Demonstranten randalieren in Freiburger Innenstadt

Christoph Ries, Dominic Rock & Janos Ruf

Nach einer weitgehend friedlichen Demonstration durch die Freiburger Innenstadt kam es am Ende doch noch zu Gewaltsszenen. Randalierer richteten in der Bertoldstraße Schäden an, ein Polizeihubschrauber kreiste über Freiburg. Szenen eines Abends, der ruhig begann und mit Scherben endete.

Die Antifa Freiburg hatte zu einer unangemeldeten Demonstration am Samstagabend in der Freiburger Innenstadt aufgerufen, an der sich bis zu 500 Menschen beteiligten. Der Titel: "Kapitalismus überwinden, die falsche Freiheit auf der Strecke lassen". Der Zug setzte sich gegen 17.30 Uhr am Schwabentor in Gang, verlief nach einer Kundgebung am Bertoldsbrunnen weiter in Richtung Basler Straße. Unter den mehrheitlich schwarz gekleideten Demonstranten befanden sich auch einige Vermummte.

Demonstranten applaudieren für die Polizei

Die Polizei verzichtete auf ein Spalier und verhandelte mit den Demonstranten, als im vorderen Teil Leute mit Schlagstöcken gesichtet wurde. "Es ist das erste Mal seit Jahren, dass wir in Freiburg ohne Spalier laufen können", dröhnte es aus einem Lautsprecher der Demonstranten, als der Zug am Bertoldsbrunnen Station machte. Applaus von den Demonstranten für die Polizei. Kurz vor dem Ende sprach Einsatzleiter Harry Hochuli von einer "sehr guten Kooperation". Und trotzdem gab es am Abend noch Randale.

Wie die Badische Zeitung berichtet hatte sich der Protestzug nach Polizeiangaben an der Wilhelmstraße / Adlerstraße aufgelöst, ehe ein Teil der Demonstranten gegen 19.30 Uhr in Richtung Werthmannstraße stürmte. Ob es einen Auslöser dafür gab, ist bislang nicht bekannt. Die Schätzungen von Augenzeugen über die Anzahl der Randalierer gehen dabei weit auseinander, von 50 bis zu 200 war die Rede. Nach Angaben von Augenzeugen seien die schwarz gekleideten Randalierer teilweise mit Steinen in der Hand bewaffnet gewesen.



Bei ihrem Zug in Richtung Rotteckring hätten sie, so Augenzeugen, die Absperrung für die Freiburger Laufnacht überschritten, seien jedoch von der Polizei aufgehalten und auf die Bertoldstraße in Richtung Hauptbahnhof abgedrängt worden. Im Bereich zwischen Stadttheater und Stadtbahnbrücke kam es schließlich zur Randale.

"Es war wie eine Welle"

Die Bilanz: Zerstörte Fensterscheiben am Eingang des Regierungspräsidiums, an einer Bankfiliale und an einem Autohaus in der Wilhelmstraße. Dazu ein kaputtes Polizeischild in der Bertoldsstraße, sowie zerbrochene Steinplatten und ein defekter Sonnenschirm am Außenbereich einer Pizzeria. Ein Ladenbesitzer beschrieb die Szenerie so: "Es war wie eine Welle. Die Leute kamen, haben fünf Minuten lang Sachen kaputt gemacht und wurden von der Polizei verjagt." Gäste, die gerade am Außenbereich aßen, seien aufgeschreckt weggelaufen.

Außerdem sei ein Polizeiauto von einem Farbbeutel getroffen worden, teilte die Polizei mit. Sie nahm zwei Personen vorübergehend fest. Dem einen wird ein versammlungsrechtlicher Verstoß (Vermummungsverbot) vorgeworfen, dem anderen ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.



Die Polizei vergrößerte ihr Aufgebot nach den Ereignissen in der Bertoldstraße, über der Innenstadt kreiste von 19.40 Uhr an etwa eine Stunde lang ein Polizeihubschrauber. An der Ecke Belfortstraße / Wilhelmstraße standen sich beide Seiten gegenüber, inzwischen jedoch wieder friedlich. Zu Auseinandersetzungen ist es nicht gekommen. Die Polizeikräfte, mit Einsatzanzügen ausgestattet, beobachteten die verbliebenen Demonstranten. Der Bereich war für den Verkehr abgesperrt worden.

Nach Polizeiangaben hatte sich die Lage am späten Abend wieder beruhigt. Nach ersten Schätzungen sei durch die Randale ein Schaden im vierstelligen Bereich verursacht worden ist.



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