Start Up

Das Freiburger Start-up Wetell bietet nachhaltige Mobilfunktarife

Anika Maldacker

Vor zwei Jahren sprachen sie zum ersten Mal von ihrem Vorhaben, einen nachhaltigen Mobilfunktarif ins Leben zu rufen. Vor zwei Jahren sammelten die drei Freiburger von Wetell Geld über Crowdfunding. Nun ging ihr Tarif ans Netz.

Vor zwei Jahren haben Andreas Schmucker, Nico Tucher und Alma Spribille das erste Mal von ihrem Plan berichtet, einen nachhaltigen Mobilfunktarif zu etablieren. Damals waren die Drei in der Vorgründungsphase ihres Start-ups "WEtell", haben nach Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützern gesucht. Seither hat sich viel getan. Seit Juli kann man mit Wetell fair, datensparsam und klimaneutral telefonieren. Inzwischen hat sich ihr Team auf zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergrößert. Und aus der Idee ist eine GmbH im Freiburger Kreativpark in der Lokhalle geworden.


Mit einem Crowdfunding im Frühjahr 2019 hatten sie vorgefühlt, wie hoch das Interesse an einem fairen Mobilfunktarif ist. 1200 Unterstützerinnen und Unterstützer seien damals zusammengekommen, erklärt Nico Tucher, einer der Gründer und zuständig für technische Prozesse. Insgesamt 180.000 Euro konnten sie sammeln. "Damals war die Freude natürlich groß", sagt Nico, "und gleichzeitig ist das Selbstbewusstsein für die Idee gestiegen."

Wetell bietet vier verschiedene Mobilfunktarife. Der günstigste kostet 15 Euro pro Monat und beinhaltet beispielsweise 100 Freiminuten sowie ein Gigabyte Daten. Der teuerste Tarif kostet 30 Euro im Monat und bietet eine Allnet-Flat, sowie 15 Gigabyte Daten. Was die Marke von anderen Anbietern unterscheidet: Die Verträge sind monatlich kündbar.

Klimaschutz, Datenschutz und Fairness sowie Transparenz

Der große Unterschied zu anderen Mobilfunkfirmen liegt zudem in den Ideen, die hinter dem Mobilfunkanbieter stecken: Klimaschutz, Datenschutz und Fairness sowie Transparenz. Daran, dass die Punkte erreicht werden können, haben die drei Gründer in den vergangenen zwei Jahren hart gearbeitet. "Wir haben einerseits unseren eigenen Betrieb so klimafreundlich wie möglich gestaltet", erklärt Nico. Dienstreisen absolvieren sie mit dem Zug anstatt Flugzeug. "Unseren CO2-Verbrauch quantifizieren wir und kompensieren ihn anschließend", sagt Nico. Zusätzlich will das Unternehmen neue Ökostrom-Anlagen in Deutschland bauen lassen, die mindestens die Menge an Strom, die der Betrieb erzeugt, produziert. Mit diesem Vorhaben, so Nico, könne bald begonnen werden. So will Wetell nicht nur klimaneutral sein, sondern klimapositiv.

Weil die Wetell-Gründer für ihren neuen Mobilfunktarif keine neuen Masten in Deutschland aufstellen konnten, sind sie eine Kooperation mit dem Telekommunikationsanbieter Tele2 eingegangen. "Unser Ziel war, dass unser Produkt hervorragend ist und technisch einwandfrei läuft und das haben wir mit Tele2 möglich gesehen", erklärt Nico. Mit dem Unternehmen hat Wetell seine Forderungen umsetzen können, dass persönliche Nutzerdaten nur so lange wie nötig gespeichert werden und diese auch nicht an Drittanbieter zu Werbezwecken weitergegeben werden.

Den Service übernimmt Wetell jedoch selbst. "Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden in Deutschland betreuen", sagt Nico, "unser Team sitzt in Freiburg." Wetell soll außerdem nach den Richtlinien der Gemeinwohlökonomie zertifiziert werden. Auch die Rufnummermitnahme funktioniert bei Wetell wie bei anderen Anbietern. Die drei Gründer Alma, Andreas und Nico arbeiten derzeit mittlerweile fast Vollzeit bei Wetell. "Unser Engagement für Wetell hat im letzten Jahr schon zugenommen", sagt Nico.

Seit dem 15. Juli ist Wetell am Netz. Seither haben rund 1000 Kunden einen Mobilfunktarif dort bestellt. "Um rentabel zu funktionieren, werden für Ende 2021 etwa 15.000 bis 20.000 Kundinnen und Kunden anvisiert", erklärt Nico. Damit das erreicht werden kann, will Wetell nun deutschlandweit werben. "Wir hoffen, wir schaffen unser Ziel", sagt Nico.
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