Das riesengroße Christian-Streich-Graffiti an der Dreisam

Michaela Konz

An der Dreisam neben der Schwabentorbrücke hat Andreas Herre ein überlebensgroßes Porträt von Christian Streich gemalt. Warum der 23-jährige Künstler das gemacht hat und wer er überhaupt ist:



"Das Bild soll genau das rüberbringen, was Streich ausmacht: Emotionen, Bodenständigkeit und Authentizität", sagt Andreas Herre, der das Mural zusammen mit seinem Kommilitonen Julian Mielke gemalt hat. Die beiden studieren an der Pädagogischen Hochschule Kunst im Hauptfach.

Anlässlich des Klassenerhalts des SC Freiburg wählte Andreas "Andy" Herre ein Bild von Christian Streich, auf dem er den linken Arm in die Höhe streckt und seine Hand zur Faust ballt. Das Foto, das den beiden Studenten als Vorlage diente, zeigt Streich emotionsgeladen und freudenjubelnd am Spielfeldrand. Es entstand 2012 während eines Spiels gegen Hertha BSC, bei dem der SCF 2:1 gewonnen hat. Damals sicherte Streich erstmals den Klassenerhalt des SC Freiburg.

"Ich wollte jemanden malen, zu dem viele Freiburger einen Bezug haben", sagt Andy. Obwohl er sich selbst nicht als großen Fußballfan bezeichnet, lässt er sich gerne vom Freiburger Fußballfieber anstecken und ist begeistert vom Teamgeist des SC Freiburg. "Für mich geht es um den Kampfgeist, die Bodenständigkeit und die Sympathie, die Streich ausstrahlt. Ich finde, das spricht jeden an - egal ob Fußballfan oder nicht.

Schon während der Entstehung des Bildes am Dienstagnachmittag bekommen Andy und Julian direkte Rückmeldungen der Passanten für ihre Kunst. Immer wieder rufen Fahrradfahrer oder Fußgänger "Hey, das sieht super aus!" oder "Yeah, der Streich - cool!"

Andy: "Es ist interessant zu sehen, wie die Leute reagieren, wenn sie uns beim Malen sehen. Wenn noch nichts erkennbar ist, laufen sie vorbei, ohne das Ganze zu beachten, oder schütteln den Kopf. Irgendwann erkennen die Passanten dann, was es wird, bleiben stehen, freuen sich und geben uns bisher durchweg positive Rückmeldung."



Das Motiv von Streich ist nicht das erste große Motiv, das Andy an die Wand bei der Schwabentorbrücke gepinselt hat. Im Oktober 2013 malte er das Gesicht von Walter White aus Breaking Bad, das dann ein paar Monate später übersprayt wurde. "Klar hätte ich mich gefreut, wenn es noch länger gehalten hätte, aber hier waren schon so viele großartige Bilder, die dann irgendwann übermalt wurden. Die Anzahl der Plätze in Freiburg, an denen man legal etwas malen oder sprayen darf, sind nun mal begrenzt. Außerdem kann und möchte ich den Platz ja nicht für mich beanspruchen."

In Freudenstadt und Gutach konnte Andy bereits an private Wände malen und würde sich freuen, solche Aufträge in Zukunft auch in Freiburg zu bekommen. Außerdem sucht er nicht nur nach Wänden, die er bemalen kann, sondern auch nach Leuten, die Lust haben mit ihm zusammen zu malen. Wie zum Beispiel jetzt mit seinen Kommilitonen Julian: "Andy hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm ein so großes Bild zu malen, wie er es bereits alleine gemalt hat. Das bietet sich bei der Größe natürlich an und macht zu zweit auch echt Spaß", sagt Julian.

Andy bemalt aber nicht nur Wände. Im Dezember 2012 hat er den feiernden Partygästen bei der UV-Pacman Party im Klangraum Bodypaintings verpasst: "Das war echt super und ist auch wieder geplant, allerdings steht noch kein genauer Termin fest."



Gemalt hat Andy schon immer gerne. Aber intensiv begann er damit im September 2012, als er von Freudenstadt nach Freiburg zog, um hier seine Fachgebundene Hochschulreife zu machen. "Ich bin umgezogen und hatte erst mal keinen Fernseher in meinem WG-Zimmer. Da musste ich mir überlegen, was ich am Abend machen kann, wenn ich zuhause bin - also hab ich gemalt."

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