Theater Freiburg

Das Stück "How To Date a Feminist" spielt mit Geschlechterklischees

Gina Kutkat

Der Mann fragt, bevor er die Frau küsst und hält ihr auf keinen Fall die Tür auf: Am Samstag feiert "How To Date A Feminist" am Theater Freiburg Premiere. Regisseur Eike Weinreich erzählt, wie er das Thema Feminismus angeht.

Mit "How to date a feminist" sind Sie erneut am Theater Freiburg zu Gast. Wer ist der oder die ’feminist’?

Das Stück spielt im Grunde genommen die ganze Zeit mit Geschlechterklischees: Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, wobei der Mann behauptet, er sei der Feminist. Das bringt die angehende Beziehung und später auch die Ehe ins Wackeln und stellt die beiden vor Herausforderungen, weil es natürlich eine gewisse Absurdität mit sich bringt, wenn der Mann der Feminist ist und der Frau sagt, wie sie sich zu verhalten habe. Wir lernen auch seine Mutter und ihren Vater kennen sowie jeweils die Ex-Partner der beiden – alle sechs Personen werden von Laura Friedmann und Moritz Peschke gespielt. Es wird auf jeden Fall eine Kostümschlacht.

Die Produktion hat sich coronabedingt ziemlich spontan ergeben und wir hatten drei Stücke zur Auswahl. Es war uns relativ schnell klar, dass wir "How to date a feminist" machen wollen, weil es keine reine Komödie ist, sondern mehr ein "well-made-play", ein gut gemachtes Stück. Hier folgt nicht eine Pointe auf die andere, aber es ist dennoch gute Unterhaltung für das Publikum.

Der "Feminist" ist also ein Mann und mit Ihnen hat das Stück auch einen männlichen Regisseur. Ist das ein Statement?

Das erste Stück, das ich in Freiburg inszeniert habe, war "Girls & Boys". Da haben wir uns mit dem Thema Feminismus schon viel auseinandergesetzt – und mich beschäftigt das schon lange. Ich drehe auch Filme und dort ist mein Alleinstellungsmerkmal, dass ich mit Menschen drehe, die kaum eine Lobby haben. Für ein Projekt habe ich zum Beispiel mit Frauen aus dem Frauenhaus in Oberhausen gedreht.

Feminismus ist gerade ein aktuelles Thema und hat fast schon den Status eines Pop-Themas in der Kultur. Natürlich findet auch von mir eine Auseinandersetzung damit statt, auf einem ganz anderen Weg als bei "Girls & Boys" und auch anders als bei dem Frauenhaus-Projekt. Die Frage ist, wie man als Regisseur mit den Geschlechterklischees umgeht oder mit einer Figur, die Sätze raushaut, hinter denen man nicht wirklich steht.

Wie haben Sie das gelöst?

Über den Moment der Ironisierung, aber teilweise switchen wir auch die Geschlechter. Das war auch für die Spielerinnen und Spieler interessant zu hinterfragen: Was macht eine Frau zur Frau oder was macht einen Mann zu einem Mann? Das war die Reise, die wir in den letzten Probewochen unternommen haben.

"Die Frage ist, wie man als Regisseur mit den Geschlechterklischees umgeht oder mit einer Figur, die Sätze raushaut, hinter denen man nicht wirklich steht."

Welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen machen Steve in Ihrem Stück zu einem Feministen?

Steve ist ein klassischer Überkorrektling: Seine Mutter war in der Frauenbewegung sehr aktiv und hat ihn feministisch erzogen. Steve fragt zum Beispiel Kate jedes Mal, bevor er sie küsst, ob er das darf. Irgendwann geht ihr das auf die Nerven, weil sie lieber will, dass er seinem Instinkt folgt. Wir überzeichnen diese Figur massiv, bei Steve kommt alles zusammen: Er isst kein Fleisch, hält keiner Frau die Tür auf, ist sehr zurückgenommen und höflich. Wir haben aber trotzdem auch nach Widersprüchen und Gegensätzen gesucht, damit seine Figur nicht zu dünn wird. Denn sonst fliegt einem das Stück um die Ohren.

"Was macht eine Frau zur Frau oder was macht einen Mann zu einem Mann?"

Sie sind auch ausgebildeter Schauspieler. Kommt Ihnen das bei Ihrer Regiearbeit zugute?

Grundsätzlich hilft es mir eher, weil ich Schauspielerinnen und Schauspieler nicht als Material sehe, um mich selber zu produzieren. Ich kenne die Situationen, in denen ich mich abhängig oder auch nackt auf der Bühne fühlte. Und ich weiß, dass man ausgeschlafen und fit sein muss, um gut spielen zu können. Solche Dinge helfen mir, weil sie auch mein Motor waren, in die Regie zu gehen. Dass ich doch schon mehr auf der anderen Seite bin, habe ich gemerkt, als ich das Stück gelesen habe. Denn ich hatte es zunächst schauspielerisch unterschätzt, obwohl es eine richtige Herausforderung ist. Immerhin müssen die beiden Darsteller jeweils drei Figuren anreißen, karikieren und dabei trotzdem ernsthaft bleiben.
Zur Person

Eike Weinreich, 1985 in Oldenburg geboren, hat Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig studiert und wurde danach festes Ensemblemitglied am Theater Oberhausen. Weinreich hat ein abgeschlossenes Filmregie-Studium und mehrere Filme realisiert. Am Theater Freiburg gab er mit "Girls & Boys" sein Debüt als Theaterregisseur.

Was: How To Date A Feminist
Wann: Samstag, 17. Oktober (Premiere, ausverkauft), Dienstag, 20. Oktober, Mittwoch, 21. Oktober, jeweils 20 Uhr, Sonntag, 8. November, 18 Uhr
Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus
Tickets: theater.freiburg/tickets

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