Cro im Haus der Jugend: Knipsen und Kreischen

Daniel Weber & Janos Ruf

Pandamaske auf's Gesicht und sich mit "RAOP" mal eben eigene Musiknische geschaffen: Mit diesem Rezept regiert Cro die Charts. Am Samstagabend hat er auf seiner Tour im Freiburger Haus der Jugend Halt gemacht. Wie's war:



Hip Hop war schon immer eine facettenreiche Kultur, Rapmusik ihre Stimme, Juvenilität ihr Taktgeber, Party, Persönliches und Sozialkritik ihre Themen. Angefangen in den Siebziger Jahren in New Yorker Ghettos ist Hip Hop in den Jahrzehnten seither zur globalen Größe gereift. Die Bezeichnung Jugendkultur ist geblieben. Sei es zum einen, weil es in kulturhistorischer Zeitrechnung schlichtweg noch eine junge Kultur ist, oder sei es, weil sich Hip Hop in unregelmäßiger Regelmäßigkeit immer wieder selbst neu erfindet, mit einer neuen jungen Generation als Antreiber.

Speziell in Deutschland, wo Hip Hop und Rapmusik, vor allem in deutscher Sprache, noch viel jünger sind, befindet sich die Kultur gerade im Wandel. Auch hier angetrieben von neuen, jungen, Künstlern. Man muss nur einen Blick auf die Charts werfen, deutscher Hip Hop ist dort nicht nur ein Stammgast, er gibt mitunter den Ton an.

Größter Tonangeber ist derzeit unbestritten Cro, ein 19-Jähriger mit Pandamaske auf dem Kopf als Markenzeichen, der mit „Easy“, einem Gute-Laune-Song über seine nervige Freundin und dem dazugehörigen You-Tube-Video einen schier grenzenlosen Hype auslöste und anschließend mit seinem Debütalbum zahlreiche Charts-Rekorde brach. Seine Geschichte ist unendliche Male erzählt worden. Die ältere Generation kennt ihn nach seinem Auftritt bei Wetten Dass inzwischen auch: den Pandarapper, Chartstürmer, Facebookmillionär. Samstagabend gastierte er auf seiner Tour im Haus der Jugend – passenderweise.

Monate im Voraus waren die rund 650 Karten vergriffen. Der örtliche Konzertveranstalter Koko suchte nach einem Weg, das Konzert in eine größere Location  zu verlegen. So wie es Tage zuvor schon bei Kraftklub geklappt hatte, einem anderen jungen deutschen Erfolgsact mit Wurzeln im Hip Hop. Statt im Jazzhaus spielten die Chemnitzer im Zäpfle Club der Rothaus Arena vor 2000 Menschen. Cro hätte wohl mindestens ebenso viele Fans angelockt. Zum Vergleich: In seiner Heimat Stuttgart ist das anstehende Konzert in der Schleyerhalle bereits ausverkauft. Die Halle hat ein Fassungsvermögen von etwa 15.000. In Freiburg blieb es aber beim und im Haus der Jugend. Die Herbstmess sowie die Internationale Mineralien- und Fossilienbörse verhinderten den Umzug in die Rothaus Arena.

Doch warum ist Cro solch ein Phänomen? Was macht diesen riesigen Erfolg aus? Wirklich zu fassen war die Antwort auf diese Frage auch am Samstagabend nicht. Da stand ein junger Typ mit einer Pandamaske über der verkehrt herum aufgesetzten Basecap auf der Bühne, der immer wieder seinen Kopf schräg zur Seite legte, so dass es für einen Momente tatsächlich so aussah, als würde da ein Panda mit großen Augen stehen und sich fragen, was da eigentlich los sei. Passenderweise zuckte er selbst dabei auch immer mal wieder mit den Schultern.

Cro, sein Name leuchtete anhand von drei als Bühnenbild aufgestellten großen Buchstaben in verschiedenen Farben, spielte sich mit seiner dreiköpfigen Band (DJ, Drummer, Bassist) durch sein Erfolgsalbum „Raop“ und bot eben das: eine Mischung aus Rap und Pop. „Geile Welt“, „Meine Zeit“ oder „Jeder Tag“, heißen seine Songs. Die Botschaften waren klar gesteckt, die Show dazu nicht allzu ausgetüftelt, aber solide und unprätentios. Sie bot eben das, was das junge Publikum wollte: Cro sehen, Hits hören, Pics sharen.



Vor der Bühne standen vor allem Teenager, die ihre Smartphones in die Höhe reckten, knipsten, filmten und kreischen. Sei es, als Cro zum ersten Mal die Bühne betritt, als er nach den Songs immer wieder ein langgezogenes „Yeaaaah“ ins Mikrofon spricht oder sei es einfach nur, als er sich mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Nacken wischt und es für einen Moment so aussieht, als schmeiße er es gleich in die Menge. Auch die Textsicherheit unten in den Reihen war hoch, Jede Zeile wurde aus den Reihen laut mitgesungen.Die erste Strophe des Hits „Easy“ rappte das Publikum einmal komplett alleine. Vereinzelt werden auch gemalte Plakate in die Luft gehalten.

Ein Mädchen trägt einen Pulli, an dessen Kapuze Pandaohren genäht sind. An einem Punkt der Show wird ein anderes Mädchen auf die Bühne geholt, das dann Cro und die Band mit dem Publikum im Rücken fotografieren darf. Das Ergebnis ist direkt nach dem Konzert auf der Facebook-Seite von Cro zu sehen (die Kommentare dazu. Zeit? Geist?). Mehr als 1,5 Millionen Fans hat er dort inzwischen. 90 Minuten dauerte die kurzweilige Show insgesamt. Am Ende stand die Erkenntnis: Hip Hop ist eine Jugendkultur. Raop noch viel mehr.

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Foto-Galerie: Janos Ruf

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