Der gute Ton

Das erste Live-Konzert seit Corona: Cosmic Mints im Jazzhaus

Lisa Discher

Wie ist es, wieder live Musik zu erleben? Diese Frage können nun alle Besucherinnen und Besucher des ersten Jazzhaus-Konzertes nach sieben Monaten Corona-Pandemie beantworten. Lisa Discher war für fudder am Freitagabend dabei.

Das Jazzhaus Freiburg gehört zu einem der 19 Modellprojekte in Baden-Württemberg aus Bereichen, die besonders unter den Pandemiebedingungen gelitten haben. Das Ziel des Projektes ist, bald weitere Öffnungsschritte zu ermöglichen. Unter diesen 19 Modellprojekten sind fünf aus Baden-Württemberg und das Jazzhaus ist eins davon.

Strenge Hygienemaßnahmen und ein Vier-Stufen-Plan

Am Freitagabend ist es dann soweit. Unter strengen Hygienemaßnahmen und nur mit negativem Testergebnis und Maske können die Fans der Freiburger Band Cosimc Mints endlich mal wieder annähernd so etwas wie Konzertstimmung mitnehmen. Etwa 100 Leute sind hier versammelt. Denn das Jazzhaus hat einen Vier-Stufen-Plan ausgearbeitet: Kleine bestuhlte Konzerte, mit maximal 100 Zuhörerinnen und Zuhörern, anschließend wird ausgeweitet auf maximal 200 sitzende Personen. Die darauffolgende Stufe sieht Events mit halber Auslastung, also 200 Stehplätze vor. Und die letzte Stufe setzt dann eine komplette Auslastung mit bis zu 400 Stehplätzen an.

"Wir haben echt länger überlegt, ob wir hier heute hingehen sollen," sagt Lina Keim, die mit ihrem Kumpel im Schneidersitz vor dem Jazzhaus sitzt "weil wir uns einfach nicht sicher waren, wie das so corona-technisch ist, wenn da so viele Leute auf einem Haufen sind. Aber ich hab' dann doch auch sehr schnell gesagt, dass ich ziemlich doll Lust hab' nach dieser Ewigkeit mal wieder auf ein Konzert zu gehen", fügt sie hinzu. "Deswegen freu' ich mich jetzt, vor allem weil mein letztes Konzert locker zwei Jahre her ist."
Ein fast vergessenes Lebensgefühl

Selbstbewusst und wie selbstverständlich stehen die Jungs von Cosmic Mints dann zehn Minuten später auf der Bühne, als sei ihr letztes Livekonzert erst vorgestern und nicht vor Corona gewesen. Im dunklen Gewölbe des Jazzhauses sind die gedämpften Lichter auf die Bühne gerichtet und obwohl das schon die zweite Runde ist, die die Band Cosmic Mints heute Abend spielt, ist die Stimmung im Raum geladen. Man kann die Freude der Menschen quasi mit Händen greifen, die Spannung darüber, dass endlich mal wieder was geht in der Musikszene - und das tatsächlich live.

Im Laufe des Abends kommt ein bisschen von dem Lebensgefühl zurück, dessen Existenz man irgendwie schon fast vergessen hatte. "Habt ihr Bock?", ruft der Frontman, schwarze Mütze, Vollbart und Cordjacke, in die vor ihm sitzende Menge. Ein wenig absurd sieht das schon aus: Ein Rockkonzert und die Menschen sind brav auf Stuhlreihen verteilt. Manche wippen nur mit den Füßen, andere headbangen im Sitzen - die Pandemie hat wohl einen neuen Tanzmove hervorgebracht.

Ein paar Gäste können sich nicht zurückhalten und springen immer wieder auf um zu Tanzen. Cool vom Sänger ist dann aber, dass er sie auffordert sitzen zu bleiben, er tanzt sowieso stellvertretend für die knapp hundert Menschen im Jazzhaus mit, während er "Why so depressed?" anstimmt.

Das ungewohnte Setting birgt auch Vorteile

Nach dem Konzert tummeln sich die Leute mit Bier in Grüppchen und reden. Es wird gelacht und getratscht, Nachfreude hängt in der Luft. Sven Maurer, Schlagzeuger der Band Cosmic Mints, steht mit zwei Fans der Band neben dem Eingang des Jazzhauses. Auf die Frage, wie es sich angefühlt hat, mal wieder auf einem Livekonzert zu sein, sagt Nina Henck: "Es war ein bisschen schwierig sitzen zu bleiben, aber es war auch einfach sehr schön mal wieder Musik zu hören, die nicht nur gestreamed wird. Mal wieder eine Band spielen zu sehen - das war echt klasse", meint sie. "Und auch einfach zu sehen wie sich die Jungs musikalisch weiterentwickelt haben, trotz Pandemie, das ist einfach Wahnsinn", fügt Julia Ruff, die auch mit dabei steht, hinzu.

Nina Henck sieht aber auch einen Vorteil im ungewohnten Setting "Man kann die Musiker zur Abwechslung mal richtig beobachten. Ich kann schauen was der Keyboarder macht oder was der Schlagzeuger macht. Und das ist auch mal spannend, weil das sonst immer untergeht, wenn alle rumspringen oder im Moshpit sind." Ähnlich ergeht es Sven Maurer: "Die Fans kommen nach heute auf uns zu, auch Leute deren Musikrichtung zum Beispiel Techno ist - also was komplett anderes, als das was wir hier machen und sagen dann, dass es ein ganz neues Feeling ist, sich so krass auf das zu fokussieren, was da auf der Bühne passiert."
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