Modernisierung

Das Kolben-Kaffee am Freiburger Martinstor soll seinen Charakter behalten

Manuel Fritsch

Seit November wird im Kolben-Kaffee am Freiburger Martinstor gebaut. Stammkunden des Traditionscafés schauen mit bangen Blicken, ob das alte "Kolben" erhalten bleibt.

Seit Beginn der Bauarbeiten direkt bei einem der Wahrzeichen der Freiburger Altstadt machen Gerüchte die Runde, aus dem Steh- werde ein Sitzcafé oder der Charme falle einem Modernisierungsdrang zum Opfer. "Keine Angst", sagt Betreiber Philipp Rathenow. Das Kolben-Kaffee bleibe Kolben-Kaffee. Aber eine moderate Modernisierung sei längst überfällig gewesen.
Um sich eine ungefähre Vorstellung davon zu machen, welchen Stellenwert das Kolben-Kaffee in Freiburg hat, lässt man sich am besten die Geschichte hinter dem Namen des Cafés erklären: "Kolben Kaffe Akademie".

Der Name ist keine Verwechslung

Keine Verwechslung von Kaffee und Café sei das, erklärt Betreiber Philipp Rathenow. Als das Café Anfang der 80er eröffnete, sollte das vielmehr der Ort sein, wo man lernen kann, was ein guter Kaffee ist, einer, der mittels eines Kolbens gepresst wird, kein einfacher Filterkaffee. Damals hatte sich das Café den Ruf erarbeitet, den besten Kaffee in Freiburg zu servieren.

Zur Zeit geht dort jedoch kein einziger Kaffee mehr über die Theke. Stattdessen messen, streichen und spachteln dort Bauarbeiter. Im November fand an der Tür noch ein großer Abverkauf von Maschinen und Tassen statt, seitdem wird renoviert. "Das war einfach nötig geworden", sagt Rathenow. Geplant sei eine Renovierung schon lange, wegen des Lockdown wurden die Pläne etwas schneller umgesetzt. In erster Linie sollen die Abläufe im Café-Betrieb verbessert werden. Statt zwei Theken wird es künftig nur noch eine geben, so dass das Personal effizienter arbeiten kann.

Die Patisserie bleibt

Das schafft Raum für zwei weitere kleine Sitzecken – wodurch der Fensterverkauf wegfällt –, ansonsten aber bleibt das Kolben als Stehcafé erhalten. Auch die Patisserie soll es wie vor dem Umbau geben. Lediglich beim Kaffee werde nachgebessert. Neue Maschinen und zwei neue Röstungen sollen die Qualität steigern. Außerdem sei viel in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert worden, sagt Rathenow. Perspektivisch soll in dem Café auch eine Ausbildung zum Barista möglich werden.

"Wir haben schließlich auch eine Verantwortung, das Café als Kulturgut zu schützen." Cafébetreiber Philipp Rathenow
Dass viele Kunden das Kolben-Kaffee gerade wegen seines etwas altmodischen Charakters schätzen, weiß Rathenow. "Der Umbau war also ein Drahtseilakt. Wir wollten genau den Punkt treffen, dass die Gäste sagen: Es ist neu, es behält aber die Gemütlichkeit, die das Café immer ausgemacht hat." Die Kaffeesäcke an den Wänden bleiben erhalten – wenn auch in geringerem Maße. Die alte Theke von 1919 wurde restauriert und steht schon wieder im Gastraum, auch der alte Leuchter hängt schon wieder. "Wir haben schließlich auch eine Verantwortung, das Café als Kulturgut zu schützen", schmunzelt Rathenow.

Denkmalschutz zieht den Umbau in die Länge

Auch die Stadtverwaltung hatte Wünsche was die Gestaltung anging – allerdings ging es da um die Fassade. Die Ansprüche der Stadt seien dabei nicht immer nachvollziehbar gewesen, sagt Rathenow. Denkmalschutz und Baurechtsamt hätten die ganze 600 000 Euro teure Renovierung extrem in die Länge gezogen. "Es war eine Tortur", so Rathenow.

Wenn alles wie geplant läuft, dann öffnet das Kolben-Kaffee Anfang April seine Türen. Sicher davon ausgehen kann man derzeit nicht. Sollte es statt zu Öffnungen wieder zum Lockdown kommen, dann sei als Nächstes die Backstube dran, sagt Rathenow. Auch die könne inzwischen eine Modernisierung vertragen.