Eröffnung

"Delphi" in der Beurbarung ist ein Ort für künstlerischen Austausch und Begegnungen

Gina Kutkat

Es ist ein Raum. Ein Konzept. Ein Kulturzentrum: In der Freiburger Beurbarung haben vier junge Freiburgerinnen und Freiburger "Delphi" eröffnet. Ein Ort, an dem Kunst und Kultur stattfinden soll – und zu dem jeder beitragen darf.

Eine ältere Dame mit weißem Haar und grauen Täschchen steht vor dem Eingang des neu eröffneten Raums in der Emmendinger Straße 21. Sie möchte den neuen Nachbarn kurz "Hallo" sagen und mit der Reinigung der Treppenstufen helfen. "Ich kann ihnen da ein kleines Mittelchen vorbeibringen." Diese Szene beschreibt wahrscheinlich am besten, wofür das Delphi – das neu eröffnete Freiburger Zentrum für Kommunikation, Kultur und Information – steht.


"Delphi ist ein interdisziplinärer Ort, der Künstler, Nachbarn und Menschen aus Freiburg zusammenbringen möchte", sagt Lou von der Heyde. "Jeder kann sich hier einbringen und Ideen einspeisen." Die 21-jährige Studentin gehört zusammen mit Max Siebenhaar, 32, Daniel Vollmer, 28, und Mila Koplin, 26, zum Delphi-Gründungsteam. Vom Putzmittel bis zum Polaroid-Foto: Delphi möchte Begegnungen mit Menschen fördern und eine Plattform für künstlerischen Austausch sein.

Jeder, der etwas beitragen möchte, kann das tun

So gibt es monatlich eine Ausstellung, für die man sich durch einen "Open Call" bewerben kann. Außerdem finden wöchentliche Lesungen, Filmvorführungen, offene Treffen, Schreibwerkstätten, Vorträge und sonntägliche Gesprächsnachmittage statt. Jeder, der etwas beitragen möchte, kann das tun – in Form von Kunst, Fotografie, Literatur oder Musik. Einzige Bedingung: Es darf nicht kommerziell sein. Aber: Künstler können ihre Werke dort auch verkaufen und Interessierte sie kaufen. Das Delphi-Team legt großen Wert auf die soziale und gemeinnützige Komponente. "Unser Raum ist wie eine lebendige Galerie, von Künstlerinnen und Künstlern gemacht", sagt Max Siebenhaar. Komplett definieren möchte er das Delphi-Konzept allerdings nicht: "Das würde uns den Spielraum verbauen."

Seit November 2019 mietet das Quartett den Raum in der Freiburger Beurbarung, etwa 100 Meter vom Goldenen Sternen, Tennenbacher Platz und Hauptfriedhof entfernt. Die Miete für den Raum stemmen die Vier aus eigener Tasche. In Zukunft wollen sie jedoch einen Verein gründen und sich über Stiftungsgelder finanzieren. Zuletzt verkaufte ein Teppichhändler hier seine Waren, früher war eine Metzgerei ansässig. "Den alten Kühlraum möchten wir für Installationen nutzen", sagt von der Heyde. Im großen Hauptraum zieren Kunstwerke die Wände, die meisten davon stammen von Max Siebenhaar. Der gebürtige Freiburger studierte an der Berliner Akademie der Künste; er arbeitet als Bildhauer und Bildender Künstler. Lou von der Heyde absolvierte die Akademie der Bildenden Künste in München, bevor sie vor einem Jahr nach Freiburg zog. Hier studiert sie Liberal Arts and Sciences.

"Unser Raum ist wie eine lebendige Galerie, von Künstlerinnen und Künstlern gemacht." Max Siebenhaar
Delphi ist nach der Stadt im antiken Griechenland benannt, die bekannt für ihr Orakel ist. Das Freiburger Delphi will eher Brücke als Orakel sein: "Der Raum ist wie eine Sinnbild dafür; hier kann man sich gegenseitig unterstützen", sagt Siebenhaar. Seit der Schließung der Außenstelle der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe hätte solch ein Raum in Freiburg gefehlt. "Wir haben gemerkt, wie die Leute nach so etwas dursten", sagt von der Heyde. "Jeden Tag kommen mehrere Leute vorbei und wollen mitmachen."

Jeder Monat soll im Delphi unter einem anderen Thema stehen. Aktuell geht es um die Beschäftigung mit der Zeit. Am Donnerstag, 19. Dezember, wird die Vernissage zur ersten Ausstellung stattfinden. Dazu hat das Delphi-Team sieben Künstlerinnen und sieben Künstler aus verschiedenen Ländern eingeladen. Die Ausstellung ist dann eine Woche bis zum 27. Dezember zu sehen.

Reguläre Öffnungszeiten Delphi:

Dienstag, 18 bis 20 Uhr, Donnerstag, 18 bis 20 Uhr, Sonntag, 14 bis 16 Uhr
  • Was: Vernissage & Ausstellung
  • Wann: Donnerstag, 19. Dezember, 18 Uhr, Ausstellung vom 20. bis 27. Dezember jeweils 12 bis 18 Uhr, 24. Dezember 10 bis 12 Uhr
  • Wo: Delphi, Emmendinger Straße 21
  • Eintritt: frei

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