Dúné im Jazzhaus: Ein ekstatisches Spektakel

Gina Kutkat

Man könnte fast traurig werden. Da spielt mit der dänischen Band Dúné wohl eine der besten, zumindest was ihre Live-Shows angeht, Synth-Rock-Kapellen in Freiburg – und fast niemand kriegt es mit. Die Trauer darüber wird überstrahlt von dem großartigen Auftritt, den die sieben Jungspunde gestern Abend im Jazzhaus ablieferten.



“Da wir keine Jazzmusik spielen, haben wir uns entschlossen, diesem Laden heute Abend einen neuen Namen zu geben. Passend zu Dúné heißt das Jazzhaus ab sofort Rockhaus“, witzelt Sänger Mathias Kolstrup zu Beginn des Konzerts. Dass auch dieser Titel seiner siebenköpfigen Band aus Dänemark nicht ganz gerecht wird, zeigt sich in den nächsten 90 Minuten. Was die Jungspunde aus dem kleinen Örtchen Skive in Dänemark da aus Gitarren und Synthies zapfen, lässt sich weder in einem Clubnamen noch in ein paar Sätzen zusammenfassen.

Der Ruf ihrer unberechenbaren Live-Show eilt Dúné ja bereits voraus, aber ein nur spärlich gefülltes Jazzhaus lässt am Abend zunächst Böses erahnen. Als dann die sechs Herren und das einzige Mädel der Band – Keyboarderin Cecilie Dyrberg – die Bühne betreten, merkt man ihnen den Enthusiasmus sofort an. Sie haben wohl einfach Bock auf dieses Konzert – auch wenn das Freiburger Konzertpublikum durch Abwesenheit glänzt. „Wir hatten gerade zwei Tage frei, deswegen fühlt es sich für uns gerade an, als hätten wir ewig nicht mehr auf der Bühne gestanden“, sagt Mathias.



„Hey Girl, I’m Gonna Treat You, Like We Do It In The West”: Mit “Heat” und “It’s Time To Leave”, zwei Titeln vom kürzlich erschienenen zweiten Albums von Dúné beginnt die Elektro-Rock-Disko-Show, die an diesem Abend sogar diejenigen zum Tanzen bringt, die gar nicht tanzen können oder wollen. Die helle und klare Stimme von Mathias ist eindringlich und verursacht immer wieder Gänsehautfeeling. Dieser dünne, blasse und blondgelockte Junge auf der Bühne strahlt so viel Lebenshunger, Schöngeistigkeit und Sehnsucht aus, dass man ihm das Rockstarleben gar nicht zumuten möchte.

Grazil bewegt er seinen Körper zur Musik, die von den zwei Keyboards von Cecilie und Ole Sorensen dominiert wird, die ihn auf rechter und linker Seite einrahmen. Zweiter wichtiger Bestandteil einer Dúné-Show sind natürlich die Gitarren, die zwischendurch zu queenartigen Rock-Solis ausscheren, meistens jedoch von den Synthie-Linien überlagert werden.



Die sieben Skandinavier, die übrigens inzwischen in Berlin beheimatet sind - geben zwar auch ohne Geräusch ein tolles Bild auf der Bühne – hochgesprayte Irokesen, Nietenwesten- und Gürtel, durchtrainierte, junge Körper, Tattoos bei einem gefühlten Durchschnittsalter von 20 - viel schöner und aufregender als das Styling ist jedoch die zu beobachtende Hingabe der Dúné-Mitglieder zu ihrer Musik. Sie selbst haben daran große Freude: Tanzen im Beat, shaken die Hüften, verlieren sich in den hymnischen Refrains – und der halbgefüllte Saal liegt ihnen zu Füßen. „Heiress of Valentina“, auf Platte ein cooler Dancefloor-Knaller, wird live zum ekstatischen Spektakel und auch die Songs vom Erstling „We Are In There You Are Out Here“ evozieren Freudentänze.

Cecilie gibt überzeugend die Rockerbraut hinter den Keyboards, die drei Gitarristen traktieren gekonnt ihre Saiten, der Drummer trommelt schnurgerade Beats und der aufgemotzte Schönling der Band – Cecilies Sidekick Ole – streunert immer mal wieder quer über die Bühne, bevor er dann ganz von ihr verschwindet um im Backstageeingang kurz einem Groupie die Zunge in den Hals zu stecken. Rock’n Roll eben.

Mathias intoniert alte und neue Songs mit gleicher Hingabe und hat sich spätestens bei der Ballade „Go Go Valentina“ in die Herzen seiner Zuhörer gesungen. Als Zugaben gibt es mit „Dry Lips“ noch mal einen der Höhepunkte des Debüts und mit „To Metropolis“ den Quasi-Titesong der aktuellen Scheibe „Enter Metropolis“.

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Foto-Galerie: Gina Kutkat

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