Stiftungsarbeit

Das Kick Mobil will Kinder für gesellschaftliche Werte sensibilisieren

Clara Müller

Fußball kann mehr sein, als der Kampf ums Gewinnen und Einschaltquoten: Die Freiburger Step Stiftung will mit dem "Kick Mobil" Bewegung bei Jugendlichen aus sozial benachteiligten Vierteln fördern – und für Solidarität werben.

Gerade dreht sich viel um Fußball, jede Mannschaft will gewinnen, am besten Europameister werden. Doch Fußball kann mehr sein, als ein Wettkampfsport: Die Step Stiftung fährt mit dem "Kick Mobil" auf Freiburger Bolzplätze und setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenslagen nicht nur in Bewegung bleiben, sondern auch spielerisch für gesellschaftliche Werte sensibilisiert werden.

Seit Juni ist das Team der Step Stiftung wieder mit dem Kleinbus auf Bolzplätzen in Weingarten und in der Unterwiehre unterwegs, um dort mit den Kindern Fußball zu spielen und Sport zu machen. Dahinter steckt aber mehr als nur das gemeinsame Spiel, erklären Louisa Ramsaier und Nico Kritzinger von der Stiftung.

Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Lebenslagen

"Fußball ist für uns das Mittel zum Zweck, das Instrument, über das wir soziale, persönliche und kulturelle Kompetenzen fördern möchten", erklärt die Bildungsreferentin Louisa. "Wir richten uns an Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenslagen und nutzen Sport als Magnet, um die Kinder zu erreichen", ergänzt Nico. Dort, wo das Kick Mobil ist, sind nicht nur die Leistungen und das Alter der Kinder und Jugendlichen verschieden, sondern auch die Herkunft, Religion und Kultur. Mit dem Kick Mobil werden diese Kinder zusammengebracht.

"Wir möchten Fußball und Gesundheit mit Bildung und sozialem Lernen vereinen", so Louisa. Das gehe ein bisschen wie bei der Erlebnispädagogik, erklärt die 26-Jährige den Ansatz des Projekts: "Die Spiele und Übungen kommen aus dem Fußball. Nur der Fokus wird ein wenig verschoben." So muss zum Beispiel bei einer Aufwärmübung nicht die Person, die den Ball verliert, in die Mitte, sondern jemand anderes aus dem Team. "Die Kids dann irritiert und fragen sich, warum sie in die Mitte müssen, wenn sie den Fehler nicht gemacht haben. Wir reflektieren das dann mit ihnen, so lernen sie spielerisch Solidarität zu zeigen und übertragen es in den Alltag", so Louisa.

Ohne Hürden Zugang zum Sport

"In den Freiburger Quartieren fehlt es noch an offenen, kostenlosen Sport- und Bewegungsangeboten", sagt Nico. Um Kinder und Jugendliche zu erreichen, die es schwieriger haben am organisierten Sport in Vereinen teilzuhaben, ist die Standortauswahl des Kick Mobils nicht zufällig. "In Freiburg gibt es fast 50 Bolzplätze. Wir haben eine Bedarfsanalyse gemacht und geschaut, wo die besten Plätze für unser Projekt sind", so der 29-jährige Projektmanager. Nun fahren sie jede Woche auf einen Bolzplatz in Weingarten und in der Unterwiehre. Vor Ort ist das junge Team der Stiftung gut vernetzt mit Trägern der offenen Kinder- und Jugendarbeit und Unterkünften für Geflüchtete, um den direkten Kontakt zur Zielgruppe zu haben: "In der zweiten Woche, in der wir mit dem Kick Mobil dieses Jahr unterwegs waren, haben auf dem Bolzplatz schon 25 Kinder auf uns gewartet", berichtet Nico.

Studis als Kickteamerinnen und -teamer

Mit Fußballübungen, freiem Spiel oder dem Kennenlernen von neuen Sportarten richtet sich die Übungsauswahl nach den Wünschen der Kinder, sie können die Nachmittage mit dem Kick Mobil mitgestalten. Auf dem Bolzplatz sind auch ein Trainer oder eine Trainerin des SC Freiburg dabei. Der Verein unterstützt das Projekt als Kooperationspartner konzeptionell und personell. Außerdem helfen sogenannte Kick-Teamerinnen und -Teamer auf dem Bolzplatz. Das sind ehrenamtliche Studierende, primär aus dem Bereich Sportwissenschaft und Sportpädagogik. Doch auch für sie sei das eine andere Art von Fußball, sagt Louisa. Laut der Bildungsreferentin seien sie durch die Vielfalt auf dem Platz immer wieder mit Situationen konfrontiert, die man aus dem Sportverein oder aus der Schule nicht kenne. "Deshalb bieten wir Workshops zu Themen wie "Trauma und Sport" oder "Umgang mit Fremdheit" an, damit unsere Kick-Teamerinnen auf dem Platz auf die Bedarfe der Kinder eingehen können."

Diese Erfahrung macht auch der Student Giacomo Stahl auf dem Bolzplatz in Weingarten: "Ich merke immer wieder, wie wichtig wir als Bezugspersonen für die Kids sind, die sie ernst nehmen und sich mit ihren Wünschen beschäftigen. So sind wir für die Kinder und Jugendlichen mehr als nur Trainer, die mit ihnen Fußball spielen."
Info:
Die Step Stiftung ist eine gemeinnützige und mildtätige Stiftung des bürgerlichen Rechts, die 2004 mit Sitz in Freiburg gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, durch sozial-integrative Sport- und Bewegungsangebote Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenslagen zu fördern. 2018 erhielt sie für ihr Projekt "Kick for girls" den DFB-Integrationspreis. Das Kick Mobil wurde 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Von März bis Oktober ist das Kick Mobil auf Freiburgs Bolzplätzen unterwegs: dienstags von 16 bis 18 Uhr auf dem Bolzplatz in der Krozinger Straße (Weingarten) und mittwochs von 16 bis 18 Uhr in der Langemarckstraße (Unterwiehre).

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