentlich während des Semesters Filme auf großer Leinwand zu zeigen.

Über all die Zeit stand dem geneigten Freiburger Studi die Freiheit offen, sein eigenes Kinoprogramm zu machen. Bis zum letzten Frühjahr als natürlich auch der Aka gezwungen war, sein Angebot einzustellen. Das schon durchgeplante Sommersemester 2020 fiel coronabedingt ins Wasser. Und anders als die anderen Kinos der Stadt konnte der Aka nicht vom entspannten Sommer 2020 profitieren. Als universitäres Kulturprogramm befand sich der Verein in einer ungünstigen Nische: Solange die Uni selbst keine Lehre in Präsenz anbieten konnte, war an Nebenveranstaltungen nicht zu denken. "5 Zimmer Küche Sarg" vom Februar 2020 blieb der letzte Film im Hörsaal bis heute.

Doppelte Veränderung

Der Programmstopp kam für den Aka kurz nach einer Zeit des zweifachen Umbruchs. Zum einen war der Verein gezwungen, seinen angestammten Kinosaal, den Hörsaal 2006 im KG II wegen der Renovierung des Gebäudes zu verlassen. Die gesamte Technik, wie die Kinoprojektoren und das Soundsystem, aber auch die Stammbesucher mussten in die Biologie geschafft werden. Der Studierendenrat (Stura) half dabei, diesen Kraftakt zu finanzieren und steuerte 2500 Euro bei.

Daneben zog der Verein von seinem Büro in der Rheinstraße in die Belfortstraße. Auch das war ein erhebliches Unterfangen, denn wie es sich für einen jahrzehntealten Filmclub gehört, waren neben Blue-Rays und DVDs auch hunderte VHS im Fundus, die jetzt wieder eine Wand im neuen Büro schmücken. Der Umzug förderte aber auch abenteuerliches zu Tage, wie Zeitungsausschnitte über Filme aus dem 70ern, die als Vorbereitung für eine Reise auf die Berlinale dienten. Aber nicht nur analog, sondern auch digital ist beim Aka einiges im Wandel – zum neuen Semester bekam der Verein eine neue Website, die von einem weggezogenen Mitglied ehrenamtlich gebaut wurde. Auch das zeigt, dass der Verein noch vielen Menschen am Herzen liegt.

Der Restart

Als "ultravorfreudig" beschreibt sich die Vorständin Katrin Baumgärtner angesichts der Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Das grüne Licht von der Uni, unter Beachtung der 3G-Regeln zu veranstalten, kam erst im September. Viel weniger Zeit als üblich also, ein Programm auf die Beine zu stellen. Der basisdemokratische Prozess, der eigentlich über die Filme entscheidet, wurde abgekürzt. Fast bedauernd sagt Katrin, dass es vor allem Erfolgsfilme seien, die gezeigt würden. Denn das Herz des Aka-Filmclubs sind eigentlich die sogenannten Reihen, also vier miteinander verknüpfte Filme, die einer Regisseurin, einem Schauspieler oder einem Thema gewidmet sind. Um diese aber zu erarbeiten, fehlte schlicht die Zeit. Damit bleibt dem Verein die Vorfreude auf ein hoffentlich vollends reguläres Sommersemester 2022.

Dennoch erkennt man den Geist des Filmclubs auch beim Blick auf das aktuelle Programm. Zwar beginnt das Semester am Dienstag immerhin mit dem diesjährigen Oscar-Gewinner "Nomadland" und auch der letztjährige Gewinner "Parasite" hat es am 3. November ins Programm geschafft. Aber auch im "erfolgsfilmorientieren" Programm gibt es Ausreißer wie "One Cut of the Dead", den Katrin als "Meta-Meta-Meta-Zombiefilm" beschreibt. Natürlich zu sehen im japanischen Originalton mit Untertiteln.

Der Aka – eine kulturelle Plattform

Es gilt auch noch mit einem häufigen Missverständnis aufzuräumen – der Aka heißt zwar akademisch, richtet sich aber an alle Interessierten, sowohl für die Zuschauer, als auch für die Mitglieder. Trotz des vollwertigen Programms gibt es einige Besonderheiten. Vor allem läuft jeder Film nur einmal. Eine vertane Chance kommt dann nicht so schnell wieder. Zugleich ist der Aka auch eine kulturelle Plattform. Seine Vorführmöglichkeiten teilt er bereitwillig, wie die vielen Kooperationen zeigen, die auch dieses Semester anlaufen. Jeder kann sich mit einer Filmidee an den Verein wenden, um auf sein gesellschaftliches Anliegen ein kinematographisches Augenmerk zu legen.

Aber auch der Aka ringt mit den Problemen der Vereine in der sich öffnenden Gesellschaft. Nachwuchs-Kräfte sind gesucht und gern gesehen. Dabei befindet man sich in einer schwierigen Lage. Eineinhalb Jahre existierte der Verein nur intern. Das ist eine lange Zeit, besonders bei Studis rund ein halber Bachelor. Den Aka kann man daher am Mittwoch kennenlernen. Dann findet im Grether-Innenhof ab 19 Uhr bei Glühwein die Semestereröffnung des Vereins statt und man kann sich beispielsweise das Büro zeigen lassen oder bei einem Film-Quiz Freikarten gewinnen.

Es ist viel angerichtet, dass eine der ältesten Institutionen der Freiburger Uni wieder wirken kann. Und so teilen die Mitglieder mit diesem Semester die Hoffnung vieler Kulturschaffender nach der langen Zwangspause, dass ihre Kulturplattform wieder auflebt. Und so gilt es bei möglichst vielen Menschen die Einsicht hervorzurufen: "Den Aka? Ach ja, den gibt’s noch! Lass’ mal wieder hingehen, wie früher, mit Pizza und Bier!"