Gesundheit

Coronavirus-Tests sind nun auch in Freiburg und Stuttgart möglich

Jens Schmitz

Wenn die neuartige Lungenkrankheit nachgewiesen werden soll, müssen Atemwegsproben nicht mehr nach Berlin geschickt werden. Neuerdings können auch Labors in Baden-Württemberg tätig werden.

Auch im Landesgesundheitsamt in Stuttgart und der Uniklinik Freiburg kann der Nachweis erfolgen. Im Ernstfall würde das in Stuttgart angesiedelte Kompetenzzentrum Gesundheitsschutz die Gefahrenabwehr im Land koordinieren.


Sind die neuen Labors als Anlaufstelle für Patienten gedacht?
Nein. Wer in der chinesischen Risikoprovinz Hubei war und innerhalb von 14 Tagen Fieber, Husten oder Atemnot entwickelt, soll sich per Telefon bei einem Arzt melden. Weitere Maßnahmen werden dort koordiniert.

Was können die Tests?
Bislang mussten Proben mit Verdacht auf Coronaviren an das Berliner Institut für Virologie der Charité versandt werden. Nun verwenden Stuttgart und Freiburg denselben molekularbiologischen Test wie ihre Kollegen. Der sogenannte PCR-Test liefert nach rund fünf Stunden Resultate. "Damit können wir landesweit eine zeitnahe Diagnostik gewährleisten und es entfallen die langen Transportwege zum Konsiliarlabor in Berlin", sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Donnerstag im neuen Stuttgarter Labor.

Was erwartet Patienten bei positivem Befund?
Bislang gibt es – soweit bekannt ist – in Deutschland nur vier Fälle: In Bayern haben sich vier Mitarbeiter eines Autozulieferers bei einer Kollegin angesteckt, die sich in China infiziert hatte.
Sollte so etwas auch in Baden-Württemberg passieren, würde der Fall dem Gesundheitsamt gemeldet, der Patient selbst isoliert. Wann jemand wieder gesund ist, gehört zu den noch nicht restlos geklärten Fragen: "Das würden wir auch gern wissen", sagte der Leiter des Landes-Kompetenzzentrums Stefan Brockmann. Eine 14-tägige Quarantäne gehöre dazu, dann werde im Einzelfall so lang getestet, bis die Befunde negativ blieben.

Wie gefährlich ist das Virus?
Zum neuen Coronavirus waren am Donnerstag weltweit über 8000 Infizierte gemeldet, fast alle davon in China. An die chinesischen Zahlen könne man sicher noch eine, eher zwei Nullen dranhängen, erklärt Rainer Oehme, Laborleiter der Molekularbiologie beim Landesgesundheitsamt. Die Sterblichkeitsrate, die derzeit mit 2,8 Prozent beziffert wird, nähere sich dann derjenigen der in Europa verbreiteten Influenza-Grippe an. Sie liegt im Promillebereich. Die Rate des mit dem neuen Coronavirus verwandten SARS-Erregers, der vor 17 Jahren Schlagzeilen machte, bezifferten die Experten dagegen auf neun Prozent.

Warum dann der Aufwand?
Aktuell ist das neue Virus hauptsächlich auf eine chinesische Provinz und einige Einzelfälle beschränkt, die mit Reisen in Zusammenhang stehen – im Gegensatz zu einer Pandemie, bei der ein Erreger wie eine Welle um die Welt gehe, so Oehme. Flugbeschränkungen, Meldenetz und Quarantänemaßnahmen sind weniger der Gefahr für den Einzelnen geschuldet, als dem Versuch, das Übergreifen eines neuen Erregers auf andere Erdteile zu verhindern.
Die Auswirkungen der Influenza seien für die hiesige Bevölkerung deutlich stärker, sagte Lucha. Es gehe vor allem darum, zu verhindern, dass sich ein weiterer Erreger etabliere, der zumindest für Personen mit Vorerkrankungen eine Gefährdung darstellen könne. "Stand jetzt bin ich überzeugt davon, dass wir das aufgefangen kriegen", sagte Silke Fischer, Leiterin des Referats Hygiene und Infektionsschutz. "Das ist das Ziel all unserer Bemühungen."

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