Flucht

Das Freiburger Café Satz ist für die Ukrainerin Margarita ein Zufluchtsort

Anna Castro Kösel

Vor sechs Jahren war die Ukrainerin Margarita schon einmal in Freiburg und arbeitete als Freiwillige im Café Satz. Mit Beginn von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine ist die 28-Jährige nun von Butscha aus nach Freiburg zurückgekehrt.

An dem Eckhaus im Stühlinger stehen kleine Tische mit bunten Deckchen. Im Vorbeigehen kann man den Blick auf Bücher erhaschen, die zum Verkauf stehen. Das Ambiente: Gemütlich, wie im eigenen Wohnzimmer, mit Sofas und Kissen im Oma-Stil. Auf einem davon sitzt Margarita Zavalna. Die 28-Jährige war vor sechs Jahren schon einmal hier, im Café Satz in der Guntramstraße 57. Damals als europäische Freiwillige aus der Ukraine. "2014 war schon mal ein Krieg. Für mich ist es jetzt das zweite Mal", sagt Margarita. "Alles was mir wichtig war, habe ich schon einmal verloren. Hier ist jetzt mein Zuhause - bis der Krieg vorbei ist".

Margaritas Weg ins Freiburger Café Satz

Schon 2014 will Margarita weg - weg vom Krieg. Als sie ihre Heimatstadt Perwomajsk in der Ostukraine verlassen muss, hält sie in nichts mehr auf. Von ihrer neuen Heimatstadt Butscha aus durchforstet Margarita das Internet nach Freiwilligendiensten und stößt auf das Café Satz in Freiburg. Seit 2013 ermöglicht es jungen Menschen aus Russland und der Ukraine, in Freiburg im Café Satz mitzuarbeiten. Zunächst traut sich Margarita nicht, sich zu bewerben, doch der Zufall will es, dass Volker Höhlein, Gründer des Café Satz, wenige Zeit später auf einer Ukraine-Reise in Butscha ist.

"Ich habe eine andere Seite des Lebens kennengelernt. Es war ein Neuanfang in Frieden" Margarita
Er lädt Margarita spontan an, als Freiwillige ins Café Satz zu kommen. "Es war ein Wunder", sagt sie. Ein Jahr später kommt Margarita 2016 nach Freiburg. "Ich habe eine andere Seite des Lebens kennengelernt. Es war ein Neuanfang in Frieden". Margarita beginnt, im Café Satz im zu arbeiten und fängt ein BWL-Studium an der Uni Freiburg an. "Bald habe ich aber gemerkt, es ist nicht meins". Eine leichte Entscheidung ist es nicht, doch sie bricht ihr Studium ab und kehrt im Herbst 2021 nach Butscha zurück.

Das Café Satz und die Ukraine

Die Verbindung des Café Satz zur Ukraine liegt 30 Jahre weiter zurück. Café Satz- Gründer Volker Höhlein erzählt, die Ordensschwester "Schwester Inge" sei in den 1990er Jahren in die Ukraine gereist und habe dort tausende Straßenkinder vorgefunden. Sie wurde aktiv, sammelte mit dem Verkauf von Secondhandgegenständen im S´Einlädele Spenden. Weitere Projekte kamen hinzu wie das Kinderheim Vaterhaus und das Café Satz, das von Ehrenamtlichen und ukrainischen Freiwilligen betrieben wird. Höhlein gründete es 2012 mit der Motivation "einen Ort der Begegnung" zu schaffen.
Das Café Satz bedeutet Margarita viel. "Volker und so viele andere Menschen haben mir hier geholfen. Das Ziel des Cafés ist nicht der Profit, sondern immer ein offenes Herz für andere."

Von Butscha zurück ins alte Zimmer in der Wiehre

Nachdem Margarita 2021 in die Ukraine zurückgekehrt ist, fallen ein halbes Jahr später die ersten Bomben. "Ich wachte morgens auf und ging in die Küche. Mein Vater sagte: "Margarita, der Krieg hat begonnen". Diesen Satz werde ich nie vergessen", sagt sie.
Durch einen Fluchtkorridor kann sie mit ihren Eltern in die Westukraine fliehen. "Wir hatten nur noch den Wunsch nach zwei Wochen im Keller ohne Strom und Wasser, zu duschen und einen Schlafanzug anzuziehen", erinnert sie sich. Für Margarita ging es dann weiter nach Freiburg – ihre Eltern sind inzwischen wieder in Butscha. Nun lebt Margarita wieder in ihrem alten Zimmer in der Wiehre. "Ich bin dankbar für alles, was hier habe", sagt Margarita. Da sie gut Deutsch spricht, kann sie andere Geflüchtete unterstützen. Margarita begleitet sie zum Arzt, kümmert sich um die geflüchteten Kinder oder übernimmt hier und da eine Schicht im Café Satz. Ihr Glaube hilft ihr, stark zu sein. Sie hebt das Glas Orangensaft, was vor ihr steht hoch: "Man kann entweder das Glas halbleer oder halbvoll sehen und zwischen Enttäuschung und Zufriedenheit wählen. Ich habe mich entschieden, zufrieden zu sein".

Mehr zum Thema: