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Das sind die besten und beliebtesten Mountainbike-Trails Freiburgs

Marcia Hapig

Freiburg, das Mountainbike-Eldorado: Von der Stadt in Minuten zu erreichen gibt es mehrere Trails, die jeden Anfänger und Fortgeschrittenen glücklich machen. Eine Übersicht, bewertet von einem Profi.

Von der Haustüre direkt in den Schwarzwald – auf 280 Metern Höhe gelegen, bietet Freiburg die besten Voraussetzungen für alle Outdoorsportler und Naturliebhaber. Kaum eine Sportart verkörpert die Stimmung und den Charakter Freiburgs besser als das Mountainbiken – einerseits wild, abenteuerlustig und leidenschaftlich, andererseits entspannt, ausgelassen und selbstbewusst. Vormittags noch im Büro, nachmittags auf dem Trail, Stadtleben und Berge perfekt vereint. Das können nur wenige Großstädte Deutschlands. Wer hier ankommt, will bleiben.

Selbst als Nicht-Mountainbikerin könnte ich gut und gerne jedem Auswärtigen, der mich danach fragt, die bekanntesten Mountainbike-Trails Freiburgs anschaulich zusammenfassen: Der Outdoorsport ist schon fast Sinnbild unserer schönen Stadt am Fuße des Schwarzwaldes geworden. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie hat der Radsport in den letzten Jahren starken Zuwachs erfahren und den 2011 gegründeten Mountainbike-Verein Freiburg zu einem der größten in der Umgebung heranwachsen lassen.

Für alle Niveaus ist etwas dabei

Ehrenamtlich werden die Trails gepflegt und in Stand gehalten, regelmäßig stattfindende Biketreffs geben neugierigen Anfängern genauso wie Fortgeschrittenen Gelegenheit, sich entweder überhaupt erst einmal an den Sport heranzuwagen, sowie auch Gleichgesinnte kennen zu lernen. Jeder kann kommen, freiwillig und kostenlos.

In Freiburg kommt jeder auf seinen Geschmack, für alle Niveaustufen und Vorlieben ist etwas dabei. Eher flowig auf dem "Canadian-Trail" oder dem Nervenkitzel nachjagend beim "Baden To The Bone". Langjährige Freiburger Mountainbiker wie der 30-jährige Gereon Poppe fühlen sich auf den Trails wohl und zu Hause. Einen "krassen Adrenalinkick" gebe es zwar nicht mehr, aber Freiburg sei mit seinen Trails und der Umgebung als Großstadt in Deutschland sicherlich einzigartig, so Gereon. Ein Paradies für Biker eben.

Gereon leitet zeitweise die Mountainbike-Kurse des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) und gibt ehrenamtlich Kinder- und Jugendtraining für den Freiburger Mountainbike-Verein. Im Interview reden wir über Selbsteinschätzung, Routine und natürlich über die Unterschiede und Eigenheiten der Freiburger Trails an sich.

6 Mountainbike-Trails von leicht bis schwer

Floh-Trails – die Basics
Diese beiden Übungstrails verlaufen über nur wenige hundert Meter direkt parallel zueinander, gleicher Startpunkt, gleiches Ziel. Sie sind sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für erwachsene Anfänger besonders gut geeignet, da sie in erster Linie das Fahrgefühl an sich vermitteln.

Am Anfang sei man oft überfordert, so Gereon. Ein neues Bike, die ungewohnte Position beim Bergabfahren im Stehen, der ruppige Untergrund. Erst vor wenigen Monaten noch einmal überarbeitet, bieten die Floh-Trails Gelegenheit, das Mountainbiken spielerisch kennen zu lernen. Es gibt Kurven und Spitzkehren in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, alles anfängergerecht und gut einsehbar. Je koordinierter und automatisierter die Bewegungen und Reaktionen werden, desto sicherer und selbstbewusster ist man unterwegs. Und kann sich an die nächsten und längeren Trails wagen.

Anfahrt: Der Trail beginnt oberhalb der Jugendherberge im Freiburger Osten, am oberen Ende der Kartäuserstraße in Höhe des Schwarzwaldstadions. Den Startpunkt erreicht ihr über den "Oberen Abfuhrweg", entweder direkt von der Jugendherberge aus oder vom Waldspielplatz Ochsengespann direkt daneben.
Anmerkung des Vereins: Auf dem gesamten Trail gilt besondere Vorsicht, da es sich um eine reine Anfänger- und Übungsstrecke handelt! Es ist jederzeit mit langsameren Fahrern und Kindern zu rechnen, daher sollte die eigene Geschwindigkeit entsprechend angepasst werden.
Uphill zu den Floh-Trails 1 & 2: Strecke: 1,1km, Höhenmeter: 101m
Trails: Strecke jeweils 0,3km, Höhenmeter: 74m

Hexentrail – ruhig und geschmeidig
Ein konstantes Gefälle, naturbelassen und gemütlich, so beschreibt Gereon den seiner Meinung nach besten Anfängertrail in der Umgebung. Erst seit September 2020 offiziell zugelassen, startet der Hexentrail am Illenberg bei der Luisenhöhe oberhalb von Horben-Langackern und führt über eine Strecke von knapp drei Kilometern bis hinunter zu einem Sportplatz an der Grenze zwischen Au und Merzhausen im Hexental. Bis auf zwei bis drei kniffligere Stellen geht es ganz geschmeidig bergab, ohne "krasse Absätze", dafür mit einer Wurzelpassage und einer Mulde.

Beliebt sei der Trail außerdem, weil er mit genügend Geschwindigkeit auch Fortgeschrittenen Spaß macht. Er ist ziemlich "flowig" angelegt und sorgt gleichzeitig für ein sicheres, sowie freies Fahrgefühl. Ein gewisses Maß an Geschwindigkeit ist beim Mountainbiken durchaus sinnvoll und hilfreich, so Gereon. Wer langsamer fahre, habe es nicht unbedingt leichter, da dann mehr Balance gefordert werde. Auch Wurzeln und größere Steine ließen sich nur mit ausreichender Geschwindigkeit "überrollen". Trotzdem solle man im Zweifel natürlich lieber bei Schrittgeschwindigkeit bleiben, statt die Kontrolle über das Bike zu verlieren.

Anfahrt: Von Merzhausen aus ab dem Sportplatz über Forstwege oder von Günterstal aus über Straßen und Forstwege.
Trail: Strecke: 2,8km, Höhenmeter: 381m

Flying Goofy – Übung macht den Meister
Der Flying Gufi befindet sich im "Nachbarort" Gundelfingen, ist also ebenfalls gut erreichbar und als Trainingsstrecke bestens geeignet. Gereon empfiehlt, den 400 Meter langen Trail direkt mehrmals nacheinander zu fahren, um die Strecke besser kennenzulernen und schwierige Stellen zu wiederholen. Eine Routine kann sich auf kurzer Strecke so wesentlich schneller einstellen, was Sicherheit und nicht zuletzt Selbstbewusstsein bringt.

Auf anderen, ähnlichen Strecken fallen die geübten Passagen und Hindernisse dann leichter und stellen körperlich wie auch mental keine so große Herausforderung mehr da. Initiiert wurde der Flying Gufi von der Mountainbike-AG der Johann-Peter-Hebel Grundschule in Gundelfingen und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des Freiburger Mountainbike-Vereins in die Tat umgesetzt. Er wurde eher verspielt und flowig angelegt. Auch hier verweist der Mountainbike-Verein auf eine besonders rücksichtsvolle Fahrweise, da der Trail auch und oft von Kindern, Jugendlichen und eher Fahranfängern genutzt wird.
Trail: Strecke: 0,4km, Höhenmeter: 8m hoch, 54m runter

Canadian Trail – Gefühlvoll flowig
Der Canadian Trail gehört sicherlich zu den bekannteren Mountainbike-Strecken in Freiburg und wird vor allem aufgrund seiner flowig zu fahrenden und springbaren Wellen, sowie hoch aufgebauten Kurven geschätzt. Gereon erklärt die Streckenführung mit dem Vergleich einer Bobbahn – aufgrund der hohen Wände bei engeren Kurven sei der Trail einerseits besonders für Anfänger mental leichter zu fahren, bringe andererseits aber auch für Fortgeschrittene viel Spaß und Geschwindigkeit. Auf größere Sprünge wird durch Beschilderungen hingewiesen. Hier kommt jeder auf seine Kosten, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf das Rheintal während der fordernden Auffahrt.

Von der Sternwaldwiese in der Wiehre geht es knapp 500 Höhenmeter bergauf bis zum Kybfelsen auf etwa 810 Meter. Als beliebtes Ausflugsziel ist der Kybfelsen alleine schon einen Besuch wert, allerdings ist deshalb auch besondere Rücksichtnahme auf Wanderer, Läufer und Familien mit kleinen Kindern geboten. Der anschließende Trail schlängelt sich abwechslungsreich wieder auf Stadthöhe hinunter und bietet, wie auf jeder technisch anspruchsvolleren Strecke üblich, alternative Umfahrungen für Anfänger. Von vier Kanadiern gebaut, zeigt der Canadian Trail einen ganz eigenen Charakter. Die Abfahrt ist schwarz markiert und zählt damit zu den schwierigen Strecken, vergleichbar mit der Einteilung blau/rot/schwarz bei Skipisten.

Anfahrt: Beschilderungen direkt von der Sternwaldwiese aus, Stadtteil Wiehre am Waldrand. Die Uphill-Strecke des Canadian Richtung Schauinsland kann für mehrere Downhill-Strecken als Aufstieg genutzt werden (Canadian Trail, Badish Moon Rising Trail, Schauinslandgipfel). Bis zum Schauinsland als höchstem Punkt sind es 1100 Höhenmeter, die es zu bewältigen gilt. Der Canadian-Trail ist nach knappen 6,5 Kilometern der erste Startpunkt und durch die eindeutige Beschilderung nicht zu übersehen.
Uphill: Strecke: 6,5km, Höhenmeter: 465
Trail: Strecke: 3,2km, Höhenmeter: 25m hoch, 490m runter

Borderline – das zusammengewürfelte Meisterstück
Die Borderline ist der erste offizielle Trail des Freiburger Mountainbike-Vereins. Unterhalb des Friedrichsturmes auf dem 736 Meter hohen Rosskopf, dem Hausberg Freiburgs zwischen Glottertal und Dreisamtal, beginnt die abwechslungsreiche und anspruchsvolle Downhill-Strecke. Auf gut drei Kilometern begegnen begeisterte Mountainbiker Sprungsektionen, verblockten Passagen, Spitzkehren und steilen Abfahrten. Durch einige, kurze Tretpassagen wird nicht nur Technik, sondern auch Kondition gefordert.

Die erste und die letzte Sektion seien am schwierigsten und auch am steilsten, meint Gereon. Wer noch unsicher fahre, könne problemlos bei der dritten Sektion einsteigen. Allgemein gibt es auf allen Trails immer wieder geeignete Stellen, um abzusteigen oder die Downhill-Strecke durch einen Forstweg zu ersetzen und nur abschnittsweise zu befahren. Gerade die Borderline kreuzt mehrfach Forstwege, was andererseits natürlich besonderer Vorsicht bedarf. Für Wanderer sind Warnhinweise auf den Wanderwegen angebracht, es gilt für beide Seiten, sich respektvoll und vernünftig zu verhalten.

Die fünfte Sektion sei aufgrund ihres sprunglastigen Aufbaus besonders bei Jugendlichen sehr beliebt. Gereon empfindet die Borderline mittlerweile als "sehr angenehm" zu fahren: Bei der ersten Fahrt noch mit allem überfordert, relativiere sich dieses Gefühl beim Biken relativ schnell, so Gereon. Es sei auf jeden Fall sinnvoller, vorsichtig zu fahren und innerhalb seiner eigenen Komfortzone zu bleiben. Wer die Strecke dann einige Male gefahren sei, die kniffligen Stellen kenne und Herausforderungen schon einmal überwunden habe, der werde innerhalb kürzester Zeit sehr viel besser, ruhiger und gleichzeitig schneller fahren können. Die Borderline ist schwarz markiert und endet an der Jugendherberge, wo auch die Uphill-Strecke beginnt und die Floh-Trails zu finden sind.

Anfahrt: Bei der Jugendherberge im Freiburger Osten, am oberen Ende der Kartäuserstraße in Höhe des Schwarzwaldstadions startet die Uphill-Strecke, die bis hinauf auf den Rosskopf führt. Von dort sind mehrere ausgeschilderte Abfahrten möglich (Borderline, Baden To The Bone, Hubbelfuchs).
Uphill: Strecke: 4,7km, Höhenmeter: 421
Trail: Strecke: 3,2km, Höhenmeter: 23m hoch,↑ 450m runter

Baden To The Bone – auf der Jagd nach dem Nervenkitzel
Wie bereits der Canadian Trail, wurde der Baden To The Bone im September/Oktober 2017 in Zusammenarbeit mit den kanadischen Experten gebaut. Der Trail ist steil, schnell, mit vielen Anliegern und Sprüngen, die man sich auf jeden Fall anschauen sollte, bevor man sie das erste Mal springt. Mit anderen Worten, hier befinden sich Mountainbiker wohl auf der anspruchsvollsten Downhill-Strecke Freiburgs. Mit ausreichender Geschwindigkeit fahre er sich geradezu "rhythmisch", beschreibt Gereon.

Wer die Drop- und Gap-Sprünge allerdings umfährt, findet wiederum einen technisch mittelschweren, wenn auch recht steilen Trail mit schönen, naturnah gebaute Kurven vor. Mithilfe der sehr guten Beschilderung sind die alternativen Umfahrungen direkt ersichtlich. Über eine Strecke von gut drei Kilometern führt der Baden To The Bone unterhalb der Zähringer Burg vorbei und endet im Stadtteil Zähringen. Ein Muss für jeden Adrenalinjunkie. Wer die restlichen Trails sicher herunterkommt, kann sich hier heranwagen. Sicherlich gebe es Biker, die sich eher Hals über Kopf einen neuen Trail hinunterstürzten, erzählt Gereon. Übermut sei bei dieser Sportart allerdings ein schlechter Beifahrer. Wer beim Mountainbiken einen Fehler mache, gebe nicht nur einen Punkt oder den Ball an die Gegner ab, wie beim Volleyball oder Fußball. Hier geht es um Risikoeinschätzung und Verletzungsgefahr. Übung und Erfahrung, Vertrauen in sein Rad und sich selbst zu haben, das sei der Schlüssel, meint Gereon. Dann könne man "vom Kopf freier fahren" und selbst so anspruchsvolle Trails wie den Baden To The Bone sehr gut meistern.

Anfahrt: (siehe Borderline) Bei der Jugendherberge im Freiburger Osten, am oberen Ende der Kartäuserstraße in Höhe des Schwarzwaldstadions startet die Uphill-Strecke, die bis hinauf auf den Rosskopf führt. Von dort sind mehrere ausgeschilderte Abfahrten möglich (Borderline, Baden To The Bone, Hubbelfuchs).
Uphill: Strecke: 4,7km, Höhenmeter: 421 (gleiche Strecke wie bei der Borderline)
Trail: Strecke: 3,2km, Höhenmeter: 30m hoch, 428 m runter

Obgleich die Freiburger Trails für den Breitensport ein wahrhaftes Mountainbike-Eldorado darstellen, käme der ambitionierte Hobbyfahrer oder Leistungssportler hier noch zu kurz, findet Gereon. Wer Lust auf Abwechslung hat, mehr Nervenkitzel sucht und Freiburgs Downhill-Strecken schon im Schlaf abfahren könne, dem sei ein Abstecher in die Vogesen empfohlen.
Dort gebe es nicht nur hervorragende Bikeparks, sondern auch im Allgemeinen anspruchsvollere und schwierigere Trails. Schneller, enger, verblockter und steiler. Das nächste Level sozusagen.

Ob Gereons Ahs-Kurs dieses Semester stattfinden kann, steht noch nicht fest. Auch die wöchentlichen Bike-Treffs sind wegen der Pandemie derzeit nicht möglich. Der engagierte Verein informiert jedoch stets auf seiner Homepage über die aktuellen Möglichkeiten und Regelungen, wer interessiert ist, darf sich dort gerne umsehen und erkundigen.

Studenten haben in Gereons Kursen den Vorteil, dass es mehrere Leihräder gibt, die man pro Semester gegen Gebühr benutzen kann, statt sich direkt ein eigenes Bike anzuschaffen. Hauptsächlich geht es dann um das Fahren an sich und darum, die Umgebung und die Trails kennen zu lernen. Natürlich würden auch schwierige Stellen erklärt und geübt, so Gereon, aber wer ein richtiges "Training" möchte, der könne sich eine Vereinsmitgliedschaft überlegen. Für nur 45 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr, das kann man sich durchaus leisten. Und sorgt gleichzeitig dafür, dass die wunderschönen, kreativen und herausfordernden Trails im Schwarzwald erhalten bleiben und gepflegt werden.

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