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David Kienzler vom Biosk: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Elena Fritsch

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 23: Biosk-Betreiber David Kienzler, 36.

David Kienzler, 36, ist Betreiber des Biosk an der Schwarzwaldstraße 80a. Übernommen hat er das seit elf Jahren existierende Café im Jahr 2019.

David, wie geht’s dir ?

Sehr gut, danke. Wir haben endlich Winterferien. In den letzten Monaten war viel los. Dadurch, dass wir normalerweise sieben Tage die Woche geöffnet haben, ist immer was zu tun und wir sind ziemlich beschäftigt. Aber hey, ich arbeite und lebe in Freiburg, da kann’s einem ja nur gut gehen.

Wie hast Du die letzten Monate verbracht?

Arbeitend. Dadurch, dass wir in der Corona-Zeit unser gesamtes Geschäft auf To-go-Betrieb umgestellt hatten, haben wir sehr viel gearbeitet. Es war stets gut besucht. Klar gab es auch Einschränkungen, da niemand an den Tischen sitzen oder stehen durfte, aber unser großer Vorteil ist ja der schöne Park hier – Bouleplatz, Tischtennisplatten, Redwoods – alles Mögliche wurde als Sitzmöglichkeit genutzt und dies war auch erlaubt, da dieser Teil des Parks ja offiziell zu unserem Café gehört. Dass die Leute dahin ausweichen konnten und auch der Mindestabstand gut einzuhalten war, das war unser großes Glück. Überall im Park verteilt sah man Zweiergrüppchen.

"Ehrlich gesagt waren die zwei Wochen vor dem ersten Lockdown die schlimmste Zeit."

Hat sich dadurch gefühlt etwas vom Flair verändert?

Am Anfang war es schon etwas ungewohnt, da wir normalerweise einen sehr engen Kontakt zu unseren Kunden pflegen und sehr viel Stammkundschaft haben – frei nach dem Motto: Man kennt sich. Das ging dann erstmal nicht mehr, wir konnten uns nicht mehr zu den Menschen setzen, wie wir es früher alle so gern getan haben. Viele der Kunden kommen hier her, weil sie den Ort gerade wegen der freundschaftlichen Atmosphäre schätzen. Da hatte ich dann schon erstmal Angst, was wohl passieren würde, wenn dieser Teil wegfällt, was dann bleibt und ob die Leute dann nicht mehr kämen.

Allerdings haben sich diese Sorgen nicht bestätigt – so gut wie alle Stammkunden sind uns über die ganze Zeit hinweg treu geblieben, weil sie uns durch diese besondere Herausforderung hindurch unterstützen wollten. Dafür sind wir unglaublich dankbar. Wie die gesamte Gastronomie waren und sind wir natürlich auf diesen Support angewiesen.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Überblick: Alle bisherigen Folgen

Wie seid ihr 2020 mit der Krise umgegangen?

Ehrlich gesagt waren die zwei Wochen vor dem ersten Lockdown die schlimmste Zeit. Es war sehr merkwürdig, weil alles unsicher und unklar war und niemand so richtig wusste, wie wir mit der Situation umgehen können und müssen. Wir hingen irgendwie in der Luft. Tatsächlich war ich dann richtig dankbar für diesen Lockdown, weil endlich Klarheit da war. Obwohl wir nach Rücksprache mit der Stadt eigentlich hätten geöffnet bleiben dürfen, haben wir uns dazu entschlossen, die ersten zwei Wochen des Lockdowns zu schließen, einfach aus Gründen der Selbstverantwortlichkeit. Ich wollte sehen, wie sich das Ganze entwickelt, um dann auch entsprechend der Vorgaben wieder den Betrieb aufnehmen zu können. Für mich persönlich war klar, dass wir uns an alle Auflagen halten würden.



Wie hast Du persönlich die Krise erlebt?

Am Anfang war es eine Mischung aus Verwunderung und Angst, dass es tatsächlich etwas gibt, das sich so schnell und unsichtbar ausbreiten kann. Je länger das Ganze dann aber gedauert hat, desto bewusster bin ich damit umgegangen, habe mich an den Abstand und die Maske gewöhnt. Der positive Effekt all dessen war für mich, dass die Leute dazu angehalten wurden, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen. Sowohl privat als auch beruflich habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen wieder mehr umeinander kümmern, sich unterstützen. Man hat sich geholfen, aufeinander aufgepasst, sich um Kranke und Alte gekümmert. Das hatte neben all der Tragik einfach auch eine schöne, menschliche Seite.

Meine Hoffnung ist jetzt, dass einige dieser Dinge anhalten. Oftmals sind die Menschen anfangs sehr motiviert, etwas zu verändern und zu helfen, aber je länger eine Situation anhält, desto mehr lassen sie das alles wieder schleifen, werden abgestumpfter, Dinge werden wieder als gegeben und selbstverständlich betrachtet, man vergisst.

Ich hab das Gefühl, dass die Dankbarkeit nachlässt. Beispielsweise haben die Menschen ja am Anfang der Krise abends für die Menschen, die in den medizinischen und sozialen Berufen arbeiten, auf den Balkonen applaudiert, um Solidarität zu zeigen, das hört man kein Bisschen mehr. Und das, obwohl die Krise ja noch lange nicht vorbei ist.

Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf den Betrieb des Café Biosk?

Dadurch, dass wir unter Auflagen weiter geöffnet bleiben durften, hat sich, auch Dank der Mithilfe unserer Kunden, grundsätzlich nicht viel verändert. Wir haben glücklicherweise nicht so darunter gelitten wie viele andere. Dafür bin ich unfassbar dankbar.

Wie verliefen die Gespräche hinter den Kulissen innerhalb des Teams ?

Ich habe geschaut, dass ich, sobald ich Informationen hatte, meinem Team sofort mitgeteilt habe, was möglicherweise auf uns zukommen kann, dass wir eventuell schließen müssen, nur mit weniger Personal arbeiten können. Mir war wichtig, dass jeder über alle Eventualitäten im Bilde war.

Was hast Du in der Zeit der Pandemie gelernt?

Nichts als selbstverständlich zu nehmen, sondern dafür dankbar zu sein, was ich habe. Dankbarkeit für unsere unfassbar tolle Stammkundschaft, die dafür gesorgt hat, dass wir ohne Schäden aus dieser Krise hervorgehen.
Instagram: @bioskcafe
Website: biosk.eu

Wie geht’s für dich jetzt weiter?

Jetzt haben wir bis Ende Januar erstmal Winterferien. Danach geht’s weiter. Vorerst mit unserem normalen Betrieb mit den vorgegebenen Auflagen. Wir werden weiterhin darauf achten, dass wir all das, was von Seiten der Behörden vorgegeben ist, auch weiterhin exakt umsetzen. Wir wollen versuchen, dass wir weitermachen und außerdem auch unsere Partner in der Gastronomie unterstützen können.

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