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Danny Neumann von Flight 13 Records: Wie geht's und wie geht's jetzt weiter?

Stefan Mertlik

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 15: Danny Neumann vom Plattenladen Flight 13 Records.

Danny, wie geht's dir?

Mir und meiner Frau geht's zum Glück sehr gut. Wir haben auch in der Familie keine Komplikationen. Leider habe ich meine 90-jährige Oma schon lange nicht mehr gesehen. Dem Team geht es so weit auch gut.

Neben dem Geschäft in der Stühlinger Straße gehört zu Flight 13 auch ein Mailorder. Wie wichtig ist dieses Standbein derzeit?

Als der Lockdown kam, mussten wir das Geschäft sieben Wochen schließen. Der Mailorder war unser großes Glück. Viele Kunden haben sich solidarisch gezeigt und ein bisschen mehr bestellt. So konnten wir den Verlust durch die Ladenschließung kompensieren. Der Mailorder war aber schon vor Corona unser größeres Standbein. Andere Geschäfte mussten plötzlich auf ein Liefersystem umstellen, was ihnen ziemlich schwer fiel.
Danny Neumann, 44, ist gelernter Einzelhandelskaufmann. Seit 2013 arbeitet er im Plattenladen von Flight 13 Records. Thomas Haller hatte das Unternehmen vor 34 Jahren als Label gegründet. 1988 folgte die Geschäftseröffnung. Neben dem Label und dem Laden in der Stühlinger Straße betreibt Flight 13 einen erfolgreichen Mailorder.

Wie ging es im Laden nach dem Lockdown weiter?

Statt mit einer Sechs- ging es mit einer Drei-Tage-Woche los. Am Anfang durften wir auch nur drei Kunden gleichzeitig hereinlassen. Mittlerweile sind es sieben Personen. Wir haben eine Anhörstation mit zwei Plattenspielern, die nach dem Lockdown nicht genutzt werden durfte. Das geht nun wieder, die Kunden müssen die Kopfhörer aber desinfizieren. An unsere Ladenkonzerte ist aktuell noch nicht zu denken.

Was haben die Ladenmitarbeiter während des Lockdowns gemacht?

Um den Laden kümmern sich ein Kollege und ich. Generell sind die Mitarbeiter bei Flight 13 aber Mädchen für alles. Jeder packt Pakete, jeder verräumt Waren, jeder hilft im Geschäft aus. Durch die Ladenschließung mussten wir noch effizienter darin werden, wie wir miteinander arbeiten.

Als sich die Krise zuspitzte, haben viele Künstler ihre Alben verschoben. Hattet ihr in manchen Wochen überhaupt genug Ware?

Darüber haben wir am Anfang kurz nachgedacht. Zum Glück sind wir in unserer Nische aber so umfassend aufgestellt, dass das kein Thema war. Kleine Underground-Bands halten die Termine. Hauptsächlich verschieben bekannte Gruppen wie Sparta oder Biffy Clyro ihre Platten. Bei Alben, die erscheinen, haben wir gute Lieferzeiten und auch eine gute Lieferfähigkeit.
fudder fragt nach
fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Seit Mai stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Übersicht: Alle Folgen von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?"

Glaubst du, alle Künstler werden die Krise überstehen?

Große Bands können abgesagte Touren verkraften. Kleinere Bands, die nicht hauptberuflich musizieren, machen sowieso weiter. Die Bands dazwischen müssen sich umschauen. Die brauchen dringend neue Einnahmequellen.

Welche Aktionen plant ihr, um Künstler oder Konzertveranstalter zu unterstützen?

Die Differenz aus der Mehrwertsteuersenkung geben wir nicht an die Kunden weiter, sondern spenden sie an den Slow Club. Der Slow Club wird zwar ehrenamtlich betrieben, doch die Miete muss weiterhin bezahlt werden. Über diese Aktion freuen sich auch unsere Kunden.

Habt ihr bei den Bestellungen feststellen können, ob Corona eine bestimmte Art von Musik befeuert hat?

Jetzt kommen die ersten Alben heraus, auf denen sich Künstler dem Thema Corona stellen. Ich kann aber nicht sagen, ob in den vergangenen Monaten mehr wütende, traurige oder tanzbare Musik gekauft wurde. Es war und ist auch weiterhin gemischt. Viele Kunden haben mir erzählt, dass sie im Home Office mehr Musik hören konnten. Einige haben die Zeit auch genutzt, um sich mit Empfehlungen von uns zu beschäftigen.

Um Flight 13 muss sich trotz Corona also niemand sorgen?

Weil wir schon viele Krisen überstanden haben, sind wir von Natur aus optimistisch. Ich kann dir aber keine Prognose geben, weil ich nicht weiß, wie es nächstes Jahr aussieht. Was ist, wenn ein zweiter Lockdown kommt? Gerade haben wir aber nicht das Gefühl, dass es um unsere Existenz geht.
Flight 13 Records
Stühlingerstraße 15

Öffnungszeiten:

Montag von 12 bis 18 Uhr
Donnerstag bis Samstag von 12 bis 18 Uhr